Beide Gastauftritte stammen aus The Inglorious Bastards, dem Film von 1978. In Tarantinos Film finden sie jedoch auf unterschiedlichen Ebenen der Fiktion statt.
Zwei Auftritte, die man auseinanderhalten sollte
Enzo G. Castellari gehört zu den Gästen bei der Premiere des Nazi-Films in der Haupthandlung von Inglourious Basterds. Bo Svenson spielt in Stolz der Nation, dem Film, der auf der Gala gezeigt wird, einen amerikanischen Colonel. Diese Unterscheidung räumt mit einem verbreiteten Missverständnis auf: Die beiden sind nicht gleichartige Gäste, die in Le Gamaar sitzen. Der eine gehört zur Darstellung des Premierenpublikums; der andere ist eine Figur auf der Leinwand, die dieses Publikum betrachtet.
Der Unterschied kann leicht übersehen werden, weil beide Auftritte kurz sind und mit demselben Ereignis zusammenhängen. Doch er verändert die Bedeutung dessen, was wir sehen. Svensons Uniform gehört zum Feindbild, das Zoller durch seine Propaganda entwirft, und nicht zu einem alliierten Soldaten, der heimlich in den Saal gelangt ist. Ebenso wenig sollte man bei ihm nach einer Verbindung zu den Basterds oder einer geheimen Rolle bei der Operation suchen. Sein Auftritt gehört zum fiktiven Kurzfilm.
In den Produktionsunterlagen wird Svenson als amerikanischer Colonel geführt. Die Kürze dieser Rolle lässt keine Rückschlüsse auf einen Namen, eine militärische Laufbahn oder ein individuelles Schicksal zu, die über den gezeigten Ausschnitt hinausgehen. Bei Castellari macht die Wiedererkennung des Regisseurs aus seinem Auftritt auch keine Biografie des Filmemachers im Zweiten Weltkrieg. Ein Cameo spielt mit der bekannten Identität des Gastes, doch diese Vertrautheit mit dem Publikum muss von der historischen Identität der realen Person unterschieden werden.
Die Verbindung zum Film von 1978
Castellari führte bei Quel maledetto treno blindato Regie, international bekannt als The Inglorious Bastards, und Svenson gehörte zu den Hauptdarstellern. Der Titel dieser italienischen Produktion bildet den Ursprung der Anspielung, die Tarantino in seinen eigenen Film einbaut. Die Namensähnlichkeit macht den Film von 2009 nicht zu einer Neuverfilmung der Handlung. Die Gastauftritte sind eine Hommage an eine Tradition des populären Kriegsfilms und an zwei Filmschaffende, die mit ihr verbunden sind.
Die Hommage entsteht dadurch, dass die beiden selbst zu sehen sind, nicht durch eine Erklärung. Wer den früheren Film kennt, kann seine Mitwirkenden wiedererkennen; wer ihn nicht kennt, versteht die Szenen trotzdem. Diese doppelte Lesbarkeit ist ein nützliches Merkmal des Cameos: Es fügt eine Ebene der Filmgeschichte hinzu, ohne dass das Verständnis der Handlung von einer Liste von Anspielungen abhängt. Die Handlung muss nicht unterbrochen werden, um zu erklären, warum die beiden dort sind.
Castellaris Auftritt ist besonders selbstbezüglich, weil ein Regisseur im Publikum einer von einem anderen Regisseur erfundenen Premiere auftaucht. Svenson, ein Schauspieler aus dem Kriegsfilmgenre, spielt erneut eine militärische Rolle – diesmal jedoch in einer Propagandaparodie. Das sind beobachtbare formale Bezüge, aber kein Beleg dafür, dass jede Uniform eine persönliche politische Botschaft des Gastes verbirgt. Die Deutung der Hommage sollte sich auf die filmische Gestaltung beschränken.
Was die Gastauftritte beitragen, ohne eine neue Handlung daraus zu machen
Svenson trägt dazu bei, dass Stolz der Nation wie ein Film mit eigener Besetzung und eigener Welt wirkt. Der Film im Film besteht nicht nur aus Bildern, in denen Zoller schießt: Er hat Gegner, militärische Stellungen und eine eigene Schlachtrhetorik. Ein Schauspieler, den man aus dem Genre kennt, bringt eine Erinnerung daran mit, die das Publikum auch dann wahrnehmen kann, wenn es sie nicht bewusst zuordnet. Die Wirkung entsteht durch seine Präsenz, nicht dadurch, dass seiner Figur eine verborgene Bedeutung zugeschrieben werden müsste.
Castellari, der bei der Veranstaltung in Le Gamaar zu sehen ist, verbindet den Akt des Zuschauens mit derselben Genretradition. Sein Auftritt reicht aus, um die Einladung kenntlich zu machen. Ihn zu einem historischen Mitläufer des Regimes zu erklären oder anzunehmen, er spiele 1944 buchstäblich sich selbst, würde das Spiel falsch verstehen. Der reale Regisseur gehört nicht als Erwachsener, der dieser Premiere beiwohnt, in die historische Zeit der Fiktion.
Tarantinos berufliche und cineastische Beziehung zu Enzo G. Castellari hat ihre eigene Entwicklung. Ebenso lässt sich anhand von Bo Svensons gemeinsamen Projekten mit Tarantino nachvollziehen, wo er sonst auftritt. Für diesen Film genügt es, die beiden präzise zuzuordnen: Castellari ist auf der Gala zu sehen, Svenson im gezeigten Film. Diese Unterscheidung verhindert, dass man eine gemeinsame Szene erfindet, und lässt zwei unterschiedliche Arten erkennen, eine Hommage in wenigen Einstellungen unterzubringen.
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