Der Pussy Wagon aus Kill Bill ist der gelbe Chevrolet-Pick-up, den Beatrix Kiddo benutzt, nachdem sie das Krankenhaus verlassen hat. Seine verzierte Karosserie und der große Schriftzug am Heck machen ihn sofort erkennbar. Woher er stammt, erklärt der Film jedoch erst später: Er gehört Buck, dem Krankenhausmitarbeiter, dem Beatrix die Schlüssel abnimmt. Die Verbindung zwischen der Protagonistin und dem Fahrzeug beginnt mit einer Aneignung.
Das Design bewahrt die Persönlichkeit seines früheren Besitzers. Der sexuell anzügliche Schriftzug, die aufgemalten Flammen und die rote Innenausstattung ergeben in der Filmwelt ein bewusst protziges Gesamtbild. Als Beatrix den Pick-up übernimmt, nutzt sie ein Objekt, das bereits für jemand anderen hergerichtet war; die Dekoration bleibt, während sich die Person am Steuer ändert.
Seine Funktion hängt auch davon ab, ob er steht oder fährt. In der Kabine kann Beatrix während ihres Aufenthalts vor dem Krankenhaus verborgen bleiben; anschließend ermöglicht ihr das Fahrzeug, die Reise fortzusetzen. So verbindet sich die unmittelbare Notwendigkeit, weiterzukommen, mit einem Erscheinungsbild, das zwischen den gewöhnlichen Autos der Umgebung hervorsticht.
In Kill Bill: Vol. 1 (Quentin Tarantino, 2003) ist der Pick-up an seiner individuellen Gestaltung zu erkennen. Adam White bezeichnet ihn 2021 in The Independent als Chevrolet. Lackierung, Schriftzug und Innenraum liefern die Details, die in den Szenen unmittelbar ins Auge fallen.
Woran man ihn erkennt: Karosserie und Innenraum
Große Teile der Karosserie sind gelb lackiert; dazu kommen die Flammen an den Seiten. Auf der Heckklappe steht der Name in geschwungenen rosafarbenen Buchstaben mit weißer Umrandung und rotem Schatten, der ihnen Tiefe verleiht. Die Größe des Schriftzugs nutzt die gesamte Breite der Heckklappe aus: Man kann ihn lesen, wenn die Kamera den Pick-up von hinten zeigt, ohne dass sie sich einem kleinen Emblem nähern muss.
Dieser Schriftzug verändert den Blick auf das Fahrzeug. Eine Heckansicht würde den Fahrer normalerweise außerhalb des Bildes lassen und nur wenig über ihn verraten; hier dagegen vermittelt sie eine Geschmacksbekundung und sexuelle Angeberei. Der Pick-up selbst präsentiert ein Bild seines Besitzers – durch etwas, das andere von der Straße aus lesen können.
Im Innenraum setzt sich die Farbkombination fort. Auf der Rückbank sind rote Flächen mit gelben Paspeln zu sehen, daneben graue Bereiche an den Türverkleidungen. Beatrix' blaue Kleidung hebt sich von dieser Polsterung ab. Die Farbe hebt den Körper der Insassin deutlich von seiner Umgebung ab, selbst wenn sich der Bildausschnitt auf sie konzentriert.
Die individuelle Gestaltung vereint öffentliche und private Merkmale: Die Heckklappe zeigt den Namen nach außen, während die Sitze die Dekoration im Innenraum fortführen. Diese Verbindung von Aussehen und Besitzer knüpft an Tarantinos Fahrzeuge an. Bei diesem Pick-up hängt die Charakterisierung von Elementen ab, die auch bei ausgeschaltetem Motor sichtbar bleiben.
