Leonardo DiCaprio und Hans Landa: Was wirklich hinter der Besetzung steckte

Leonardo DiCaprio war vor Beginn der Dreharbeiten mit der Rolle des Hans Landa in Verbindung gebracht worden. Tarantinos spätere Erklärung beschreibt jedoch eine weitaus weniger konkrete Möglichkeit, als die Formulierung „hätte ihn beinahe gespielt“ vermuten lässt.

Eine Möglichkeit, die es nicht einmal bis zu einem Treffen schaffte

Leonardo DiCaprio drehte keine Szenen als Hans Landa und wurde auch nicht nach einer bekannten Verpflichtung ersetzt. Sein Name fiel während der Vorbereitungen zu Inglourious Basterds, als die Presse 2008 über Schauspieler berichtete, die zum Projekt stoßen könnten. Diese Meldungen spiegeln eine Phase der Suche wider, in der noch mehrere Entscheidungen offen waren. Sie im Nachhinein als Ankündigung einer endgültigen Besetzung darzustellen, verändert den damaligen Grad an Gewissheit und setzt Interesse mit einer beruflichen Verpflichtung gleich.

Die hilfreichste Klarstellung stammt von Tarantino selbst. In einem Interview mit Playboy, das er im Umfeld von Django Unchained gab, erklärte er, DiCaprio habe sich für Landa interessiert, doch die beiden seien nie zusammengekommen, um über Inglourious Basterds zu sprechen. Der Regisseur fügte hinzu, dass die erforderlichen Sprachkenntnisse diese Möglichkeit ausgeschlossen hätten. Seine Schilderung handelt weder von einem missglückten Vorsprechen noch von einem Vertragsbruch oder einer Absage aufgrund persönlicher Differenzen. Sie beschreibt eine Möglichkeit, die sich nicht zu einer konkreten Zusammenarbeit entwickelte.

Auch die übliche Erklärung zum Deutschen schränkte er ein. Laut Tarantino konnte DiCaprio Deutsch sprechen, während die Figur eine sehr wichtige Rolle auf Französisch hatte. Zu sagen, er habe die Rolle verloren, weil er kein einziges Wort Deutsch konnte, vereinfacht und verfälscht daher die Aussage. Die Herausforderung bestand darin, eine Figur zu tragen, die sich über mehrere Sprachen entfaltet, mit langen Monologen und wechselnden Absichten – in einem Film, der die sprachliche Vielfalt nicht durch ein einheitliches Englisch auflösen sollte.

Das Wort „beinahe“ ist reizvoll, weil es dazu einlädt, sich eine alternative Version des Films auszumalen. Man kann es verwenden, um von einem in Betracht gezogenen Namen zu sprechen – solange man keine nie stattgefundenen Schritte hinzuerfindet. Es gibt hier keine zwei vollständigen Darstellungen, die sich vergleichen ließen, und auch kein öffentliches Vorsprechen, anhand dessen man DiCaprios mutmaßlichen Landa beurteilen könnte. Der Film, den es gibt, enthält Christoph Waltz’ Darstellung; alles andere gehört zur Geschichte der Besetzungsmöglichkeiten und zur Fantasie des Publikums.

Warum die Rolle mehr als nur einen Akzent verlangte

Die Dialoge von Hans Landa in Inglourious Basterds machen sprachliche Souveränität zu einer Form von Macht. Auf dem Bauernhof verändert der Wechsel vom Französischen ins Englische, wer das Verhör verstehen kann. Beim Empfang im Kino dient das Italienische dazu, die Identität zu überprüfen, die die Gäste vorgeben zu verkörpern. Das Deutsche bestimmt andere Beziehungen zum NS-Apparat. Diese Passagen sind nicht austauschbar: Jede Sprache verändert das Informationsgefälle und verlangt vom Schauspieler, die Kontinuität derselben Figur zu wahren.

