Sofie Fatale, gespielt von Julie Dreyfus in Kill Bill Vol. 1, gehört zu O-Ren Ishiis engstem Kreis. Ihre Arbeit als Dolmetscherin und ihre Nähe zur Anführerin verschaffen ihr Einblick in wichtige Begegnungen, Entscheidungen und Gespräche. Als Vertraute hängt ihr Einfluss davon ab, dass sie Zugang zu den Personen hat, die das Sagen haben.
Ihre Verbindung zu Beatrix beginnt bereits vor der Begegnung in Tokio. Sofie war in der Kapelle anwesend, als die Braut angegriffen wurde. Diese Erinnerung macht ihr späteres Auftauchen zu einem persönlichen Wiedererkennen. Für Beatrix ist die Frau an O-Rens Seite mit einem Angriff verbunden, der ihr Leben geprägt hat.
Der Angriff im Restaurant verändert Sofies Stellung auf brutale Weise. Danach lässt Beatrix sie am Leben, um Informationen zu erhalten und Bill eine Warnung überbringen zu lassen. Sofie übermittelt weiterhin Botschaften, doch die Bedingungen haben sich geändert: Jetzt muss sie einer Person antworten, die sie bedroht. Diese Kontinuität ihrer Rolle, geprägt von Zwang, erklärt die Bedeutung einer Figur mit wenig Leinwandzeit.
In Kill Bill Vol. 1, Quentin Tarantinos Film aus dem Jahr 2003, steht Sofie den Anführern nahe. Sie kann sie begleiten und mit ihnen sprechen, auch wenn dieses Vertrauen sie nicht auf eine Stufe mit ihnen stellt. Ihre Anwesenheit zeigt, dass eine Organisation auch auf Vertraute angewiesen ist, die kommunizieren und mit Informationen umgehen können.
Dolmetscherin und Vertraute von O-Ren
Zusammen mit O-Ren Ishii ist Sofie Teil des Umfelds, das die Aktivitäten der Anführerin ermöglicht. Durch ihre Übersetzungen können sich andere verständigen; das persönliche Vertrauen verschafft ihr Zugang zu Gesprächen, die über einzelne Gelegenheiten hinausgehen. Ihre Aufgabe erfordert Nähe und Kenntnis des Kontexts ebenso wie die Fähigkeit, Gesagtes weiterzugeben.
Sofie gehört nicht zum Trupp der Tödlichen Vipern. Sie ist eine Vertraute aus O-Rens Umfeld und hat ihre eigenen Beziehungen zu O-Ren und Bill. Dieser Unterschied hilft dabei, ihre Rolle einzuordnen: Die Geschichte stellt sie nicht als eine der Gegnerinnen dar, die Beatrix im Kampf besiegen muss. Innerhalb der Organisation ist Sofie auf andere Weise nützlich.
Dadurch ist sie zugleich wertvoll und verletzlich. Sie kennt Menschen, nach denen Beatrix sucht, und kann mit ihnen kommunizieren. Als die Rache ihr Umfeld erreicht, wird der Zugang, den sie als Vertraute hatte, zu etwas, das eine andere Frau für ihre Zwecke nutzen will. Ihre Nähe zur Führung setzt sie schließlich dem Konflikt aus.
Die Zeugin, die Beatrix wiedererkennt
Sofies Anwesenheit in der Kapelle verbindet ihre Szenen in Tokio mit dem Angriff zu Beginn. Beatrix kann sie anhand einer konkreten Erinnerung identifizieren. Die Begegnung beruht daher nicht allein darauf, dass Sofie O-Ren begleitet: Zwischen dem Blick des Opfers und der Frau, die bei dem Angriff dabei war, besteht eine Vorgeschichte.
In der internationalen Schnittfassung von 2003 trennt Beatrix ihr während der Sequenz im Haus der Blauen Blätter einen Arm ab. Der Angriff trifft eine Person aus O-Rens engstem Kreis und macht die herannahende Bedrohung sichtbar. Für Sofie bedeutet er, den vermeintlichen Schutz dieses Umfelds mit einem Schlag zu verlieren.
Die Szene verändert auch ihre Beziehung zur Hauptfigur. Sofie ist einer Gewalt ausgesetzt, die Beatrix gezielt ausübt. Die gemeinsame Vergangenheit erklärt, warum Beatrix sie wiedererkennt und nach ihr sucht; die gegenwärtige Verletzung geht auf eine neue Entscheidung Beatrix’ zurück. Die Geschichte lässt das Publikum Beatrix’ Rache verfolgen und zugleich das Leid sehen, das sie verursacht.
Informationen und eine Warnung für Bill
Beatrix braucht Sofie lebend, um zwei Zwecke zu erfüllen: ihre Fragen zu beantworten und Bill die Warnung zu überbringen. Informationen zu erhalten und eine Drohung zu verbreiten sind unterschiedliche Ziele. Die erste Aufgabe ermöglicht es Beatrix, die Verfolgung fortzusetzen; die zweite sorgt dafür, dass die Empfänger erfahren, dass die Frau, die sie für besiegt hielten, zurückgekehrt ist.
Für Bill kann Sofie aus dem Inneren der Gruppe über die Ereignisse in Tokio berichten. Ihre Schilderung umfasst O-Rens Niederlage und Beatrix’ Vormarsch. Ihr körperlicher Zustand macht die Folgen des Geschehenen zusätzlich sichtbar. Die Warnung erreicht Bill durch eine Person, die er kennt und deren Zustand er selbst sehen kann.
Sofies letzter Auftritt vor Bill gehört zum Abschluss des ersten Teils. Der Film lässt die Vertraute nach dem Kampf und Beatrix’ Verhör als Gesprächspartnerin zurück. Ihr Überleben verbindet die Ereignisse um O-Ren mit der Fortsetzung der Rache – durch ein Gespräch, das den Konflikt bis zu seinem nächsten Adressaten trägt.
Julie Dreyfus erinnerte sich in einem Gruppeninterview, das Phase9 im Oktober 2003 veröffentlichte, an die Dreharbeiten zur Szene im Kofferraum. Sie erzählte, dass sie spät in China gedreht wurde, als ein Teil des Effekteams bereits nach Los Angeles zurückgekehrt war. Tarantino verlangte mehr Kunstblut und trug es schließlich selbst auf. Die Schauspielerin erklärte, ihr Gesicht sei beim Aussteigen aus dem Auto ganz bedeckt gewesen.
Dreyfus konnte ihr Aussehen nicht überprüfen, solange sie im Kofferraum lag. In ihrer Erinnerung unterscheidet sie zwischen dem, was sie während der Aufnahme tat, und dem Bild, das das Publikum später zu sehen bekam. Das Ergebnis hing von ihrer Anwesenheit im Wagen und von der Arbeit ab, die andere um sie herum verrichteten.
Das fertige Bild konzentriert die Aufmerksamkeit auf ein Gesicht, an dem Sofies vertraute Züge noch zu erkennen sind. Das übertriebene Make-up gehört zur stilisierten Gewalt des Films, während die Darstellung die Verbindung zu der Frau aufrechterhält, die zuvor mit O-Ren gesprochen hat. Die körperliche Veränderung macht unmittelbar deutlich, was sie gerade erlitten hat.
