Battle Without Honor or Humanity: Hotei und O-Rens Auftritt

Battle Without Honor or Humanity von Tomoyasu Hotei ist das instrumentale Rockstück, das O-Ren Ishii und ihre Gefolgschaft bei ihrem Auftritt in Kill Bill Vol. 1 begleitet. Die Musik macht den Weg durch das Restaurant zu einer Machtdemonstration. Gitarre und rhythmischer Schwung verleihen dem Vormarsch der Gruppe Zusammenhalt, während die Szene erkennen lässt, um welche Frau sich dieser Schutz formiert. Noch vor der Konfrontation vermittelt der Auftritt das Selbstvertrauen derer, die den Ort beherrschen.

Die Komposition stammt aus Shin Jingi Naki Tatakai, dem japanischen Film von 2000 unter der Regie von Junji Sakamoto. Durch ihre Verwendung in Tarantinos Film lässt sich untersuchen, wie ein bestehendes Musikstück in Verbindung mit neuen Figuren eine andere Bedeutung erhält. Im Mittelpunkt steht hier dieser Wandel: die Anziehungskraft des Sounds, sein Verhältnis zur Bewegung und die Bedrohung, die er heraufbeschwört. Das Ergebnis hängt sowohl von Hoteis musikalischer Handschrift als auch von der Entscheidung ab, das Stück einen Auftritt begleiten zu lassen – zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Gruppe noch als geschlossene Einheit präsentieren kann.

In Quentin Tarantinos Kill Bill Vol. 1 (2003) dient Battle Without Honor or Humanity als Auftrittsmusik. O-Ren und ihre Begleiter schreiten gemeinsam voran; das Stück verleiht ihnen eine gemeinsame Energie, bevor die Handlung sich auf die Fähigkeiten der Einzelnen konzentriert. So erhält der Auftritt innerhalb der Restaurantsequenz seine eigene Dauer und Gewichtung.

Eine Komposition von Hotei für den japanischen Film von 2000

Hoteis offizielles Filmarchiv datiert Shin Jingi Naki Tatakai auf das Jahr 2000 und nennt Junji Sakamoto als Regisseur. Hotei wirkte als Schauspieler und Musikverantwortlicher mit. Universal Music Japan gibt den 29. November desselben Jahres als Erscheinungsdatum des Soundtracks an und führt darin die Titel Jingi Naki Tatakai und Shin Jingi Naki Tatakai getrennt auf. Letzterer ist der Ausgangspunkt für das in Kill Bill verwendete Stück.

Der Unterschied zwischen diesen Titeln ist wichtig: Die Komposition, die O-Ren begleitet, stammt aus dem Film von 2000. Wer sie mit der Musik aus Kinji Fukasakus Film von 1973 verwechselt, übersieht Hoteis originären Beitrag. Die ähnlichen Namen verweisen auf eine gemeinsame Filmtradition, machen die beiden Aufnahmen aber nicht zu ein und demselben Werk.

Im Interview mit Laure Ghilarducci für das Journal du Japon, veröffentlicht am 29. Juni 2014, erklärte Hotei, dass er das Stück komponiert, produziert und eingespielt hatte. Tarantino sah den japanischen Film und wandte sich an Hoteis Büro, um die Verwendung des Stücks anzufragen. Es wurde also ein bereits fertiges Stück ausgewählt, dessen Wirkung sich auf eine andere Sequenz übertragen ließ.

In der Albumangabe von Warner Music España wird Hotei als Interpret dieses Titels aufgeführt. Diese Zuordnung ermöglicht es, Hotei neben der Arbeit von RZA in Kill Bill einzuordnen, ohne die Zuständigkeiten zu vermischen: Der Soundtrack vereint Beiträge unterschiedlicher Herkunft, und die Wirkung des Ganzen hängt auch davon ab, wie sie in die Erzählung eingebettet sind.

Gitarre, Rhythmus und Energie ohne Gesang

Im Zentrum des Stücks steht ein einprägsames Gitarrenmotiv, das über einem festen Rhythmusfundament wiederkehrt. Die Wiederholung gibt Orientierung: Mit jeder Rückkehr bleibt das Gefühl des Vorwärtsdrängens erhalten. Die Gitarre setzt markant ein und steht klar im Vordergrund, was diesen Effekt verstärkt. Der Reiz liegt in der Beharrlichkeit der Figur und ihrem Zusammenspiel mit der Begleitung, die gemeinsam die Bewegung mehrerer Körper tragen.

