Der Name Leni Riefenstahl fällt in Gesprächen, in denen eine filmische Vorliebe zu einer politischen Frage werden kann. Wer das Werk und die sprechende Person identifiziert, vermeidet es, alle Erwähnungen als dieselbe Aussage zu behandeln.
Die Schauspielerin in einem Bergfilm
Eine der deutlichsten Referenzen ergibt sich im Zusammenhang mit dem Filmprogramm von Shosannas Kino und ihrem Gespräch mit Zoller. Das erwähnte Werk ist Die weiße Hölle vom Piz Palü. Riefenstahl tritt darin als Schauspielerin auf. Der Originalfilm von 1929 wurde von Arnold Fanck und G. W. Pabst inszeniert. Ihn als einen von Riefenstahl inszenierten Film zu bezeichnen, würde die Wiedererkennung ihres Gesichts mit der Urheberschaft am Werk verwechseln.
Diese Präzisierung ist wichtig, denn Zoller kann von Riefenstahls Bergfilmen genauso sprechen, wie ein Zuschauer von den Filmen eines Stars spricht. Eine solche Formulierung weist ihr nicht zwangsläufig die Regie zu. Der Dialog greift eine Referenz auf, die den Gesprächspartnern vertraut ist und dem Soldaten die Möglichkeit gibt, eine Gemeinsamkeit herzustellen. Die Szene ist kein filmhistorischer Steckbrief. Deshalb sollte die Analyse die Zuordnung ergänzen, ohne eine umgangssprachliche Formulierung in eine falsche technische Angabe zu verwandeln.
Shosanna nimmt die Bewunderung, die Zoller ihr offenbar zuschreibt, nicht begeistert auf. Ihre Zurückhaltung schafft Abstand zwischen der Vorführung eines Werks und der Zustimmung zu allem, was mit den daran Beteiligten zusammenhängt. In einem besetzten Land ist diese Unterscheidung besonders heikel: Entscheidungen über Filmvorführungen werden nicht unter druckfreien Bedingungen getroffen. Nicht jeder gezeigte Film muss als persönliche Erklärung der Kinobesitzerin verstanden werden. Das Publikum kennt Gründe, weshalb sie ihre Worte sorgfältig abwägen könnte.
Pabsts Name bietet im Gespräch einen anderen Ausweg. Er lenkt den Blick auf die Regie und auf eine Filmtradition, die sich nicht auf eine einheitliche nationale Identität reduzieren lässt. Shosanna behält einen gewissen Spielraum bei der Wahl dessen, was sie an einem Werk anerkennt. Ihre Antwort lässt sich als verbale Distanzierung lesen, ohne zu behaupten, ihr gesamter Dialog sei ein Geheimcode oder der Soldat verstehe die Tragweite ihrer Zurückweisung.
Die politische Bedeutung des Namens
Für das Publikum ist Riefenstahl auch mit der NS-Propaganda verbunden, insbesondere mit Triumph des Willens und Olympia. Diese spätere Laufbahn verleiht dem Austausch eine zusätzliche Bedeutung, die über ihre frühen Bergfilme hinausgeht. Sie macht jedoch nicht rückwirkend jeden ihrer Auftritte zu einem Propagandadokumentarfilm und verwandelt den Film von 1929 auch nicht in eine Produktion des Regimes, das 1933 an die Macht kam. Die Chronologie ermöglicht es, sowohl die Identifizierung des Werks als auch die politische Bedeutung des Namens im Blick zu behalten.
Die dramatische Spannung entsteht durch diese Überlagerung von Erinnerungen. Zoller kann ein Filmgespräch so führen, als wäre es eine harmlose Annäherung. Shosanna hört einem Soldaten der Besatzungsmacht zu, der eine mit dem Regime verbundene Persönlichkeit lobt. Das Publikum weiß mehr über ihre Identität als ihr Gesprächspartner. Deshalb lässt sich eine knappe Antwort auf mehreren Ebenen lesen: als filmischer Geschmack, als soziale Vorsicht und als Zurückweisung, die sich nicht völlig frei äußern lässt.
