Die Unterschiede zwischen Kill Bill Vol. 1 und Vol. 2 zeigen sich vor allem darin, wie Action, Ruhephasen und Gespräche verteilt sind. Der erste Teil macht aus dem Weg der Braut eine Folge von Begegnungen mit jeweils stark ausgeprägter visueller Identität. Der zweite widmet den früheren Beziehungen und dem, was die Figuren einander noch zu sagen haben, mehr Aufmerksamkeit. Die Rache geht weiter, doch das Erlebnis, sie mitzuverfolgen, verändert sich.
In beiden Teilen vermischen sich verschiedene Genres. Der Martial-Arts-Film ist auch im zweiten Teil durch Pai Mei und die Auseinandersetzung mit Elle präsent. Zugleich durchzieht die Logik offener Rechnungen und des Wartens auf den Gegner eine Geschichte, die auch Anleihen beim Western nimmt. Eine starre geografische Einteilung würde viele dieser Verbindungen außer Acht lassen.
Der Vergleich wird anhand konkreter Beispiele deutlicher: daran, wie ein Kampf aufgebaut ist, was eine Figur innerhalb des Raums tun kann, in dem sie sich befindet, oder welche Informationen ein Gespräch verändern. Diese Unterschiede helfen, die beiden Teile voneinander abzugrenzen, ohne einen ruhigen Moment mit dem Verschwinden der Gefahr zu verwechseln.
Kill Bill: Vol. 1 (2003) und Kill Bill: Vol. 2 (2004) von Quentin Tarantino folgen derselben Protagonistin und führen denselben Konflikt fort. Ihre unterschiedlichen Tonlagen werden innerhalb dieser Kontinuität erkennbar. Der erste Teil reiht wechselnde Gegner und visuelle Inszenierungen aneinander; im zweiten wirkt die gemeinsame Vergangenheit unmittelbarer auf die Begegnungen in der Gegenwart ein.
Gemeinsame Genres, unterschiedliche Akzente
In A Life in Pictures, dem im November 2019 von BAFTA veröffentlichten Gespräch, nannte Tarantino unter den Einflüssen für Kill Bill das Kung-Fu-Kino der Shaw Brothers, den japanischen Samurai-Film, den Spaghettiwestern und den Horrorfilm. Er beschrieb die Rache als eine Reise, auf der er von einem Genre zum anderen wechseln konnte.
Der erste Teil macht diese Vielfalt besonders deutlich, indem er den Gegnern jeweils einen eigenen Auftritt gibt. O-Rens animierte Vorgeschichte und ihr späterer Auftritt in Realfilm verwenden unterschiedliche Mittel, um dieselbe Figur zu gestalten. Diese Variation ist Teil der Reise: Wer in ihre Geschichte eintaucht, muss sich auch auf eine andere Darstellungsform einlassen. Der Registerwechsel verleiht einer Etappe der Rache ein eigenes Profil.
Das Training mit Pai Mei hält das asiatische Kampfkunstkino auch im zweiten Teil präsent. Die Beziehung zwischen Meister und Schülerin macht körperliches Können zu etwas Erlerntem, das Anforderungen und Korrekturen unterliegt. Diese Szene verändert unseren Blick auf das Geschick der Braut: Sie lässt uns einen Prozess kennenlernen, der den bereits gesehenen Heldentaten vorausging. Ihr Platz im Film durchkreuzt jede Grenze, die diese Traditionen dem ersten Teil vorbehalten wollte.
Buds Umfeld lässt sich mit dem Spaghettiwestern in Verbindung bringen: Die trockene Landschaft, die Abgeschiedenheit und alte Rechnungen begünstigen das Warten auf eine Konfrontation. Die Spannung entsteht aus der Vorstellung, was passiert, wenn zwei Figuren wieder aufeinandertreffen. Diese Verbindung beschreibt, wie Bedrohung und Raum inszeniert werden; innerhalb desselben Teils kommen weiterhin auch andere Genres zum Tragen.
Vom Kampf gegen eine Übermacht zum Druck der Enge
Im Haus der Blauen Blätter kann die Action ihren Maßstab und Schauplatz wechseln. Die große Zahl der Gegner und die Weitläufigkeit des Restaurants eröffnen der Braut ein Terrain, auf dem sie sich vorarbeiten kann. Dabei geht es auch darum, die Initiative zu behaupten, während neue Hindernisse auftauchen. In der ausgedehnten Schlacht kann die Szene durch Bewegungen und wechselnde Bildausschnitte immer wieder neu wirken.
