Wie lange Tarantino an Inglourious Basterds schrieb und was sich änderte

Das Drehbuch zu Inglourious Basterds hatte eine lange Entstehungsgeschichte, doch Tarantino stellte klar, dass er nicht ein ganzes Jahrzehnt ununterbrochen daran geschrieben hatte. Die Geschichte wuchs und fand ihre endgültige Form, als er sie auf die Premiere des Nazi-Propagandafilms konzentrierte.

Ein Jahrzehnt mit Unterbrechungen

Quentin Tarantino datierte den Projektbeginn auf die Zeit nach Jackie Brown, also auf das Jahr 1998. In einem Interview von 2009 erklärte er, dass er in den ersten Jahren intensiv daran gearbeitet habe, die Geschichte zu groß geworden sei und er sie schließlich beiseitegelegt habe, um Kill Bill zu drehen. Diese Formulierung ist wichtig: Der Zeitraum zwischen dem Beginn und dem Kinostart des Films bedeutet nicht, dass er zehn Jahre lang täglich daran geschrieben hat. Er umfasst Entwicklungsphasen, Pausen und Wiederaufnahmen sowie andere Filmprojekte.

Die Unterscheidung zwischen Entstehungszeit und kontinuierlichem Schreiben hilft, das von ihm beschriebene Problem zu verstehen. Es fehlte ihm nicht unbedingt an Figuren oder Szenen. Er hatte so viel Material, dass das Werk nicht mehr in die Form eines Spielfilms passte. Ein Projekt kann an der Fülle der Möglichkeiten scheitern: Jede neue Geschichte eröffnet Beziehungen, Vorgeschichten und Episoden, die Raum beanspruchen. Die Schwierigkeit besteht dann nicht mehr darin, etwas zu erfinden, sondern darin, auszuwählen und dem bereits Erfundenen eine Richtung zu geben.

Berichte von Weggefährten erinnern an Lesungen einzelner Szenen zu verschiedenen Zeitpunkten in diesen Jahren. Daraus folgt nicht, dass es eine endgültige, drehfertige Fassung gab, die bis 2008 unverändert blieb. Sie zeigen vielmehr, dass das Projekt in der Vorstellung des Regisseurs lebendig blieb, auch wenn sich seine Form wandelte. Eine Szene, die Freunden oder Produzenten vorgelesen wird, kann erhalten bleiben, verändert werden oder verschwinden. Der fertige Film allein lässt sich nicht nutzen, um all diese Zwischenstufen zu rekonstruieren.

Ebenso wenig sollte man jedem kreativen Stillstand ein genaues Datum zuordnen oder die Pausen auf einen einzigen psychologischen Grund zurückführen. Tarantino beschrieb ein Problem mit Umfang und Struktur, doch das berechtigt nicht dazu, ein nicht vorhandenes Kreativtagebuch zu ergänzen. Die brauchbare Chronologie stützt sich auf überprüfbare Eckpunkte: den Beginn nach Jackie Brown, die Hinwendung zu anderen Projekten und die Rückkehr, die zum Drehbuch für die Produktion führte. Dazwischen wurde gearbeitet, doch das lässt sich nicht auf eine Zahl von Seiten pro Jahr reduzieren.

Die Möglichkeit einer Miniserie

Der Umfang des Materials führte dazu, dass eine Miniserie erwogen wurde; auch die Möglichkeit, es als Roman zu behandeln, wurde diskutiert. Diese Optionen erklären die Suche nach einer passenden Form, nicht aber die Existenz einer vollständigen Fernsehproduktion, die abgesetzt worden wäre. Man sollte sich keine gedrehten Episoden, eine engagierte Besetzung oder eine sendefertige Staffel vorstellen. Die alternative Form gehört zur Entwicklungsphase des Projekts und sollte auch so beschrieben werden.