Der Film muss Riefenstahl nicht als körperlich anwesende Figur einführen, damit diese Bedeutung wirksam wird. Ihr Name fällt in Dialogen und Referenzen, ebenso wie der anderer Filmschaffender. Diese verbale Präsenz sollte nicht mit einem Cameo-Auftritt der Regisseurin oder mit dokumentarischem Material über ihr Leben verwechselt werden. Sie berechtigt auch nicht dazu, ihr eine reale Beteiligung an Stolz der Nation zuzuschreiben, einem für Inglourious Basterds erfundenen Film.
In der Vorführung von Stolz der Nation erhält die Verbindung zwischen Film und Macht eine andere Form: Das NS-Publikum sieht eine für es konzipierte Heldeninszenierung. Die Referenz auf Riefenstahl trägt zum kulturellen Hintergrund dieser Welt bei, erklärt aber nicht umfassend die gesamte NS-Propaganda. Tarantino verbindet bekannte Namen, existierende Filme und eine erfundene Produktion. Die Analyse sollte die Unterschiede zwischen diesen Materialien bewahren, statt sie zu einer alternativen Geschichte der realen Filmindustrie zu verschmelzen.
Drehbuch, Film und Zuschreibung der Aussagen
Schriftliche Fassungen des Drehbuchs enthalten Erwähnungen und Ausführungen, die nicht immer in demselben Umfang in die veröffentlichte Filmfassung übernommen werden. Dazu gehören Verweise auf Tiefland und Vergleiche, die den Bergfilm als erzählerisches Bild verwenden. Eine Regieanweisung für die Leser des Drehbuchs ist keine von einer Figur gesprochene Äußerung. Bevor man sie als Dialog zitiert, muss man klären, wer spricht, ob überhaupt eine Stimme den Text ausspricht und ob die betreffende Passage in der besprochenen Schnittfassung erhalten ist.
Diese Vorsicht verhindert auch, dass man Tarantino jedes Urteil, das Zoller äußert, als direkte persönliche Meinung zuschreibt. Eine Figur kann ein Werk loben, um zu verführen, anzugeben oder eine Gemeinsamkeit herzustellen. Der Film kann dieses Lob ironisch einsetzen. Die Stimme des Autors ist nicht automatisch mit der des Soldaten auf der Leinwand gleichzusetzen. In diesem Fall machen der Abstand zwischen den Gesprächspartnern und der Wissensvorsprung des Publikums es besonders unzuverlässig, das Gespräch als Liste der Vorlieben des Regisseurs zu lesen.
Übersetzungen fügen eine weitere Ebene hinzu. Der Titel des Bergfilms und die Art, Riefenstahl zu benennen, können sich in Synchronfassungen, Untertiteln und Drehbuchausgaben unterscheiden. Um die Funktion des Austauschs zu analysieren, muss man weder ein langes Zitat wiedergeben noch eine aus einer anderen Fassung erinnerte Formulierung als wörtlich ausgeben. Es genügt, das Werk, Riefenstahls Rolle darin und den unterschiedlichen Umgang der Gesprächspartner damit zu benennen.
Die Referenz wirkt, weil sie innerhalb der Szene keine umfassende Erklärung erfordert. Wer den Namen kennt, nimmt seine historische Bedeutung wahr; wer ihn nicht kennt, kann trotzdem erkennen, dass Shosanna die von Zoller angestrebte Nähe zurückweist. So erfüllt der Dialog eine unmittelbare dramatische Funktion und ermöglicht zugleich eine zweite, kulturelle Lesart. Historische Genauigkeit hilft, beides zu verstehen, ohne dem Film Aussagen zuzuschreiben, die erst einer späteren Interpretation entstammen.
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