Ein Name, der Buck zugeordnet ist, und eine Nutzung, über die Beatrix entscheidet
Die Enthüllung, wem das Fahrzeug gehört, verändert die Wirkung seines Designs. Buck nutzt seine Stellung im Krankenhaus aus, um eine wehrlose Frau zu missbrauchen. Als der Film den Pick-up mit ihm in Verbindung bringt, erhält der vulgäre Schriftzug einen konkreten Kontext: Er gehört demselben Mann, der den Zugang zu einer Patientin als Gelegenheit zur Ausbeutung genutzt hat.
Beatrix bekommt die Schlüssel, nachdem sie sich Buck gestellt hat. Damit steht ihr ein greifbares Mittel zur Verfügung, um den Ort zu verlassen. Die Figur Beatrix Kiddo handelt hier mit dem, was sie gerade zur Hand hat; sie muss keine Dekoration auswählen, die ihren eigenen Vorlieben entspricht, um zu entscheiden, wohin sie fahren will.
Deshalb lohnt es sich, zwischen Besitz und Nutzung zu unterscheiden. Der Lack bewahrt Bucks Prahlerei, doch er hat keine Kontrolle mehr über die Fahrt. Der Kontrast kann durch die Übertreibung des Designs komisch wirken und zugleich an die unangenehme Herkunft dessen erinnern, was Beatrix benutzt. Der Film hält beide Assoziationen aufrecht, indem der Name während ihrer Fahrten sichtbar bleibt.
Die Kabine und die Straße erzählen unterschiedliche Geschichten
Auf dem Parkplatz verlagert sich die Aufmerksamkeit von der Karosserie auf die Insassin, die auf der Rückbank liegt. Eine Einstellung von den Füßen her platziert Beatrix' Gesicht im Hintergrund und zeigt, wie viel Platz ihr Körper in der Kabine einnimmt. Der Pick-up nimmt die Handlung in sich auf: In diesem Moment besteht sein Nutzen darin, ihr einen Ort zum Anhalten zu bieten.
Die Szene macht deutlich, dass der Zugang zum Fahrzeug nicht dasselbe ist wie die Fähigkeit, es zu fahren. Mit den Schlüsseln ist ein praktisches Problem gelöst, doch Beatrix' Bewegungsfähigkeit bestimmt weiterhin, wann sie losfahren kann. Das Auto steht bereit, während sie mit dieser Einschränkung zurechtkommen muss. Das Warten findet in einem Objekt statt, dessen übliche Funktion gerade das Gegenteil verspricht: nicht stehen zu bleiben.
Die Geschichte zeigt den Pick-up bereits in der Episode mit Vernita Green, bevor sie erklärt, wie er in Beatrix' Hände gelangt ist. Dadurch erkennt man ihn wieder, bevor man seine Vorgeschichte kennt. Die Rückkehr ins Krankenhaus ergänzt die Herkunft des zuvor fahrenden Fahrzeugs: Beatrix' Ankunft gingen eine Aneignung und eine Wartezeit voraus.
In seinem Artikel für The Village Voice vom 30. September 2003 beschrieb R. J. Smith, wie Tarantino mit dem Pick-up zu einem Interviewtag im Four Seasons in Beverly Hills kam. So verließ das Fahrzeug das Filmset und wurde Teil der öffentlichen Präsentation des Films: Der Regisseur erschien mit einem Objekt, dessen Dekoration unmittelbar auf seinen neuen Spielfilm verwies.
Im April 2004 bestätigte Tarantino gegenüber Abby Harris von Blackfilm, dass ihm das Fahrzeug gehörte und er es für eine Produktion von Missy Elliott vermietet hatte. Die Antwort stellt eine Verbindung zwischen dieser Nutzung und dem Pick-up her, den der Regisseur behalten hatte, und zeichnet so den konkreten Weg eines Requisits zwischen verschiedenen Projekten nach. Das Interesse, es in eine andere Produktion einzubinden, kam kurz nach dem Kinostart des ersten Films auf.
2020 erzählte Åkerlund Variety, dass Gaga den Pick-up, der in Telephone, 2010 gemeinsam mit Beyoncé zum Einsatz kam, in Tarantinos Haus entdeckt hatte.
