Das Wiedersehen von Beatrix und B.B. in Kill Bill Vol. 2 verändert, was die Protagonistin von ihrer Reise erwarten kann. Ihre Tochter lebt, obwohl Beatrix sich auf den Rachefeldzug begeben hatte, überzeugt davon, sie verloren zu haben. Sie wiederzufinden zwingt sie, sich einer Situation zu stellen, auf die sie sich mit Kampfvorbereitung allein nicht einstellen konnte: Vor ihr steht ein Kind, mit dem sie erst noch ein gemeinsames Leben beginnen muss.
Die Szene führt diesen Wandel durch ein Spiel ein. Die vorgetäuschte Gewalt schafft im Haus des Mannes, den Beatrix aufgesucht hat, Raum für eine Annäherung. Dabei bleibt das Zusammentreffen eine konkrete Herausforderung: B.B. Aufmerksamkeit zu schenken und der Konflikt zwischen den Erwachsenen teilen sich den Ort, erfordern aber unterschiedliches Verhalten. Die familiäre Beziehung beginnt, bevor die offene Rechnung beglichen ist.
Die abschließende Reaktion zeigt einen weiteren Aspekt dieser Erfahrung. Das Weinen gibt Beatrix Zeit, das Geschehene zu spüren, während die Verbindung zu ihrer Tochter eine alltägliche Form annimmt. Mutterschaft zeigt sich in der Bereitschaft, für einen anderen Menschen da zu sein – über die Entschlossenheit hinaus, die nötig war, um zu ihr zu gelangen.
Beatrix begegnet einer Tochter, deren Leben während ihrer Abwesenheit weitergegangen ist. Die Enthüllung birgt daher zwei verschiedene Dinge: die Erleichterung darüber, dass sie lebt, und die Erkenntnis, dass Beatrix jemanden kaum kennt. Das Wiedersehen muss beidem Raum geben, ohne B.B. zu einer bloßen Bestätigung dafür zu machen, dass die Mission erfolgreich war.
Ein Spiel anstelle einer Konfrontation
In seinem 2017 bei The Projector veröffentlichten Essay über Kill Bill hebt Zachary Snider hervor, dass Bill und B.B. mit Spielzeugpistolen spielen. Dieses häusliche Detail verändert die Bedeutung von Beatrix’ Ankunft. Die Formen der Gewalt sind weiterhin präsent, ermöglichen nun aber eine gemeinsame Aktivität, an der man teilnehmen kann, ohne jemandem wehzutun.
Das Spiel sorgt für eine Pause innerhalb des Finales von Kill Bill Vol. 2. Die offene Rechnung zwischen Beatrix und Bill ist noch nicht beglichen, aber der erste Austausch dreht sich um das Mädchen. Die Protagonistin muss erkennen, in was für einer Situation sie sich befindet, bevor sie reagieren kann. Die Schnelligkeit, die so viele Auseinandersetzungen von ihr verlangt haben, weicht der Notwendigkeit, sich einem anderen Menschen zuzuwenden.
Die Teilnahme hat auch den Wert eines ersten Kennenlernens. Beatrix kann sich auf ein Spiel einlassen, das B.B. bereits mit ihrem Vater spielt, ohne zu verlangen, dass das Wiedersehen mit den schmerzlichen Erklärungen der Erwachsenen beginnt. Das Spiel ermöglicht eine Annäherung: Die beiden können etwas zusammen unternehmen, bevor sie eine gemeinsame Geschichte haben, an die sie sich erinnern können. So entsteht eine erste gemeinsame Erfahrung von Mutter und Tochter.
Außerdem macht das Spiel deutlich, dass das, was dem Mädchen Spaß macht, und das Gewicht der Szene nicht dasselbe sind. Das Publikum kennt das Leid, das diesem Wiedersehen vorausgeht. Deshalb können die Spielsachen rührend wirken, ohne die Situation der Erwachsenen unschuldig erscheinen zu lassen. Das vorübergehende Zusammensein bewahrt diese Spannung, die durch B.B.s Auftritt noch deutlicher wird.
