Meiko Kaji und die japanische Musik in Kill Bill: eine Tradition, die nicht einheitlich ist

Meiko Kajis Stimme verbindet Kill Bill mit einer konkreten Geschichte des japanischen Rachekinos. Dieser Zusammenhang wird verständlicher, wenn man das Lied vom Duell, seiner Herkunft und den kulturellen Kategorien trennt, die oft miteinander vermischt werden.

Shura no Hana erscheint in einem früheren Film

Shura no Hana, bekannt als The Flower of Carnage, wird von Meiko Kaji gesungen und stammt aus Lady Snowblood. Ihr Auftritt in Kill Bill ist kein anonymes Folklorestück, das für eine beliebige japanische Atmosphäre eingesetzt wird. Das Lied ist mit einer Schauspielerin, einem Film und einer Tradition von Rachegeschichten verbunden, die Tarantino kennt und in einen neuen Kontext stellt.

Die Verbindung zu Lady Snowblood ist besonders stark durch die verschneite Umgebung und die Figur einer Frau, deren Leben von Gewalt geprägt ist. Diese Verbindung zu erkennen bedeutet jedoch nicht, die Braut und O-Ren auf exakte Kopien einer früheren Figur zu reduzieren. Das musikalische Zitat kann eine Erinnerung bewahren, während die neuen Bilder die Rollen von Opfer, Gegnerin und Überlebender anders verteilen.

Auch die Einordnung des Stücks erfordert Genauigkeit. The Flower of Carnage ist nach dem finalen Kampf mit O-Ren zu hören, als das Duell bereits seine Folgen hinterlassen hat. Während eines zentralen Teils des Kampfes ist Don't Let Me Be Misunderstood in der Version von Santa Esmeralda das prägende Musikstück. Den gesamten Kampf im Schnee Meiko Kaji zuzuschreiben, vermischt die Stücke und verwischt den Stimmungswechsel, den ihr Einsatz bewirkt.

Die Stimme macht den Sieg zu einem vieldeutigeren Erlebnis

Nach der Intensität des Kampfes kann ein Lied dem Aufbruch eine Dimension der Klage und der Erinnerung verleihen. Kajis Stimme muss nicht jede Handlung wörtlich erzählen, um mit ihr in Beziehung zu treten. Ihre Präsenz lässt das Publikum die Kosten der Rache spüren und zugleich die Geschicklichkeit der Siegerin erkennen. Der körperliche Sieg erschöpft die Bedeutung der Szene nicht.

Die Identität von Meiko Kaji als Schauspielerin und Sängerinbietet für alle, die ihre Filme kennen, eine zusätzliche Bedeutungsebene. Ihre Stimme ruft eine visuelle Erinnerung wach, obwohl sie selbst in Kill Bill nicht zu sehen ist. Wer ihren bisherigen Werdegang nicht kennt, erlebt dennoch eine Interpretation mit eigenem Klang und eigener Intensität. Das Zitat funktioniert sowohl als Verweis als auch als unmittelbares Musikerlebnis, ohne dass beide Arten des Hörens übereinstimmen müssen.

Nicht jedes japanische Lied aus einem Film der Siebziger sollte als traditionelle Musik bezeichnet werden. Enka und andere Formen des populären Liedes haben eine moderne Geschichte und besondere Beziehungen zur Musikindustrie. Eine ausdrucksstarke Stimme oder eine andere Sprache reichen nicht aus, um ein Stück als uralte Folklore einzuordnen. Kulturelle Genauigkeit beginnt mit der Erkenntnis, dass es sich um eine konkrete Filmaufnahme handelt.

Dieselbe Vorsicht gilt für Urami Bushi, ein weiteres Lied von Kaji, das in Kill Bill verwendet wird und mit der Serie Female Prisoner Scorpion verbunden ist. Dass beide Stücke von derselben Interpretin stammen, bedeutet nicht, dass sie aus demselben Film stammen. Anhand der Credits lassen sich zwei unterschiedliche Verbindungen zum japanischen Rachekino nachvollziehen. Sie zu einem einzigen Thema zu verschmelzen, würde die Vielfalt und Eigenart dieser Bezüge außer Acht lassen.

Der Einsatz des Liedes nach dem Kampf lässt auch den Unterschied zwischen Handlung und Konsequenz hörbar werden. Während man im Kampf Positionen und Bewegungen verfolgen muss, kann das Lied die Wahrnehmung dessen tragen, was danach bleibt. Der Wechsel der Aufmerksamkeit macht das vorherige Spektakel nicht ungeschehen, verhindert aber, dass sein letzter Sinn allein in der Wirksamkeit eines Schwertes liegt.

Japan, China und der musikalische Mix von Kill Bill

Chambara und Wuxia sind keine Synonyme. Ersteres steht mit japanischen Traditionen des Schwertkampffilms in Verbindung, Letzteres mit chinesischen Erzählungen über Helden und Kampfkünste. Der Film bezieht sich auf beide Bereiche, doch ein japanisches Lied belegt nicht automatisch einen Wuxia-Einfluss in derselben Passage. Kampfformen, Erzählmuster und Musik müssen getrennt betrachtet werden.

Der Dialog mit dem Martial-Arts- und Samurai-Kinosteht außerdem neben italienischen Western, Rock, Soul und Fernsehmusik. Das japanische Setting beschränkt den Soundtrack nicht auf japanisches Material. Das Duell mit O-Ren ist ein Beispiel dafür, wie Tarantino Bild, Choreografie und eine Aufnahme anderer Herkunft kombiniert, um ein eigenes Erlebnis zu schaffen.

Die Arbeit von RZA an Kill Billist Teil dieser Klangarchitektur, macht RZA aber nicht zum Urheber jedes im Film vorkommenden Liedes. Die Gestaltung einer musikalischen Identität und die Komposition neuer Stücke sind von der Verwendung lizenzierter Musik zu unterscheiden. Kaji, Santa Esmeralda und die Komponisten früherer Filme behalten innerhalb des Ganzen ihre jeweiligen Credits.

Das japanische Lied ist keine Garantie dafür, dass alles Gezeigte national authentisch ist. Seine konkrete Funktion besteht darin, eine neue Szene mit einer Tradition von Bildern und Gefühlen zu verbinden. Der Film nutzt diese Erinnerung, damit das Ende des Kampfes über den Ausgang einer Auseinandersetzung hinaus nachhallt. Die Filmvergangenheit erscheint als eine Stimme, die die Folgen begleitet.

Wer Kill Bill mit diesen Unterscheidungen im Blick hört, kann den musikalischen Mix würdigen, ohne Asien zu einer undifferenzierten Kategorie zu machen. Shura no Hana ist ein konkretes Lied, gesungen von Meiko Kaji und verbunden mit Lady Snowblood; es setzt an einem genau bestimmten Moment der Erzählung ein. Auf dieser Grundlage lassen sich die Beziehungen zwischen Schnee, Rache und Verlust differenzierter untersuchen als mit einer pauschalen Bezeichnung wie orientalische Musik.

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