Die Bewaffnung in Inglourious Basterds hilft dabei, Situationen und Figuren voneinander zu unterscheiden, ist aber kein einheitlicher Militärkatalog. Bei der Identifizierung sollte man vom sichtbaren Objekt ausgehen und es von den Anforderungen der Dreharbeiten trennen.
Ein Arsenal, das von verschiedenen Seiten genutzt wird
Zu den sichtbaren Waffen gehören die deutschen Maschinenpistolen MP 38 und MP 40, die Pistolen Walther P38 und PPK, die Luger P08 sowie Karabiner 98k. Nicht alle Figuren verwenden eine Waffe, die ausschließlich ihrer Nationalität zuzuordnen wäre. Die Bastarde tragen in verschiedenen Szenen deutsches Material. Ein Modell zu erkennen, lässt daher nicht automatisch darauf schließen, zu welcher Seite die Person gehört, die es trägt. Der Film zeigt eine Einheit, die hinter den feindlichen Linien operiert und keine paradeartige Uniformität aufweist.
Auch die Pistolen kommen je nach Situation zum Einsatz. Landa und Hellstrom werden mit der Walther P38 in Verbindung gebracht, während Hicox und Stiglitz bei ihrer Infiltration kleinere Pistolen tragen. Zoller verwendet im Kinoteil eine Luger. Diese visuellen Zuordnungen helfen dabei, Objekte zu verfolgen, die ihren Platz oder Besitzer wechseln. Sie sollten jedoch nicht zu Aussagen über die Standardbewaffnung einer ganzen militärischen Einheit verallgemeinert werden. Ein in einer fiktionalen Geschichte gezeigter Einzelfall ist keine allgemeine historische Regel.
Das Gewehr von Aldo Raine trägt außerdem eine Inschrift, die es personalisiert. Dadurch wird ein Gegenstand militärischen Ursprungs zum Zeichen der Gruppenzugehörigkeit. Die Waffe vermittelt auch dann etwas, wenn sie nicht abgefeuert wird: Sie zeigt, dass sich die Bastarde das Material angeeignet haben und ihren Namen darauf hinterlassen wollen. Das Bild lässt sich im Rahmen der Charakterisierung der Figur lesen, ohne zu erfinden, wer die Inschrift angebracht hat oder bei welchem Einsatz er das Gewehr erhielt.
Stolz der Nation nutzt Teile desselben Waffenrepertoires, um seine propagandistische Schlacht zu inszenieren. Dort gehört der Gegenstand einer anderen Darstellungsebene an. Ein Gewehr in Zollers Händen dient dazu, innerhalb des Films im Film ein Heldenbild zu schaffen. Die Waffen der Haupthandlung kommen dagegen in Konflikten zum Einsatz, die das äußere Publikum aus verschiedenen Perspektiven verfolgt. Der Unterschied hängt nicht allein vom Modell ab, sondern auch davon, wie der Schnitt die Schießenden und die von der Gewalt Betroffenen in Szene setzt.
Die Taverne und die Bedeutung des Raums
In der Taverne in Inglourious Basterds werden die Waffen entscheidend, weil der Raum die Bewegungsfreiheit einschränkt. Tische, Tresen und Treppe lassen die Schießerei nicht wie eine offene Schlacht wirken. Noch bevor geschossen wird, schaffen die Positionierung der Hände und die Aufmerksamkeit für das außerhalb des Blickfelds Verborgene klare Bedrohungslagen. Die Spannung entsteht aus der Möglichkeit, dass eine Waffe auf jemanden gerichtet ist, obwohl sie im Bild noch nicht zu sehen ist.
Der Wirt hat eine Schrotflinte hinter dem Tresen. Man sollte sie nicht Hugo Stiglitz zuschreiben, nur weil man die gewalttätigste Figur automatisch mit dem größten Gegenstand verbindet. In anderen Szenen ist eine kurze Schrotflinte zu sehen, die Donny zugeordnet ist. Wenn man diese Auftritte auseinanderhält, vermeidet man, aus Gegenständen verschiedener Figuren und Situationen eine charakteristische Waffe Stiglitz’ zu konstruieren. Bei schnellen Schnitten sollte man erst genau hinsehen, bevor man etwas zuordnet.