Mit der Tochter vor sich anfangen
Als Beatrix erfuhr, dass sie schwanger war, wollte sie sich von Bills Welt lösen. Nun muss dieser Wunsch eine Form der Beziehung zu einem Mädchen finden, das eigene Vorstellungen hat. Der Unterschied zwischen dem Schutz eines zukünftigen Lebens und der Fürsorge für einen anwesenden Menschen ist entscheidend: B.B. macht mit, spielt und fordert in der Szene Aufmerksamkeit.
Im Fragebogen von Buena Vista International, den Phase9 im April 2004 veröffentlichte, beschrieb Uma Thurman Beatrix als eine zunächst sehr zurückhaltende Figur, deren verschiedene Seiten sich im zweiten Teil zeigen. Das Wiedersehen nutzt diesen Wandel. Thurmans Darstellung kann die Intensität der Protagonistin bewahren und zugleich den Fokus ihrer Aufmerksamkeit verschieben.
Die Mutterschaft erweitert so das Verhaltensspektrum von Beatrix Kiddo in Kill Bill. Die Beziehung zu B.B. verlangt von ihr, sich auf den Austausch einzustellen, dem Mädchen Raum zu lassen und auf ihre Zuneigung einzugehen. Die Szene lässt diese Bereitschaft erkennen, noch bevor klar ist, wie ihr gemeinsames Leben aussehen wird.
Das Weinen und die Rückkehr zu B.B.
Nachdem Beatrix die Auseinandersetzung mit Bill beendet hat, weint sie und nimmt ihre Tochter wieder in die Arme. Der Film misst dieser Reaktion eine Bedeutung bei, die über die Bestätigung des Sieges hinausgeht. Die Rache ist vollendet; nun bleibt zu spüren, was es bedeutet, bis hierher gelangt zu sein und bei B.B. bleiben zu können.
Die Tränen lassen sich gerade deshalb als Erleichterung verstehen, weil sie erst kommen, als Beatrix auf keinen weiteren Angriff mehr reagieren muss. Während der Verfolgung verlangte jede Schwierigkeit eine nächste Handlung. Das Ende erlaubt eine Unterbrechung dieses Drucks. Die Gefühle nehmen die Zeit ein, die zuvor dem Weitermachen galt, und die Figur richtet ihre Gesten nicht länger an einer unmittelbaren Bedrohung aus.
Die anschließende Umarmung verankert die Gefühle in einer konkreten Beziehung. Das Mädchen ist da, um die Nähe zu teilen, ohne den Weg ihrer Mutter erklären oder ihre Entscheidungen bewerten zu müssen. Nach der außergewöhnlichen Gewalt des Films bewahrt dieser Kontakt einen intimen Maßstab. Das Zusammensein erhält nun das Gewicht, das zuvor die Entfernungen und Hindernisse zwischen Beatrix und ihren Feinden hatten.
Was das Publikum weiß, verändert den Blick auf dieses Wiedersehen. Das Ende von Kill Bill Vol. 1, der 2003 erschien, verrät bereits, dass Beatrix’ Tochter noch lebt. Als Beatrix im zweiten Teil Bills Haus erreicht, hat das Publikum einen wichtigen Wissensvorsprung: Es erwartet, dass sie etwas entdeckt, von dem sie selbst noch nichts weiß. Die Gefühle hängen davon ab, wie sie die Nachricht aufnehmen wird, und nicht nur von der Nachricht selbst.
Diese ungleiche Verteilung des Wissens macht den Unterschied zwischen einer Information und der Begegnung mit einem Menschen sichtbar. Die frühere Enthüllung hatte bereits klargestellt, dass das Mädchen überlebt hat; durch ihren Auftritt erhält sie eine Präsenz, eine Stimme und die Möglichkeit, selbst ins Geschehen einzugreifen. Das Warten endet mit einer Interaktion, die in diesem Augenblick beginnen muss und die Aufmerksamkeit auf das lenkt, was zwischen den beiden geschieht.
Auch B.B.s Bedeutung für das Publikum verändert sich. Bis zu ihrem Auftritt ließ sich das Mädchen vor allem durch das verstehen, was Beatrix verloren hatte. Indem sie an der Szene teilnimmt, erhält sie einen eigenen Platz in der Geschichte und wird zu einer Gesprächspartnerin für den Wunsch ihrer Mutter.
