Komponisten und musikalische Mitwirkende bei Tarantino

Komponisten und musikalische Mitwirkende bei Tarantino

Quentin Tarantinos musikalische Mitwirkende bringen sich auf unterschiedliche Weise in seine Filme ein. Eine Filmmusik kann eigens für ein neues Drehbuch komponiert werden; eine frühere Aufnahme kann durch ihre Verwendung in einer Szene eine neue Funktion erhalten. Die Musik-Supervision kümmert sich darum, geeignetes Material zu finden und dessen Verwendung zu organisieren. Wer diese Beiträge erkennt, kann sowohl den Komponisten als auch diejenigen würdigen, die dabei helfen, eine musikalische Idee zum Teil des Films zu machen.

Mit der Auswahl eines Titels ist die Arbeit noch nicht getan. Ein Lied lässt sich unterschiedlich interpretieren, und jede Aufnahme hat ihr eigenes Tempo, ihre eigene Stimme und Instrumentierung. An der gewählten Version wird weitergearbeitet, wenn sie mit den Darstellern ausprobiert oder an das montierte Material angepasst wird. Die Geschichte eines Soundtracks umfasst daher sowohl künstlerische Zusammenarbeit als auch vorbereitende Aufgaben.

Die Berichte von Karyn Rachtman, Mary Ramos und RZA geben Beispiele für solche Abläufe. Auch die Zusammenarbeit mit Ennio Morricone zeigt, wie die Verwendung bereits vorhandener Musik und der Auftrag für eine Filmmusik nebeneinander bestehen können. Die Credits jedes Werks geben genau an, welchen Umfang die jeweilige Mitwirkung hatte.

Wer die Musik eines Films macht, lässt sich nur mit Blick auf das konkrete Stück beantworten. In einem Film können Werke verschiedener Komponisten, bereits aufgenommene Interpretationen und eigens für die Dreharbeiten geschaffenes Material zusammenkommen. Die Zusammenarbeit richtet sich danach, was die Szene braucht und welches Material zur Verfügung steht.

Eine Filmmusik komponieren und mit bereits vorhandener Musik arbeiten

In seinem Interview mit Double J im Januar 2016 erklärte Tarantino, dass er für The Hateful Eight ein eigenes Thema wollte. In diesem Zusammenhang sprach er von seiner Begegnung mit Ennio Morricone, dem eine italienische Übersetzung des Drehbuchs vorlag. Der Auftrag bezog sich auf einen Film, dessen Musik noch gefunden werden musste. Der Komponist konnte auf Grundlage der Lektüre der Geschichte eine eigene Klangidentität vorschlagen, während der Regisseur überlegte, wie sie sich in das Werk integrieren ließe.

RZA hatte bereits an der Musik zu Kill Bill mitgewirkt. In einem Interview mit Associated Press, das im April 2004 auf der Website von Wu-Tang Corp. veröffentlicht wurde, sprach er darüber, wie wichtig es sei, die Musik auf die Bewegungen der Handlung abzustimmen. Die Zusammenarbeit von RZA und Tarantinomacht den kompositorischen Beitrag in einem Film erkennbar, der Materialien unterschiedlichster Herkunft vereint. Dadurch werden jedoch nicht sämtliche Songs und Ausschnitte, die daneben zu hören sind, zu Kompositionen von RZA.

In den Angaben von Warner Music zum Album Kill Bill Vol. 1 wird beispielsweise Bernard Herrmann mit Twisted Nerve, Nancy Sinatra mit Bang Bang und RZA gemeinsam mit Charles Bernstein mit Crane / White Lightning aufgeführt. Die Namen stehen für unterschiedliche Stücke und Mitwirkungen. Diese Zuordnungen müssen erhalten bleiben, auch wenn der Filmschnitt alle Materialien so wirken lässt, als gehörten sie zur selben Welt.

Fred Raskin erinnerte sich im Januar 2013 gegenüber Slant daran, wie Nicaragua, Musik von Jerry Goldsmith für Under Fire in Django Unchained eingefügt wurde. Er erklärte, dass sie das Bild geringfügig angepasst hätten, damit es dazu passte. Die Wiederverwendung von Filmmusik in der Musik in Tarantinos Filmen kann neue Arbeit an der Szene erfordern, ohne dass sich die Urheberschaft der Komposition ändert. Die Verbindung zwischen Film und Musikstück entsteht beim Schnitt.