Die Rolle von Hellstrom in der Konfrontation hängt von seiner Position und seinem Wissen ab, nicht von einer nachgewiesenen technischen Überlegenheit seiner Pistole. Der Gegenstand macht eine Bedrohung sichtbar, die der Dialog über mehrere Minuten vorbereitet hat. Deshalb kann die Szene schon vor Beginn der Gewalt Spannung aufrechterhalten. Die Art der Kommunikation verändert sich: Was zuvor mit Worten ausgehandelt wurde, drückt sich nun in einer unmittelbaren Beziehung zwischen Körpern, Waffen und Entfernungen aus.
Auch das Ende der Schießerei ist keine taktische Demonstration, die man nachahmen sollte. Es ist das Ergebnis von Schnitt, Effekten, Schauspiel und Ton. Die Einstellungen bestimmen, was das Publikum in welcher Reihenfolge sieht; sie zeigen nicht durchgehend sämtliche Positionen. Wer das Ergebnis als Inszenierung analysiert, kann seine Verständlichkeit und abrupte Wirkung nachvollziehen, ohne den Film zu einer Gebrauchsanleitung oder einer überprüfbaren Kampfsimulation zu machen.
Requisiten, Ton und historische Identifizierung
Ein auf der Leinwand erkennbares Modell verrät nicht automatisch, welche physische Ausführung in jeder Einstellung verwendet wurde. Eine Produktion kann für verschiedene Einstellungen und Effekte unterschiedliche vorbereitete Objekte kombinieren. Ohne Unterlagen des Teams sollte man jedoch keine konkrete Veränderung behaupten. Das äußere Erscheinungsbild zu bestimmen und die Herstellung der Requisite zu beschreiben sind zwei verschiedene Aufgaben. Ersteres kann sich auf Einzelbilder stützen; Letzteres erfordert Informationen zur Herkunft und zur Arbeit am Set.
Der fertige Ton fügt eine weitere Gestaltungsebene hinzu. Die Schüsse, die das Publikum hört, müssen keine unbearbeitete Wiedergabe der während der Dreharbeiten aufgenommenen Geräusche sein. Das Tontechnikteam des Films hat beschrieben, dass es nach einem Klang suchte, der an bestimmte frühere Kriegsfilme anknüpft. Diese Entscheidung verleiht dem Ganzen Charakter und erinnert daran, dass materielle Authentizität und filmischer Stil nicht dasselbe sind. Aus der Lautstärke eines Schussgeräuschs lassen sich keine technischen Daten der Waffe ableiten.
Auch beweist eine Ähnlichkeit mit einer modernen Waffe für sich genommen noch keinen Anachronismus. Um das zu belegen, müsste man das Modell sicher identifizieren und prüfen, ab wann die sichtbare Variante existierte. Bei Gegenständen, die nur teilweise oder für sehr wenige Einzelbilder zu sehen sind, ist Zurückhaltung geboten. Shosannas kleine Pistole wird beispielsweise oft als Ruby identifiziert. Wegen der eingeschränkten Sichtbarkeit sollte diese Zuordnung jedoch nicht als absolute Gewissheit über Hersteller und Variante dargestellt werden.
Die Auswahl der Waffen lässt sich danach untersuchen, was sie zur Erzählung beiträgt: erbeutetes Material, persönliche Gegenstände, verborgene Bedrohungen und Gewalt als Spektakel. Donny Donowitz behält eine visuelle Identität, die sich nicht auf ein einziges Modell reduzieren lässt – ebenso wie die anderen Figuren, die sich in wechselnden Situationen unterschiedlicher Mittel bedienen. Interessant wird das Inventar, wenn man jeden Gegenstand mit einer konkreten Einstellung und Handlung in Verbindung bringt und dabei historische Identifizierung, Requisitenarbeit am Set und erzählerische Funktion voneinander trennt.
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