Hotei erklärte dem Journal du Japon außerdem, dass er beim Komponieren oft mit der Kombination aus einem Gitarrenriff und einem Rhythmus beginnt. Damit beschrieb er seine übliche Arbeitsweise. Das Verhältnis der beiden Elemente bietet hier einen Schlüssel zum Hören: Das Motiv sorgt für eine wiedererkennbare Form, und das Fundament hält den musikalischen Fluss aufrecht, in dem diese Form kraftvoll wiederkehren kann.

Da das Stück instrumental ist, kann das Bild diese Energie bestimmten Personen zuordnen. Keine Singstimme benennt die Anführerin, zählt die Eigenschaften ihrer Begleiter auf oder erklärt den Grund ihres Besuchs. Die Gruppe erhält denselben musikalischen Impuls, während die Anordnung ihrer Mitglieder Hierarchien erkennen lässt. So bleibt der Reiz eines gemeinsamen Auftritts erhalten, ohne O-Rens besondere Stellung zu verwischen.

Eine spätere Verwendung verdeutlicht die Vieldeutigkeit des Stücks. Jennifer Bromley vom Music-Library-Team von NPR erklärte im Mai 2012, man habe das Stück für einen Beitrag über ein Kinderbuch mit Superhelden ausgewählt. Gesucht wurde Instrumentalmusik mit heldenhafter Energie und einer dunklen Note; die E-Gitarre vereinte diese Eigenschaften. Ihr Bericht zeigt, dass die treibende Kraft der Aufnahme je nach den begleitenden Bildern oder Worten unterschiedliche Assoziationen zulässt.

Warum der Auftritt O-Ren und ihre Gefolgschaft größer erscheinen lässt

Der Auftritt stellt einen Zusammenhang zwischen Selbstsicherheit und Inszenierung her. Die Figuren bewegen sich gemeinsam und haben Zeit, sich zu zeigen. Die Musik verleiht diesem Weg zusätzliche Bedeutung: Der Gang durch einen Korridor wird zu einem öffentlichen Auftritt. Im Fall von O-Ren Ishii wird der Schutz, der sie umgibt, zugleich Teil ihres autoritären Auftretens.

Das Stück vermittelt zunächst einen Eindruck von Kontrolle. Durch seinen gleichmäßigen Vorwärtsdrang wirkt die Gruppe wie eine Einheit, die genau weiß, wohin sie geht. So wird die Größe des Hindernisses vorbereitet, auf das die Braut treffen wird. Die Bedrohung geht von der organisierten Präsenz der Gruppe aus – noch bevor sich im Kampf zeigt, wozu die einzelnen Gegner fähig sind.

Der Auftritt nimmt somit einen genau bestimmten Platz innerhalb der Schlacht im Haus der blauen Blätter ein. Bevor die Kämpfe die Beteiligten voneinander trennen, präsentiert die Musik sie als geschlossene Gefolgschaft. Der mitreißende Marsch macht die Selbstsicherheit dieser Ordnung sichtbar und gibt dem Publikum einen Moment, sie zu bewundern. Wenn die Gewalt die Situation verändert, bleibt dieser Auftritt als Bild einer Macht bestehen, die den Raum scheinbar beherrschte.

Die Konzertgeschichte des Stücks eröffnet eine weitere Perspektive. In einem Interview mit UK News Digest vom 17. Oktober 2013 erinnerte sich Hotei an seinen Auftritt beim Japan Matsuri auf dem Trafalgar Square. Gemeinsam mit Joji Hirota und dessen Taiko-Gruppe spielte er eine längere Version und verband den Puls seiner Musik mit den japanischen Trommeln. Der Bericht beschreibt eine Bearbeitung für diesen Anlass; die Mitwirkung dieser Musiker bezog sich auf diesen späteren Auftritt.

Der Musiker erzählte außerdem, dass jemand nach einem anderen Konzert in London geglaubt hatte, er spiele eine Version eines fremden Liedes. Die Anekdote macht den Unterschied zwischen dem Erkennen einer Melodie und dem Erkennen ihres Urhebers deutlich. Im Film kann ein Stück mit dem Gesicht einer Figur verbunden werden; auf der Bühne rückt der Gitarrist auch die Urheberschaft seines eigenen Werks wieder ins Bewusstsein. Hotei schätzte es, ein Stück zu haben, mit dem er sich einem Publikum vorstellen konnte, das ihn noch nicht kannte.