Der Soundtrack zu Kill Bill Vol. 1 vereint neue Musik und Aufnahmen ganz unterschiedlicher Herkunft. RZAs Arbeit muss im Kontext dieser Mischung betrachtet werden, ohne ihm die Urheberschaft aller Songs zuzuschreiben.
RZAs Rolle in einem Soundtrack aus unterschiedlichen Quellen
RZA war an der Musik von Kill Bill: Vol. 1 als Komponist und an der Produktion des Soundtrack-Albums beteiligt. Sein Name wird gemeinsam mit dem von Quentin Tarantino mit dem Projekt in Verbindung gebracht. Das bedeutet jedoch nicht, dass die gesamte Filmmusik von ihm stammt. Die Auswahl umfasst Songs und Instrumentalstücke, die bereits vor den Dreharbeiten existierten.
Es gilt, drei Dinge auseinanderzuhalten: die im Film zu hörende Musik, das dazugehörige kommerzielle Album und die für das Projekt komponierten oder neu bearbeiteten Stücke. Sie enthalten nicht immer genau dasselbe Material. Ein Song kann im Film vorkommen, ohne auf dem Album zu sein, und ein Albumtitel kann Dialog enthalten oder sich von der Fassung in einer Szene unterscheiden.
Diese Unterscheidung hilft, falsche Zuschreibungen zu vermeiden. Nancy Sinatras Aufnahme, die den Auftakt begleitet, hat eine eigene musikalische Vorgeschichte; RZAs Arbeit an Kill Bill macht sie nicht zu einem Song des Wu-Tang Clan. Bei der Analyse von „Bang Bang“ im Auftakt müssen sowohl die Identität der Interpretin und des Komponisten gewahrt als auch ihre neue Funktion im Film erklärt werden.
Ähnlich verhält es sich mit „Battle Without Honor or Humanity“ von Tomoyasu Hotei. Das Stück ist Teil der musikalischen Montage des Films, seine Urheberschaft muss jedoch erhalten bleiben. Die Stärke des Soundtracks beruht zum Teil darauf, diese unterschiedlichen Ursprünge zusammenzubringen, statt sie unter dem Namen eines einzelnen Musikers zu verbergen.
Eigene Beiträge und die Logik der Kombination
Auf dem Album ist ein RZA-Stück für O-Ren Ishii aufgeführt sowie der Titel „Crane/White Lightning“, der mit RZA und Charles Bernstein verbunden ist. Diese konkreten Angaben sind hilfreicher als die Behauptung, er habe die gesamte Begleitmusik komponiert oder jeden Titel allein ausgewählt. Sie zeigen, wo er beteiligt war, ohne die Arbeit anderer Urheber auszublenden.
RZAs Verbindung zum Martial-Arts-Kino hilft, seine Nähe zu dem Projekt zu verstehen. Das Wu-Tang-Clan-Universum hatte bereits Verbindungen zwischen Hip-Hop und Martial-Arts-Filmen geschaffen. In Kill Bill trifft diese Sensibilität auf einen Regisseur, der Bilder und Klänge aus der Erinnerung an andere Werke heraus anordnet. Diese Nähe bedeutet nicht, dass der ganze Film einen Rap-Sound hat.
Die Logik der musikalischen Montage lässt sich mit der Kombination verschiedenartiger Materialien vergleichen: Ein Ausschnitt behält einen Teil seiner Identität und erhält eine neue, wenn er mit einem neuen Bild zusammengebracht wird. Dieser Vergleich beschreibt einen hörbaren Effekt. Er ersetzt weder die rechtlichen Angaben zu den Urhebern noch belegt er, dass alle Titel mit derselben Produktionstechnik entstanden sind.
Auch muss die Action nicht durchgehend von Musik begleitet werden. Ein musikalischer Einsatz kann eine Gruppe vorstellen, ein Wechsel kann verschiedene Phasen eines Kampfes voneinander trennen und ein Rückzug kann Raum für die Umgebungsgeräusche lassen. Entscheidend sind die Beziehungen zwischen Klang und Montage, nicht die Vorstellung einer einheitlichen Klangschicht, die Beatrix von Anfang bis Ende begleitet.
Deshalb muss man die Musik vom Sounddesign der Katanas unterscheiden. Schläge, Bewegungen und Effekte können rhythmisch gestaltet sein, ohne Kompositionen des Albums zu sein. Werden beide Bereiche wegen ihrer Intensität verwechselt, geraten unterschiedliche Arbeiten aus dem Blick. Eine Szene kann Musik und Effekte eng aufeinander abstimmen und dennoch getrennte Zuständigkeiten in den Credits ausweisen.
In einem Interview mit Filmmaker aus dem Jahr 2012 erzählte RZA, dass er während Kill Bill neunzig Tage im Schneideraum verbracht habe. Er beschrieb diese Zusammenarbeit als eine Lektion in der Postproduktion. Seine Aussage verortet die Zusammenarbeit neben den Bildern, während diese geschnitten wurden, und hilft zu verstehen, dass es nicht einfach darum ging, fertige Songs aus einem unabhängigen Studio abzuliefern.
Was das Album hörbar macht – und was es auslässt
Wer das Album ohne die Bilder hört, nimmt Genrewechsel wahr, die sich im Film wie Wechsel der Situation anfühlen können. Songs mit intimer Stimme, kraftvolle Instrumentalstücke und Stücke aus anderen musikalischen Traditionen stehen nebeneinander, weil der filmische Verlauf sie in Beziehung setzt. Das Album macht diese Beziehung zu einem eigenständigen Hörerlebnis, auch wenn es nicht den zeitlichen Ablauf aller Szenen wiedergibt.
Ein Vergleich mit dem Film zeigt, wie ein Einsatz, ein Schnitt oder eine Wiederholung die Wirkung einer Aufnahme verändert. Ein und dasselbe Stück kann auf dem Album vollständig zu hören sein, im Film aber nur teilweise. RZA eine konkrete Auswahl oder einen Schnitt zuzuschreiben, erfordert Belege für die betreffende Passage; sein allgemeiner Credit reicht nicht aus, um jede einzelne Entscheidung zu klären.
Außerdem muss seine Beteiligung an Vol. 1 von der Arbeit anderer Mitwirkender am zweiten Teil getrennt werden. Robert Rodriguez komponierte Musik für Vol. 2, doch dadurch verschwindet nicht die Mischung aus eigens komponiertem und bereits vorhandenem Material, die das Gesamtwerk prägt. Für jeden Teil und jeden Titel müssen die jeweiligen Credits berücksichtigt werden.
Das Porträt von RZA und Tarantino bietet einen umfassenderen Einblick in die Geschichte ihrer Zusammenarbeit. Bei diesem Soundtrack lautet die konkrete Frage, wie sein Beitrag mit Songs, wiederverwendeten Kompositionen und Effekten zusammenspielt. Die präziseste Antwort erkennt eine echte, klar umrissene kreative Beteiligung an: RZA wirkt an einem gemeinschaftlichen musikalischen Gefüge mit, dessen Charakter davon abhängt, sehr unterschiedliche Stimmen zu bewahren und neu anzuordnen.
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