Die deutsche Kampagne veränderte Elemente der visuellen Identität von Inglourious Basterds. Der Film behielt seine Darstellung des Nationalsozialismus bei: Werbung und Filmwerk wurden nicht gleich behandelt.
Was an der Kampagne geändert wurde
Bei der deutschen Werbung für Inglourious Basterds wurde das in die Titelschrift integrierte Hakenkreuz entfernt und Werbebilder, auf denen es zu sehen war, wurden angepasst. In einer der Darstellungen mit einem Militärhelm wurde das Symbol durch einen Einschuss ersetzt. Der Unterschied betrifft die kommerzielle Präsentation des Films: Zuschauer konnten auf eine andere Version des Logos stoßen als in anderen Märkten, ohne dass dies bedeutete, dass sie eine andere Geschichte sahen.
Auch die Werbewebsite war Teil dieser Anpassung. Die herunterladbaren Materialien und die mit dem Kinostart verbundenen Bilder ließen sich nicht als völlig unabhängig von den Vorschriften zur öffentlichen Zurschaustellung nationalsozialistischer Symbole betrachten. Zeitgenössische Berichte über die Kampagne beschreiben diese Überarbeitung der grafischen Elemente. Es ist sinnvoll, von den dokumentierten Materialien zu sprechen und nicht daraus zu schließen, dass jede einzelne Anzeige auf jedem Medium und während der gesamten späteren Auswertung genau dasselbe Design hatte.
Die Änderung am Helm ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie eine Komposition erhalten bleibt, während ein Zeichen verändert wird. Die allgemeine Form des Gegenstands und seine Verbindung zum Krieg bleiben erkennbar. Was verschwindet, ist ein bestimmtes politisches Emblem. Der Einschuss vermittelt weiterhin eine gewalttätige und kriegerische Bedeutung, erfüllt aber nicht mehr dieselbe grafische Funktion. Es handelt sich um eine sichtbare Anpassung der Werbung, nicht um eine Änderung der Handlung der Figuren im Film.
Das Wort „Zensur“ fasst all diese Änderungen oft unter einem einzigen Begriff zusammen. Um diesen Fall zu verstehen, ist es genauer zu fragen, was entfernt wurde, von welchem Medium und in welchem Umfang. Die Entfernung des Symbols aus einem Werbelogo beweist nicht, dass eine Behörde angeordnet hat, die Flaggen in allen Szenen zu entfernen. Ebenso wenig lässt sich daraus schließen, dass Tarantino den Film für Deutschland neu geschnitten hat. Das sind unterschiedliche Vorgänge, für die jeweils unterschiedliche Belege erforderlich sind.
Der Rahmen des § 86a und die Kunstfreiheit
Zum rechtlichen Kontext in Deutschland gehört § 86a des Strafgesetzbuches, der die Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen betrifft. Die Vorschrift lässt sich nicht zutreffend als absolutes Verbot zusammenfassen, ein Hakenkreuz in irgendeinem Bild zu zeigen. Das Rechtssystem sieht ausdrücklich Ausnahmen vor, unter anderem für Kunst, Wissenschaft, Lehre und die Berichterstattung über historische Ereignisse. Der Verweis zwischen § 86a und § 86 ist für dieses Verständnis wesentlich.
Deshalb wird ein Film, der Nazis darstellt, nicht automatisch genauso behandelt wie eine öffentliche Zurschaustellung, die deren Ideologie verbreiten soll. Kontext und Funktion der Darstellung spielen eine Rolle. In Inglourious Basterds sind die Symbole Teil einer Erzählung, die das Regime kenntlich macht und seine Zerstörung fantasievoll inszeniert. Uniformen, Abzeichen und Flaggen machen den Film weder zu NS-Propaganda noch erfordern sie für sich genommen, dass jedes dieser Elemente entfernt wird.
Werbung wirft eine andere Frage auf, weil sie Zeichen aus der Dauer und dem Kontext des Werks herauslöst. Ein Plakat wird isoliert betrachtet, manchmal nur für einen kurzen Augenblick, und kann weit entfernt von dem Kino verbreitet werden, in dem der Film gezeigt wird. Dieser Unterschied hilft, die Vorsicht eines Verleihs bei der Vorbereitung einer Kampagne zu verstehen. Er beweist weder, dass jedes Filmplakat automatisch von jeglichem Kunstschutz ausgenommen ist, noch, dass es eine einfache Regel gibt, die sich ohne Prüfung des jeweiligen Werbemittels anwenden lässt.
Die Dokumentation der Kampagne erlaubt es, eine von Universal vorgenommene Anpassung zu beschreiben. Sie reicht nicht aus, um diese auf ein bestimmtes Gerichtsurteil, eine individuelle Anordnung eines Zensors oder ein Strafverfahren gegen Tarantino zurückzuführen. Die rechtlichen Rahmenbedingungen zu erläutern, erfordert nicht, ein Verfahren zu erfinden, das aus den herangezogenen Quellen nicht hervorgeht. Belegt ist die Änderung der kommerziellen Kommunikation angesichts der Einschränkungen für diese Bildsprache.
Der Film und sein Vertrieb sind nicht dasselbe
Bei der deutschen Erstaufführung blieb die Darstellung nationalsozialistischer Symbole im Film erhalten. Das Publikum konnte das für die Feier geschmückte Kino, die Uniformen und die Gewalt des Finales sehen. Gerade der Unterschied zwischen diesem Inhalt und dem Logo der Kampagne macht den Fall relevant. Ein Werbebild kann angepasst werden, ohne dass der Spielfilm dadurch zu einer Fassung wird, der ihr politischer Kontext oder ihre Gegenspieler fehlen.
Diese Frage muss auch von der Altersfreigabe getrennt werden. Eine Entscheidung darüber, welches Publikum einen Film sehen darf, ist nicht dasselbe wie eine strafrechtliche Vorschrift zu Symbolen. Die Debatte über Zensur, die MPAA und Gewalt in den Neunzigern gehört zu einem anderen institutionellen und geografischen Rahmen. Dasselbe Wort „Zensur“ für beide Themen zu verwenden, macht die US-amerikanischen Freigabestellen nicht für die deutsche Werbung verantwortlich und erklärt auch nicht die Entscheidungen, die in diesem Markt getroffen wurden.
Die Kampagne von 2009 zeigt zwei Ebenen der Verbreitung desselben Films. Das Werk behält die Zeichen bei, die für die Darstellung seiner Figuren und ihrer Welt erforderlich sind; bestimmte kommerzielle Materialien gestalten diese Zeichen für ihre lokale Verbreitung um. Wenn man beide Ebenen betrachtet, lässt sich die Änderung verstehen, ohne daraus zu schließen, Deutschland habe Inglourious Basterds verboten oder dessen nationalsozialistische Inhalte entfernt. Der Fall betrifft einen konkreten Kinostart und eine konkrete Kampagne, nicht eine allgemeingültige Regel, die sich ohne Weiteres auf jedes historische Bild übertragen lässt.
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