Eine Darstellung, die sich darauf beschränkt hätte, die Wörter korrekt auszusprechen, hätte das Problem des Tempos ungelöst gelassen. Landa stellt Fragen, wartet, scherzt und verkündet Entscheidungen, ohne seine unheimliche Höflichkeit abzulegen. Innerhalb eines einzigen Gesprächs kann er von scheinbarer Neugier zu einer konkreten Drohung übergehen. Der Darsteller muss diese Wechsel erkennbar machen, ohne dass die Anstrengung, sich in einer fremden Sprache zurechtzufinden, in den Vordergrund rückt. Das macht verständlich, warum es beim Casting nicht nur darum ging, einen Star mit überzeugendem Akzent zu finden.

In seinem Gespräch mit Terry Gross für Fresh Air erklärte Tarantino genau diesen Unterschied. Einige Kandidaten konnten sich fließend auf Englisch unterhalten, fanden aber nicht den richtigen Rhythmus und den spielerischen Umgang mit den Dialogen. Waltz’ Leseprobe löste das Problem während der Bauernhofszene. Das vom Regisseur beschriebene Kriterium war nicht nur sprachlicher, sondern auch darstellerischer Art: Die Sätze sollten wie Entscheidungen Landas klingen – mit Humor, Absicht und Gespür für das richtige Timing, nicht wie eine schulische Demonstration korrekter Aussprache.

Die Besetzung sollte auch nicht als Entdeckung eines unerfahrenen Schauspielers erzählt werden. Waltz hatte bereits eine berufliche Laufbahn hinter sich, auch wenn er einem großen Teil des US-amerikanischen Publikums kein Begriff war. Als deutschsprachiger Schauspieler passte er zur Suche, doch das erklärt für sich genommen noch nicht das Ergebnis. Andere Darsteller verfügten über dieselbe Grundlage. Entscheidend war laut Tarantinos Schilderung, wie Waltz die Szene spielte und die Persönlichkeit der Figur beim Wechsel der Sprache bewahrte.

Was der Vergleich erahnen lässt

DiCaprios früherer Bekanntheitsgrad hätte die Erwartungen eines Teils des Publikums beeinflusst. Einen großen Star sofort zu erkennen, kann Erinnerungen an frühere Rollen wecken, bevor die neue Figur überhaupt Gestalt annimmt. Waltz trat vielen Zuschauern mit weniger solchen Assoziationen entgegen. Das ist ein plausibler Unterschied in der Publikumswahrnehmung, aber kein Beleg dafür, dass Tarantino DiCaprio ablehnte, um das Publikum zu überraschen. Die dokumentierte Erklärung bezieht sich auf die Anforderungen der Rolle, nicht auf eine geheime Strategie gegen Vertrautheit.

Ebenso ungenau wäre es, sich Landa einfach mit dem Temperament von Calvin Candie vorzustellen. Die spätere Zusammenarbeit von Leonardo DiCaprio mit Tarantino betrifft eine andere Figur, ein anderes gesellschaftliches Umfeld und eine andere Art, Gewalt auszuüben. Ein Vergleich kann zeigen, wie der Regisseur Gegenspieler schreibt, die ein Gespräch beherrschen, belegt aber nicht, wie DiCaprio 2009 gespielt hätte. Eine Rolle ist kein austauschbares Beispiel, mit dem sich automatisch eine andere rekonstruieren lässt, die nie gespielt wurde.

Die Geschichte der Besetzung ist deshalb von Bedeutung, weil sie zeigt, wie sehr die Mehrsprachigkeit in die Konstruktion des Films eingebunden war. Der Regisseur konnte bekannte Namen in Betracht ziehen, musste aber jemanden finden, der sehr unterschiedliche sprachliche Situationen überzeugend zusammenhielt. Waltz gelang das. DiCaprios Interesse bleibt eine frühe Möglichkeit; die angeblich geplatzte Verpflichtung oder das misslungene Vorsprechen gehören zu einer dramatischeren Version der Anekdote, die durch die vorliegenden Aussagen nicht gestützt wird.

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