Eine Miniserie hätte es ermöglicht, mehr Geschichten beizubehalten und ihnen mit größerem Spielraum zu folgen. Der Spielfilm erforderte eine andere Art der Auswahl. Das erklärt, warum es hilfreicher war, nach einer Situation zu suchen, die die Handlungsstränge zusammenführte, als einfach nur Szenen zu kürzen. Eine kürzere Laufzeit löst nicht immer das Problem einer zerstreuten Struktur. Nötig ist ein Ereignis, auf das Figuren zulaufen können, die bis dahin eigenständige Geschichten hätten tragen können.

In seiner Schilderung des Entstehungsprozesses sagte Tarantino, die Geschichte sei um den Propagandafilm und dessen Premiere herum neu organisiert worden. Diese Idee gibt den Bastarden und Shosanna ein gemeinsames Ziel, ohne vorauszusetzen, dass sie von Anfang an denselben Plan verfolgen. Das Kino kann die Ziele zusammenführen, einen Zeitplan vorgeben und den Schauplatz konzentrieren. So entsteht eine Struktur, die mehrere Perspektiven bewahren und auf ein konkretes Ereignis hinführen kann.

Die Lösung macht die Liebe zum Kino zugleich zu einem funktionalen Bestandteil der Handlung. Das Wissen über eine Branche, berufliche Identitäten und die praktischen Abläufe in einem Kino sind nicht länger bloß kulturelle Verweise. Sie können die Entscheidungen der Figuren beeinflussen. Das erklärt mit, warum der fertige Film nicht einfach eine Folge militärischer Kommandoaktionen ist, auch wenn er den Titel und mehrere Elemente des ursprünglichen Kriegsfilmprojekts beibehält.

Das Drehbuch von 2008 und der fertige Film

Produktionsunterlagen datieren die Fertigstellung einer entscheidenden Drehbuchfassung auf den 2. Juli 2008. Danach begann eine zügige Vorbereitung der Dreharbeiten. Dieser Meilenstein bedeutet nicht, dass seitdem jedes Wort unverändert blieb. Ein Produktionsdrehbuch ist ein Arbeitsdokument, das sich im Zusammenspiel mit Besetzung, Drehorten, Dreharbeiten und Schnitt verändern kann. Ein Datum macht nicht alle unter diesem Titel kursierenden Texte zu ein und derselben Fassung.

Diese Unterscheidung ist hilfreich, wenn man geschriebene Szenen mit der Kinofassung vergleicht. Regieanweisungen können Hintergrundinformationen liefern, die das Publikum nie zu hören bekommt; eine Sequenz kann wegfallen oder kürzer werden; eine Figur kann weniger präsent sein. Keine dieser Abweichungen beweist automatisch einen äußeren Eingriff oder einen Produktionskonflikt. Um eine Änderung einer bestimmten Person oder Ursache zuzuschreiben, braucht es einen Beleg – nicht nur den Nachweis, dass sich zwei Fassungen unterscheiden.

Die lange Entstehungszeit ist auch kein unmittelbares Maß für die Qualität jeder einzelnen Szene. Manche Ideen können aus der Anfangsphase stammen, andere aus einer späten Umstrukturierung. Der Wert des Prozesses liegt darin, dass das Projekt eine Form fand, in der sich Figuren, Sprachen und Handlungsstränge miteinander verbinden ließen. Der Film behält eine Gliederung in Kapitel bei, doch diese Kapitel laufen auf ein Zusammenführen der Handlungsstränge hinaus und stehen nicht bloß nebeneinander, weil sie in derselben historischen Epoche spielen.

Wenn es heißt, Tarantino habe zehn Jahre gebraucht, um Inglourious Basterds zu schreiben, ist das eine Kurzform für diesen Entstehungsprozess. Präziser gesagt wurde eine Idee über Jahre hinweg ausgearbeitet, aber nicht ein Jahrzehnt lang ohne Unterbrechung. Ebenso muss man zwischen einer erwogenen und einer produzierten Miniserie sowie zwischen einem fertigen Drehbuch und einem fertiggestellten Film unterscheiden. Das sind kleine Unterschiede in der Formulierung, aber sie verändern die Geschichte des Projekts wesentlich.

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