Blut in Kill Bill: praktische Effekte und Ästhetik des Exzesses

Blut verändert in Kill Bill, wie ein Schlag wahrgenommen wird. Es kann durch die Luft spritzen, sich auf einer Oberfläche ausbreiten oder nach dem Angriff auf einem Gesicht zurückbleiben. Jedes Auftreten nimmt eine andere Zeitspanne ein: Der Spritzer begleitet den Aufprall; der Fleck bewahrt seine Spur, wenn die Bewegung bereits beendet ist. Dieser Unterschied lässt denselben Film von der Verletzlichkeit einer Figur zu maßloser, theatralischer Gewalt wechseln.

Auch die Farbe wirkt an der Bildkomposition mit. Auf einer hellen Oberfläche wird eine Spur sichtbar, die inmitten einer Massenschlägerei zwischen den Körpern und Bewegungen untergehen könnte. Auf der Kleidung verändert das Blut ein Kostüm, das die Zuschauerinnen und Zuschauer schon vor dem Kampf wiedererkannt haben. Schauplatz und Figuren sammeln nach und nach sichtbare Zeichen des Geschehens.

Die Übertreibung kann überraschen oder schwarzen Humor erzeugen, doch ihre Wirkung verändert sich je nach Länge der Einstellung und danach, wie viel Aufmerksamkeit der verletzten Person gilt. Um diese Ästhetik zu verstehen, sollte man sowohl den Moment des Blutaustritts als auch das betrachten, was das Bild danach zeigt.

Spritzer und Flecken: zwei Momente des Aufpralls

Ein Blutschwall verlängert einen sehr kurzen Kontakt visuell. Die Bewegung der Waffe endet, doch die Reaktion geht weiter und nimmt einen Teil des Bildausschnitts ein. Diese Verlängerung verleiht dem Schlag eine zweite Gestalt: Zunächst nimmt man die Bewegung des Kämpfers wahr, danach die Bahn, die der Effekt hinterlässt. Die Gewalt bleibt nachvollziehbar, auch wenn der Schlagabtausch zu schnell ablief, um ihn im Detail zu betrachten.

Geoffrey O’Brien stellte 2003 in seiner Besprechung des ersten Teils in Film Comment fest, dass das wiederholte Vergießen und Verspritzen von Blut schließlich eine ornamentale Funktion erhielt. Seine Deutung richtet den Blick auf den Moment, in dem eine Folge des Angriffs zugleich zu einem Motiv der Bildkomposition wird. Das Rot zieht den Blick an und setzt die umgebenden Oberflächen zueinander in Beziehung.

In der Schlacht im Haus der Blauen Blätter verändert die Ansammlung von Blut den Raum, in dem die Handlung stattfindet. Der Ort bewahrt die Spuren früherer Auseinandersetzungen, während neue Bedrohungen hinzukommen. Blut auf dem Boden und den Körpern bringt eine sichtbare Erinnerung in eine Sequenz, die weiter voranschreitet: Das Restaurant sieht nicht mehr so aus wie in dem Moment, als Beatrix es betrat.

Das blutverschmierte Gesicht zu Beginn schafft einen anderen Bezug zum Bild. Die Nahaufnahme konzentriert die Aufmerksamkeit auf eine Person, die angegriffen wurde und kaum reagieren kann. Hier wirkt vor allem die bleibende Wunde im Gesicht. Später kann ein überproportionaler Blutschwall während eines Kampfes eine ganz andere Art von Schreckmoment hervorrufen. Die sichtbare Menge allein sagt wenig über den Ton des jeweiligen Moments aus.

Wie die Effekte während der Dreharbeiten umgesetzt wurden

Howard Berger von KNB EFX erzählte Daniel Scrivner, dass sich die Vorbereitung der Effekte mit der Arbeit an der Action veränderte. Während der Proben notierte er, was den Figuren zustoßen würde; anschließend bereitete sein Team die nötigen Teile für die Dreharbeiten vor. Seine Erinnerung beschreibt den unmittelbaren Zusammenhang zwischen der entwickelten Choreografie und dem physischen Effekt, der sie begleiten sollte.