Der Kampf mit Elle in Budds Wohnwagen verlagert den Konflikt in einen deutlich engeren Innenraum. Die Nähe der Körper und die räumlichen Grenzen ersetzen den Eindruck von Weite, den das Restaurant vermittelt. Die Aggressivität bleibt bestehen, auch wenn sich die Action weniger ausladend entfaltet. Der Vergleich der beiden Begegnungen macht den Unterschied zwischen dem Ausmaß des Spektakels und der Intensität des Zusammenstoßes deutlich: Auch eine Szene mit weniger Beteiligten kann enormen körperlichen Druck vermitteln.
Die Gefangenschaft im Sarg treibt diese räumliche Einschränkung auf die Spitze. Im Mittelpunkt stehen der Körper der Protagonistin und das, was sie von dort aus wahrnehmen kann. Die eingeschränkte Bewegungsfreiheit verlängert die Gefahr, statt sie aufzulösen. Diese Passage aus dem zweiten Teil beruht auf einer körperlichen Situation und deren Dauer. Damit bringt sie eine wichtige Variation in einen Teil, der auch für seine Gespräche in Erinnerung geblieben ist.
Worte und Vergangenheit erhalten eine neue Funktion
Im selben BAFTA-Interview erklärte Tarantino, warum ihn der erste Teil so zufriedenstellte: Er hatte ihm ermöglicht, visuelles Erzählen auf die Probe zu stellen und sich eine Zeit lang vom Dialog zu lösen, mit dem er sich bestens auskannte. Seine Aussage benennt ein konkretes Ziel dieses Teils.
Mit Bill zu sprechen bedeutet im zweiten Teil, sich einer Beziehung zu stellen, die bereits vor der Rache ihren Anfang nahm. Das Gespräch behandelt etwas, das sich nicht durch eine Demonstration von Können klären ließe: was die beiden voneinander halten und welche Gründe sie den Entscheidungen des anderen zuschreiben. Die Aufmerksamkeit kann einer Antwort oder einem Zögern gelten, weil eine gemeinsame Geschichte diesen Worten Bedeutung verleiht.
Die Rückblenden in der Chronologie von Kill Billtragen zu diesem Wandel bei. Beide Teile zeigen Ereignisse aus der Vergangenheit, doch ihre Platzierung entscheidet darüber, wann wir die Informationen erhalten, die wir brauchen, um eine Figur zu verstehen. Im zweiten Teil lassen sich die Handlungen der Protagonistin mit dem in Verbindung bringen, was sie gelernt hat, oder mit einer persönlichen Entscheidung, wenn wir mehr über ihre früheren Erfahrungen erfahren. Die Rache in der Gegenwart bleibt dringlich, während zugleich Motive hinzukommen, die zuvor noch nicht ausgeführt wurden.
Auch die Mutterschaft erhält im Umgang der Figuren miteinander konkrete Bedeutung. Die Braut muss neben ihrer Rolle als kampfstarke Gegnerin noch andere Positionen einnehmen: Die Begegnung mit ihrer Familie bringt Fürsorge, Zuneigung und Entscheidungen über ein mögliches Leben ins Spiel. Diese Dimension verändert den Ton, weil sie alltäglichen Gesten Bedeutung verleiht, die das Kampfspektakel nicht zeigen muss. Die Protagonistin bleibt körperlich gefährlich, während zugleich sichtbar wird, was sie jenseits dieser Gewalt tun könnte.
Der Humor bietet eine weitere Möglichkeit, das Verhältnis der beiden Teile zu betrachten. Bei der Begegnung mit Hattori Hanzo sorgen die Arbeit in seinem Geschäft und der Umgang der Anwesenden miteinander zunächst für eine lockere Gesprächsatmosphäre, bevor die Szene ernster wird. Sie lässt Zeit, die Figuren durch eine alltägliche Interaktion wahrzunehmen. Die Komik besteht neben der Bedeutung, die dieser Besuch später gewinnen wird.
Im zweiten Teil sorgt Pai Mei mit seinem Stolz und seiner übertriebenen Strenge für eine andere Art von Komik. Sein Verhalten wirkt bisweilen maßlos, während er zugleich echte Autorität über seine Schülerin ausübt. Der Kontrast zwischen den beiden Begegnungen zeigt, dass auch die Pausen ihren eigenen Charakter haben: Manche schaffen Vertrautheit, andere verstärken das Unbehagen. So trägt der Humor dazu bei, die Menschen im Leben der Braut zu charakterisieren. Er gibt ihnen Gesten und Umgangsformen, die über ihre Funktion in einer Rachemission hinausgehen.
