Die beiden Zusammenarbeiten mit Julie Dreyfus zeigen, wie eine Nebenrolle den Zugang zu denjenigen gestalten kann, die im Zentrum der Macht stehen.
Ein berufliches Verhältnis, das konkrete Fähigkeiten nutzt
Julie Dreyfus spielt Sofie Fatale in Kill Bill und Francesca Mondino in Inglourious Basterds. Es sind zwei Nebenrollen im Umfeld mächtiger Figuren, auch wenn ihre Aufgaben und ihre Welten unterschiedlich sind. Ihr wiederholter Einsatz lässt mehr erkennen als eine abstrakte Vorliebe für internationale Besetzungen: Tarantino arbeitet mit einer Darstellerin, die sich zwischen Sprachen bewegen und einer Zwischenposition dramatische Gestalt verleihen kann.
In einem Interview mit Cinematopics aus dem Jahr 2003 erklärte Dreyfus, sie habe den Regisseur beim Filmfestival von Yūbari kennengelernt und er habe ihr mitgeteilt, dass er eine Rolle für sie vorbereitet habe. Sie erinnerte sich auch an Gespräche über Sofies Geschichte, die über den Ausschnitt hinausgingen, der schließlich auf der Leinwand zu sehen ist. Der Bericht dokumentiert eine gemeinsame Vorbereitung, ohne dass man Szenen oder Hintergründe erfinden muss, die der Film nicht zeigt.
Die Schauspielerin spricht Französisch, Englisch und Japanisch. Diese Fähigkeit darf nicht automatisch als Garantie für Authentizität bei jeder Figur oder Situation gelten. Sprachen zu beherrschen und einen Menschen darzustellen sind verwandte, aber unterschiedliche Aufgaben. Ihr filmischer Wert entsteht dann, wenn die Sprachkenntnisse in eine Handlung einfließen: antworten, dolmetschen, ein Gespräch lenken oder Abstand wahren.
Auch sind ihre Figuren keine neutralen Sprecherinnen einer Kultur. Beide sind in Machtverhältnisse eingebunden. Die von ihnen verwendete Sprache kann die Kommunikation erleichtern und zugleich eine Hierarchie aufrechterhalten. Das Spiel muss diese Position spürbar machen, ohne sie jedes Mal, wenn die Figur auftritt, durch eine biografische Erklärung auszubuchstabieren.
Sofie Fatale und die administrative Normalität der Gewalt
In Kill Bill gehört Sofie zum Umfeld von O-Ren Ishii und vermittelt den Eindruck professioneller Kontrolle. Ihre Kleidung, ihre Verfügbarkeit und die Art, wie sie alltägliche Angelegenheiten erledigt, unterscheiden sie von jenen, die vor allem als Kämpfer auftreten. Dreyfus schafft eine Präsenz, die sich in der Nähe von Gewalt bewegen kann, ohne stets den Ausdruck einer Person anzunehmen, die sich in einer außergewöhnlichen Gefahr wähnt.
Die Schauspielerin erzählte in jenem Interview, dass einige Telefongespräche auf Tarantinos Text beruhten, den sie beim Spielen ins Japanische übertrug. Das verdeutlicht einen konkreten Beitrag zur Arbeit. Es bedeutet weder, dass sie Sofies gesamte Geschichte frei erfunden hätte, noch, dass sie allein für das Japanisch im Film verantwortlich war; beschrieben wird ein begrenzter Eingriff in ihren eigenen Szenen.
Die Wirkung dieser Momente entsteht aus dem Kontrast zwischen Verwaltungstätigkeit und brutalem Umfeld. Ein Telefon und ein Büroton können den Anschein von Routine aufrechterhalten, während sich ringsum etwas Außergewöhnliches ereignet. Dreyfus macht diese berufliche Normalität nachvollziehbar, und der Film lässt sie beunruhigend wirken, ohne sie mit einer moralischen Rede zu unterstreichen.
Die Entwicklung von Sofie Fatalegehört zu ihrem Weg innerhalb der Handlung. Als schauspielerische Leistung ist die Veränderung ihrer Position interessant: Wer zunächst Zugang und Schutz zu haben scheint, kann der Macht einer Kraft ausgesetzt sein, die alle Sicherheiten ins Wanken bringt. Die Kontinuität der Figur hängt davon ab, dass die Veränderung nicht wie ein willkürlicher Austausch ihrer Persönlichkeit wirkt, sondern wie die Reaktion derselben Frau auf eine Extremsituation.
Francesca Mondino: Dolmetschen heißt auch, einen Platz einzunehmen
In Inglourious Basterdsgehört Francesca Mondino zum Umfeld von Joseph Goebbels und ist als Dolmetscherin tätig. Durch ihre Präsenz können sich mehrere Figuren verständigen, obwohl sie nicht dieselbe Sprache sprechen. Diese Aufgabe könnte rein informativ erscheinen, doch die Inszenierung macht daraus auch eine Frage des Zugangs: Jemand entscheidet, wann er eingreift, wem er zuhört und an wen er die Worte richtet.
Dreyfus muss ihre Aufmerksamkeit aufteilen. Wer ein Gespräch dolmetscht, blickt auf die sprechende Person, erfasst ihre Absicht und wendet sich dann der Person zu, die die Übersetzung erhält. Diese kleinen Blickbewegungen zeichnen die Hierarchie am Tisch nach. Die Figur ist in diese Hierarchie eingebunden, nicht außerhalb von ihr wie eine unsichtbare Erzählerin.
Die Position von Francesca Mondinobringt sie außerdem in persönliche Nähe zur Macht. Das verändert die Art, wie sie den Raum einnimmt: Berufliche Kompetenz geht mit Vertrautheit und der Zugehörigkeit zum herrschenden Kreis einher. Das Spiel muss sich nicht für eine dieser Dimensionen entscheiden. Es kann zeigen, dass eine scheinbar praktische Aufgabe von persönlichen und politischen Beziehungen durchzogen ist.
Der Vergleich mit Sofie darf die Unterschiede zwischen ihnen nicht verwischen. Die eine bewegt sich in einer stilisierten kriminellen Organisation, die andere ist innerhalb einer historischen Fiktion Teil des nationalsozialistischen Kulturbetriebs. Beide organisieren Kommunikation, doch sie teilen nicht automatisch dieselbe Biografie, dieselben Werte oder dasselbe Schicksal. Dreyfus verleiht ihnen eine Präsenz, die auf ihr jeweiliges Umfeld abgestimmt ist.
Besonders aufschlussreich sind die Wechsel zwischen Gesprächspartnern: Dieselbe Frau kann ihrem Vorgesetzten gegenüber Vertrautheit zeigen und gegenüber jemandem von außerhalb einen anderen Ton anschlagen. Dieser Wechsel macht ihre Zugehörigkeit deutlich, ohne den Gesprächsfluss zu unterbrechen.
Ihr wiederkehrender Beitrag zeigt, wie viel in einer internationalen Szene von denjenigen abhängen kann, die nicht die Hauptrede halten. Zuhören, dolmetschen und antworten strukturieren die Zeit der Hauptfiguren. Dreyfus macht diese Tätigkeiten zu sichtbarem Schauspiel und zeigt, dass Sprache Teil der Beziehung zwischen Menschen ist – keine kosmopolitische Dekoration, die der Besetzung hinzugefügt wird.
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