Das Hakenkreuz auf der Stirn: Erinnerung und Bestrafung in Inglourious Basterds

Aldo Raine kennzeichnet bestimmte überlebende Nazis, damit sie ihre Zugehörigkeit nicht verbergen können, sobald sie die Uniform ablegen. Das Motiv taucht bereits vor dem Ende auf und kehrt zurück, als Landa versucht, sich eine neue Identität auszuhandeln.

Die Uniform lässt sich ablegen; die Markierung bleibt

Aldos Logik geht von einem Problem der Identifizierung aus. Ein Soldat kann die Uniform ablegen und sich später als jemand ausgeben, der mit den Taten des Regimes nichts zu tun hatte. Die Markierung auf der Stirn soll verhindern, dass die sichtbaren Anzeichen verschwinden. Der Film macht den Körper zu einem sichtbaren Register, das der Träger nicht auf dieselbe Weise ablegen kann wie ein Kleidungsstück.

Das gewählte Symbol ist das Hakenkreuz, denn es kennzeichnet die Zugehörigkeit, die Aldo unmöglich zu leugnen machen will. Innerhalb der Szene dient es als Bestrafung und als aufgezwungenes Etikett. Die Bastards übernehmen das Emblem nicht etwa aus Bewunderung. Die Gewalt der Geste besteht gerade darin, den Betroffenen zu zwingen, das Zeichen einer Identität zu behalten, die er vielleicht zu verbergen versuchen würde.

Die erste Verwendung des Motivs bereitet seine Wiederkehr vor. Der Film erklärt die Logik, bevor er sie auf Landa anwendet, sodass das Publikum den Zusammenhang zwischen Überleben und Markierung vorhersehen kann. Das Motiv wirkt nicht wie ein spontaner Einfall am Ende, der nichts mit Aldos früherem Verhalten zu tun hat. Es gehört zu der Doktrin, nach der die Figur mit ihren Gefangenen verfährt.

Die Darstellung von Aldo Raineverbindet diese innere Konsequenz mit einer Brutalität, die der Film nicht verschleiert. Die Figur kann ihre Tat mit ihrer eigenen Logik rechtfertigen, doch dadurch wird sie nicht automatisch zu einem rechtsstaatlichen Verfahren. Es handelt sich um eine Verstümmelung, die jemand einer anderen Person zufügt, über die er körperliche Gewalt ausüben kann.

Zeugen, die nicht irgendeine Geschichte erzählen können

Die Markierung beeinflusst auch, wie sich Geschichten verbreiten. Ein Überlebender kann erzählen, was geschehen ist, trägt aber ein Zeichen, das begrenzt, wie er sich anderen gegenüber darstellen kann. Aldo lässt den Körper das gesprochene Wort begleiten. Der Ruf der Bastards verbreitet sich durch Menschen, die ihre Gewalt erlebt haben und dafür einen sichtbaren Beweis mit sich tragen.

So verknüpft der Film Erinnerung mit öffentlicher Sichtbarkeit. Die Stirn ist ein Körperteil, das bei einer Begegnung normalerweise zu sehen ist. Die dramatische Entscheidung soll dafür sorgen, dass die aufgezwungene Identität jeder Erklärung vorausgeht. Die markierte Figur verliert die Möglichkeit, selbst zu bestimmen, wann und wie sie diese Vergangenheit in ein Gespräch einbringt.

Diese symbolische Wirksamkeit ist jedoch keine tatsächliche Garantie für die Wahrheit. Ein Zeichen auf dem Körper kann einen Vorwurf vermitteln, ersetzt aber nicht die umfassende Kenntnis der Taten einer Person. Der Film konzentriert den Konflikt auf Figuren, deren Zugehörigkeit zu den Nazis uns innerhalb der Handlung bekannt ist. Er bietet keine allgemeine Methode zur historischen Identifizierung, die sich außerhalb dieser Fiktion anwenden ließe.

Die Markierung muss auch nicht als die einzige Form der Erinnerung im Film verstanden werden. Shosanna hat eine andere Beziehung zur Vergangenheit: Ihre Erfahrung und ihr aufgezeichnetes Bild bewirken eine andere Reaktion. Aldo bringt einem Feind ein Zeichen auf dem Körper an; sie bereitet eine Inszenierung ihrer selbst vor. Beide Mittel sind Teil des Kampfes darum, zu bestimmen, woran man sich erinnern wird – jedoch aus unterschiedlichen Positionen und mit unterschiedlichen Verfahren.

Landa will die Seiten und die Erzählung wechseln

Im Finale handelt Landa mit den Alliierten seine Zusammenarbeit aus, um Vorteile zu erlangen und sich als Verantwortlichen für den Erfolg darzustellen. Sein Vorhaben setzt voraus, dass die letzten Taten an die Stelle seines bisherigen Werdegangs treten. Der Film zeigt keine Reue, die diese Entscheidung als moralische Wiedergutmachung erklären würde. Landa kalkuliert einen Ausweg und versucht, die Erzählung darüber zu steuern, wie die Sieger ihn darstellen werden.

Aldo willigt ein, ihn zum Übergabeort zu bringen, lässt aber nicht zu, dass die Vereinbarung vollständig bestimmt, was zwischen ihnen geschieht. Die Markierung widerspricht dem Wunsch des Offiziers, die sichtbaren Zeichen des Regimes abzulegen. Landas Schlagfertigkeit, die ihm in anderen Situationen so gute Dienste leistet, gibt ihm keine Kontrolle über diese Entscheidung. Die Begegnung endet mit einem Machtverhältnis, das sich nicht mehr auf dieselbe Weise verhandeln lässt.

Das Ende von Inglourious Basterdsgreift damit einen Gedanken wieder auf, der bereits im zweiten Kapitel angelegt wurde. Durch die Wiederholung erkennt das Publikum die Bedeutung, ohne dass eine ausführliche Erklärung nötig ist. Landa erhält nicht einfach nur eine weitere Wunde: Er bekommt genau die Art von Zeichen, die Aldo für jene vorgesehen hatte, die überleben wollen, ohne ihre Nazi-Identität sichtbar mit sich zu tragen.

Aldos Reaktion, als er das Ergebnis betrachtet, bringt schwarzen Humor und eine mögliche selbstreflexive Lesart ins Spiel. Der Film konfrontiert uns mit einem Werk, das sein Urheber für gelungen hält. Diese Entscheidung ist verstörend, weil sie ästhetische Bewertung mit körperlicher Schädigung verknüpft. Die Einstellung kann ein Gefühl von rachsüchtigem Abschluss erzeugen, zwingt uns aber auch, das Vergnügen zu beobachten, mit dem die Bestrafung präsentiert wird.

Die Beständigkeit, die das Symbol verspricht, gehört zur Logik der Erzählung und ist keine medizinische Erklärung für eine bestimmte Narbe. Seine Wirkung besteht darin, Landas Unmöglichkeit eines sauberen Auswegs sichtbar zu machen. Der Offizier, der Namen, Identitäten und Gespräche kontrolliert hatte, wird schließlich zum Empfänger einer Inschrift, über die jemand anderes für ihn entschieden hat.

Weitere Hintergründe finden Sie im Leitfaden zu Inglourious Basterds.