Gestapo, SS und Waffen-SS: Was der Film unterscheidet und vereinfacht

Die Bezeichnungen Gestapo, SS und Waffen-SS meinen nicht genau dieselbe Institution. Der Film verwendet diese historischen Bezüge in einer Fiktion, die Funktionen vereinfacht und die visuelle Wiedererkennbarkeit in den Vordergrund stellt.

Drei Begriffe, die nicht austauschbar sind

Die Gestapo war die politische Polizei des NS-Staates. Die SS war eine umfassendere Organisation mit politischen, polizeilichen, repressiven und militärischen Aufgaben. Die Waffen-SS war ihr bewaffneter Kampfverband. Die Frage lässt sich daher nicht dadurch beantworten, dass man die Figuren in „Gestapo“ und „SS“ einteilt, als wären dies zwei völlig getrennte und gleichartige Gruppen.

Die institutionellen Beziehungen veränderten sich während des Regimes und waren miteinander verflochten. 1939 wurde die Gestapo als Amt IV in das Reichssicherheitshauptamt, das RSHA, eingegliedert. In dieser Struktur wurden verschiedene Sicherheitsbehörden unter einer mit der SS verbundenen Leitung zusammengeführt. Die Überschneidungen bei den Zuständigkeiten erklären, warum jemand eine polizeiliche Stellung und einen SS-Rang innehaben konnte, ohne dass beide Angaben dasselbe bezeichneten.

Die Waffen-SS nahm an militärischen Feldzügen teil und verübte zugleich Verbrechen im Auftrag des Regimes. Ihr Status als Kampftruppe trennte sie nicht von Verfolgung und Massenmord. Ebenso beschränkte die polizeiliche Funktion der Gestapo sie nicht auf die Untersuchung gewöhnlicher Straftaten: Zu ihren Tätigkeiten gehörten politische und rassistische Verfolgung, brutale Verhöre und Deportationen.

Die Wehrmacht ist eine andere Bezeichnung: Sie meint die deutschen Streitkräfte jener Zeit. Sie sollte nicht als Synonym für die Waffen-SS verwendet werden. Wer diese Unterschiede im Blick behält, kann die im Film genannten Bezeichnungen einordnen, ohne jede Person in deutscher Uniform einer einzigen Organisation zuzurechnen.

Landa und Hellstrom in der Fiktion

Hans Landa wird als SS-Offizier dargestellt, der versteckte Juden aufspüren soll. Der Film schreibt ihm außergewöhnliche Ermittlungsfähigkeiten und weitreichende Handlungsfreiheit zu. So entsteht ein einprägsamer individueller Gegenspieler; ein vollständiges Organigramm der Institutionen, die an der Besatzung und Verfolgung beteiligt waren, bietet der Film jedoch nicht.

Hellstrom wird der Gestapo zugeordnet und tritt als Überwachungsfigur auf, die die Identität seiner Gesprächspartner auf die Probe stellen kann. Durch seinen Auftritt in der Kneipe erhält die Beherrschung der Sprache und gesellschaftlicher Umgangsformen unmittelbare Konsequenzen. Der Film dramatisiert eine Situation des Misstrauens, liefert aber keine umfassende Darstellung der Verfahren aller Mitarbeiter der politischen Polizei.

Beide Figuren sind fiktiv. Ihre Aufgaben können auf reale Praktiken und Strukturen verweisen, doch sie sollten nicht als historische Personalakten zweier belegter Offiziere behandelt werden. Dass eine Szene dramaturgisch überzeugend wirkt, beweist nicht, dass jede Bewegung, Zuständigkeit oder Entscheidung einer exakt rekonstruierten Verwaltungshierarchie entspricht.

Der Unterschied zwischen ihnen beschränkt sich auch nicht auf ihre Charakterzüge: Der eine ist höflich, der andere schneidend. Diese Eigenschaften beruhen auf Drehbuch und Darstellung. Für die institutionelle Einordnung muss man darauf achten, was der Film sagt und welche Zeichen er zeigt; die Persönlichkeit erklärt hingegen, wie jeder von ihnen seine Macht in einer bestimmten Situation ausübt.

Außerdem muss die institutionelle Zugehörigkeit von der Bezeichnung „Nazi“ unterschieden werden, wenn diese als politische oder moralische Beschreibung verwendet wird. Im Film können die Protagonisten den Begriff weit gefasst für ihre Feinde benutzen. Eine historische Analyse braucht eine präzisere Einordnung, wenn sie nach Funktionen und Verantwortlichkeiten fragt. Die Wortwahl im Dialog charakterisiert die sprechende Person; sie ersetzt nicht automatisch die Bezeichnungen der Behörden und erlaubt auch nicht den Rückschluss, zu welcher Einheit jeder im Hintergrund auftauchende Soldat gehört.

Uniformen lenken den Blick, sind aber kein ausreichender Beleg

Hellstroms schwarze Uniform ist für viele Zuschauer sofort visuell einzuordnen. Ihre Wirkung im Film garantiert jedoch nicht, dass alle Details der gängigsten Praxis am dargestellten Ort und zur dargestellten Zeit entsprechen. Farben und Abzeichen sollten anhand einschlägiger Quellen geprüft werden, bevor man sie zur Bestimmung einer Einheit oder zur Rekonstruktion der Laufbahn einer Figur heranzieht.

Außerdem bestand die Gestapo aus Polizeibeamten, die üblicherweise in Zivil arbeiteten. Das populäre Bild eines uniformierten, stets sichtbaren und erkennbaren Agenten vereinfacht die Arbeitsweise einer Polizei, die auch auf Informanten, Überwachung und Denunziationen angewiesen war. Der Film kann dieses Bild nutzen, um eine Bedrohung verständlich zu machen, ohne das gesamte System zu erklären, das sie trug.

Die Infiltration durch die Alliierten bringt eine weitere Komplikation mit sich: Manche Uniformen werden zur Tarnung getragen. In solchen Fällen vermittelt die Kleidung eine Identität, die die Figur vorgibt, nicht ihre tatsächliche Zugehörigkeit. Dieser Unterschied ist für die Spannung in der Kneipe entscheidend. Visuelle Zeichen können eine Zeit lang überzeugen und dennoch durch eine bestimmte Sprechweise oder Geste widerlegt werden.

Um die historische Genauigkeit zu beurteilen, sollte man daher mehrere Fragen voneinander trennen. Eine lautet, ob eine Organisation existierte und welche Aufgaben sie hatte. Eine andere, ob eine fiktive Figur schlüssig gezeichnet ist. Eine dritte betrifft die Frage, ob ein bestimmtes Kleidungsstück einer belegten Verwendung entspricht. Eine bejahende Antwort auf eine dieser Fragen beantwortet die anderen nicht automatisch. Inglourious Basterds zeigt, wie das Kino diese Ebenen miteinander verbindet; seine alternative Geschichte ersetzt jedoch nicht die Untersuchung der Institutionen, die für die NS-Verbrechen verantwortlich waren.

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