Karyn Rachtman und Mary Ramos: Die Auswahl möglich machen

Karyn Rachtman erzählte Cuepoint im September 2014, Tarantino habe für Pulp Fiction die Version von Urge Overkill von Girl, You'll Be a Woman Soon ausgewählt. Ihre Aufgabe sei es gewesen, die Vereinbarung zur Verwendung des Songs abzuschließen. Der Bericht von Karyn Rachtman unterscheidet die Vorliebe des Regisseurs vom Beitrag der Musik-Supervisorin. So lässt sich jeder Person ihr Anteil an einer Entscheidung zuordnen, die erst in eine konkrete Produktionsmöglichkeit umgesetzt werden musste.

Im Juli 2019 erklärte Mary Ramos gegenüber GQ, dass sie einen Track vorbereitet hätten, auf dem Leonardo DiCaprio Rick Daltons musikalischen Auftritt in Hullabaloo proben konnte. Letztlich fiel die Wahl auf The Green Door. Die Arbeit von Mary Ramos als Musik-Supervisorin umfasste damit auch eine konkrete Anforderung der Dreharbeiten: dem Darsteller Material zu geben, mit dem er eine Handlung vorbereiten konnte. Die Musik musste für die Figur funktionieren, die innerhalb der Filmhandlung vor einer Kamera singt.

Diese Beispiele zeigen, welche unterschiedlichen Anforderungen derselbe Beruf mit sich bringt. Eine Aufnahme kann bereits beim Schreiben ausgewählt werden und später Verhandlungen erfordern. In einem anderen Fall muss Material vorbereitet werden, damit der Darsteller vor dem Dreh üben kann. Die Musik-Supervision bringt solche Anforderungen mit dem Drehplan des Films in Einklang und hält den Austausch mit allen aufrecht, die mit der Musik arbeiten müssen.

Schnitt und Veröffentlichung auf Tonträger bringen weitere Arbeit mit sich

Ein Musikstück mit den Bildern auszuprobieren, hilft dabei, seinen Einsatz, seine Länge und das, was drumherum zu hören ist, zu beurteilen. Diese Arbeit verbindet die Musik-Supervision mit dem Schnitt- und Tontechnikteam. Die Version, die beim ersten Versuch verwendet wird, muss möglicherweise später angepasst werden; die Musik muss in eine konkrete Beziehung zu den Stimmen und den übrigen Klängen der Szene treten. Eine künstlerische Entscheidung geht also durch mehrere Hände, bevor sie das Publikum erreicht.

Third Man Records kündigte am 18. Dezember 2015 seine Vinyl-Ausgabe des Soundtracks zu The Hateful Eight an. Das von Jack White gegründete Label präsentierte eine Doppel-LP mit gedrucktem Material zum Film. Die Beteiligung von Jack White und Third Man an dieser Ausgabe bezog sich auf die Veröffentlichung auf Tonträger. Das Label brachte eine Aufnahme heraus und bereitete deren physische Präsentation vor; Morricones Komposition blieb davon klar getrennt.

Auch Orchester sind Teil dieser Zusammenarbeit. Die Tschechische Nationale Symphonie dokumentiert ihre Arbeit an The Hateful Eight und eine besondere Session in den Abbey Road Studios in einer Mitteilung vom 18. Dezember 2015. Morricone dirigierte das Ensemble dort bei einer Aufnahme von Filmmusik, die direkt für die Veröffentlichung auf Vinyl eingespielt wurde. Tarantino, Kurt Russell und Walton Goggins waren bei der Session anwesend.

Die Session wurde als Veranstaltung im Zusammenhang mit der Veröffentlichung vorgestellt. Diese genaue Einordnung hilft, eine für einen bestimmten Anlass aufgenommene Interpretation von der gesamten Aufnahmegeschichte eines Soundtracks zu unterscheiden. Dass Komponist und Repertoire übereinstimmen, macht zwei Sessions nicht automatisch zu demselben Ereignis.

Dieser Fall bezieht die Musiker in ein Gespräch ein, das sich oft auf den Urheber der Filmmusik beschränkt. Sie spielen die Noten und setzen während der Aufnahme die Anweisungen des Dirigenten um. Das Ergebnis bewahrt neben der musikalischen Komposition auch interpretatorische Entscheidungen: Ein Werk kann in verschiedenen Versionen wiedererkannt werden und zugleich bei jeder Aufführung eigene Nuancen erhalten.