Berger erklärte außerdem, dass sie chinesische Stuntleute dabei beobachtet hatten, wie sie kleine, flexible Behälter mit Kunstblut trugen und während der Action auslösten. Tarantino wollte, dass die Flüssigkeit kraftvoll austrat, und hatte Lösungsvorschläge für bestimmte Effekte abgelehnt. Man lernte, indem man bereits von den Stuntleuten verwendete Hilfsmittel anpasste. Dieser Bericht dokumentiert eine konkrete Lösung innerhalb einer Arbeit, bei der auch andere Teile und Mechanismen zum Einsatz kamen.

Auf der von Phase9 dokumentierten Pressekonferenz von 2003 erinnerte sich Tarantino daran, dass Yuen Woo-ping ihm von einem ähnlichen Verfahren erzählt hatte, das mit dem Kino von Chang Cheh in Verbindung stand. Er berichtete außerdem, dass für eine Einstellung mehrere Versuche nötig waren, weil der Strahl auf die Darstellerin fiel, statt in Richtung Kamera zu spritzen. Entscheidend waren sowohl der Zeitpunkt des Auslösens als auch die Richtung, in die die Flüssigkeit flog.

Beatrix’ Kostüm, das vor dem Kampf so leicht zu erkennen ist, macht eine weitere Veränderung nachvollziehbar. Das Blut verändert eine Oberfläche, die das Publikum bereits identifiziert hat. Der Effekt begleitet ihren Vormarsch und hinterlässt Spuren auf ihr, obwohl sie weiterhin die Initiative behält. In diesem Zusammenspiel von Figur und Kostüm bleiben Sieg und Erschöpfung zugleich sichtbar.

Kenji Misumi und die Traditionen stilisierter Gewalt

Jasper Sharp hebt in seiner Auswahl von Samurai-Filmen für das BFI die Blutspritzer in Shogun Assassin und in den Filmen hervor, aus denen dieser seine Bilder bezieht. Sword of Vengeance und Baby Cart at the River Styx, beide 1972 von Kenji Misumi inszeniert, sind diese beiden Vorläufer. Der Vergleich ordnet den Exzess in eine Filmtradition ein, die älter ist als Kill Bill.

Die Verbindung zu Misumi lässt sich anhand des Verhältnisses zwischen dem Schwerthieb und einer zur Schau gestellten körperlichen Reaktion untersuchen. Der Blutaustritt nimmt Raum ein und trägt zum Rhythmus des Kampfes bei. Indem der Film die Folgen des Schlages verlängert, gibt er dem Publikum Zeit, eine Form im Bildausschnitt wahrzunehmen. Der Vergleich wird präziser, wenn man auf dieses Stilmittel achtet, statt jede Szene mit einem Schwert gleichzusetzen.

O’Brien äußerte auch Vorbehalte gegenüber dieser formalen Faszination: Seiner Ansicht nach schuf die Künstlichkeit zwar Distanz zur dargestellten Gewalt, konnte sich aber schließlich in den Vordergrund drängen. Dieser Einwand ist hilfreich, um den Film zu betrachten. Die Freude daran, eine Komposition oder einen Effekt wiederzuerkennen, besteht neben der Präsenz von Figuren, denen die Szene sehr unterschiedliche Möglichkeiten lässt, sich zu wehren.

Julie Dreyfus erzählte auf der 2003 von Phase9 veröffentlichten Pressekonferenz eine Anekdote über das Make-up. Sie erinnerte sich, dass eine Szene im Kofferraum gedreht wurde, nachdem ein Teil des Effektmaterials bereits aus China nach Los Angeles zurückgekehrt war. Tarantino bat um mehr Kunstblut und goss es schließlich über ihren Kopf. Im Gespräch unterschieden Regisseur und Schauspielerin die Produkte nach ihrer Herkunft; er bemerkte, dass das verwendete Produkt nach dem Entfernen Flecken hinterließ.

Howard Berger erwähnte in seinem Gespräch mit Daniel Scrivner noch einen anderen Aspekt: das klebrige Gefühl des Kunstbluts und die Arbeit, es wieder zu entfernen. Rückblickend auf Kill Bill sagte er, dass er später lieber Figuren-Make-up entwickelte als mit solchen Effekten zu arbeiten.

Der Blutschwall auf der Leinwand kann nur einen Augenblick dauern. Für das Team bleibt das Material jedoch auch nach dem Ende der Einstellung auf Körpern, Kleidungsstücken und Oberflächen zurück. Zur Vorbereitung des Bildes gehört auch, was geschieht, wenn die Kamera nicht mehr aufzeichnet: den nötigen Zustand wiederherzustellen, damit die Arbeit weitergehen kann.