Meiko Kajis Lieder finden mit einer filmischen Erinnerung Eingang in Kill Bill, die auch zu ihrer Arbeit als Schauspielerin gehört.
Eine Künstlerin, die längst eine zentrale Figur war
Meiko Kaji ist eine japanische Schauspielerin und Sängerin, deren Verbindung zu Kill Bill nicht mit einer von Tarantino in Auftrag gegebenen Aufnahme beginnt. Schon vor der Saga hatte sie in Rachefilmen und als visuell eindrucksvolle Frauenfiguren mit großer Stärke mitgewirkt. Lady Snowblood und die Reihe Female Prisoner Scorpion sind zwei wichtige Bezugspunkte, um zu verstehen, warum ihre Stimme mehr als nur eine Melodie mit sich trägt.
In Lady Snowblood, unter der Regie von Toshiya Fujita aus dem Jahr 1973, spielt Kaji eine Frau, deren Leben ganz von einer geerbten Rache bestimmt ist. Der Film hat eine eigene Identität und sollte nicht auf eine Vorstufe von Kill Bill reduziert werden. Seine Inszenierung von Gewalt, Schönheit und Schicksal erklärt zum Teil die Bewunderung, die Tarantino durch Bilder und die Musikauswahl zum Ausdruck bringt.
Die doppelte Rolle als Schauspielerin und Sängerin macht diese Übernahme einzigartig. Wenn ihre Stimme erklingt, kann sie zugleich an einen Körper, einen Blick und eine Tradition von Figuren erinnern. Diese Erinnerung ist keine Voraussetzung, um die neue Szene zu genießen, verändert aber das Erlebnis für diejenigen, die sie wiedererkennen. Das Lied verbindet Filme durch eine menschliche Präsenz, die in beiden Medien gearbeitet hat.
Kaji singt die Lieder, ist deshalb aber nicht auch die Autorin aller Texte und Kompositionen. Diese Unterscheidung muss in den Credits erhalten bleiben. Die Kraft einer Stimme kann den Eindruck erwecken, ein Stück gehöre untrennbar zu ihr, doch an seiner Entstehung waren auch andere Fachleute beteiligt.
Shura no Hana und Urami Bushi stammen nicht aus demselben Film
Shura no Hana, auf Englisch als The Flower of Carnage bekannt, ist das mit Lady Snowblood verbundene Lied. Der Text stammt von Kazuo Koike, die Musik von Masaaki Hirao. In Kill Bill: Volume 1 ist das Lied im Abschnitt nach dem Duell mit O-Ren zu hören. Die Stimme bringt eine klagende Qualität ein, die das Erleben eines körperlichen Sieges verändert.
Das Lied macht Kaji nicht zur buchstäblichen Stimme von Beatrix oder O-Ren. Seine Funktion ist umfassender: Es lässt den Kampf als Teil einer Erinnerung an Gewalt und Verlust hörbar werden. Die Intensität hängt damit nicht mehr allein von der Geschwindigkeit der Schläge ab. Die Musik gibt dem, was nach der Handlung bleibt, Dauer.
Urami Bushi stammt aus Female Prisoner #701: Scorpion von 1972 und nicht aus Lady Snowblood. Der Text stammt von Shunya Itō, die Musik von Shunsuke Kikuchi. Im Kill-Bill-Universum, besonders im Zusammenhang mit dem Abspann, bringt das Lied eine weitere Genealogie aus Verbitterung, Gefangenschaft und weiblichem Widerstand ein. Beide Lieder einem einzigen Ursprungsfilm zuzuordnen, würde diesen Unterschied verwischen.
Die Beteiligung von Koike und Itō an den Texten verbindet die Lieder außerdem mit dem Schreiben und der Regie ihrer ursprünglichen Welten. Die Musik war kein fremder Zusatz zu diesen Filmen, sondern mit Fachleuten verbunden, die an ihrer Gestaltung mitwirkten. Tarantino übernimmt also Stücke, die bereits im Zusammenhang mit bestimmten Figuren und Erzählungen konzipiert worden waren.
Beide Interpretationen haben Kajis Stimme gemeinsam, sind aber nicht austauschbar. Eine unverwechselbare Stimme kann Materialien aus verschiedenen Erzählungen zu einer Einheit verbinden. Tarantino nutzt diese Kontinuität, ohne dass das Publikum jeden Credit kennen muss. Eine spätere Analyse kann die Unterschiede wieder sichtbar machen, die im unmittelbaren Erleben zusammenfließen.
Die Stimme verleiht der Gewalt zusätzliche Bedeutung
Gesungene Musik kann eine Emotion einbringen, die das Gesicht nicht direkt ausdrückt. In Kill Bill handeln die Figuren oft mit äußerster körperlicher Disziplin; ein Lied eröffnet eine andere Zeitlichkeit, die eher an Erinnerung oder Trauer erinnert. Kajis Stimme muss nicht jede Handlung beschreiben, um die Kosten der Rache spürbar zu machen.
Das bedeutet nicht, dass die Lieder für sich genommen das gesamte emotionale Erleben von Beatrix prägen. Die Kill-Bill-Saga vereint zahlreiche Stimmen, Partituren und Momente der Stille. Kajis Beitrag nimmt darin genau umrissene Stellen ein. Seine Bedeutung wird deutlicher, wenn man erkennt, was er an diesen Stellen bewirkt, statt ihm eine durchgehende Präsenz zuzuschreiben, die der Film nicht hat.
Die Verbindung kann auch dazu anregen, die Originalwerke wiederzuentdecken, ohne zu meinen, Tarantino habe sie ersetzt. Lady Snowblood und Scorpion zeigen Figuren, Konflikte und visuelle Formen, die über jedes wiederverwendete Fragment hinausgehen. Durch die Übernahme verbreiten sich eine Stimme und eine Erinnerung; die gesamte Geschichte der Filme, aus denen sie stammen, umfasst sie jedoch nicht.
Die Kontinuität der Stimme wird besonders deutlich, wenn man von einem Lied zum anderen wechselt: Die musikalische Gestaltung ändert sich, doch eine unverkennbare Art, die Klage vorzutragen, bleibt bestehen.
Meiko Kaji in Kill Bill zu hören bedeutet, eine Kontinuität zwischen verschiedenen fiktiven Frauen zu erkennen, ohne sie zu ein und derselben Person zu machen. Die Schauspielerin und Sängerin bringt eine Präsenz aus einem anderen Kino mit, während die Montage sie neben neue Körper und neue Schicksale stellt. Diese Verbindung erklärt die Kraft der Lieder: Sie bewahren ihre Identität und lassen zugleich eine Racheszene aus der Perspektive einer früheren Geschichte von Schmerz und Widerstand erklingen.
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