Die Auftritte von Sid Haig und Bo Svenson verbinden frühere Karrierewege mit neuen Rollen, auch wenn nicht jede Hommage auf dieselbe Weise funktioniert.
Die Geschichte, die ein Gesicht mit sich bringen kann
Sid Haig und Bo Svenson kamen mit eigenen Karrieren im Genrekino zu Tarantinos Filmen. Haigs Auftritte in Jack Hills Werken wie Spider Baby, Coffy und Foxy Brown sowie Svensons Rolle in Enzo G. Castellaris The Inglorious Bastards lassen konkrete Verbindungen erkennen. Es sind keine austauschbaren Namen innerhalb einer vagen Kategorie von B-Movie-Darstellern.
Der Begriff Wiederentdeckung kann die neue Aufmerksamkeit beschreiben, die einem Darsteller zuteilwird, aber auch eine Karriere vereinfachen, die nie aufgehört hatte zu bestehen. Tarantino verleiht jenen Auftritten nicht rückwirkend ihren Wert. Seine Filme können diese Gesichter einem neuen Publikum näherbringen und bei Zuschauern, die sie bereits kannten, Erinnerungen wecken, während die Schauspieler weiterhin neue Arbeit leisten.
Der Zusammenhang mit der Grindhouse-Kultur und dem Exploitation-Kino liefert einen Kontext für Vorführungen und Vorlieben. Die Besetzung ist jedoch nicht bloß eine Sammlung von Sammelbildern für Fans. Jeder Auftritt muss innerhalb der Szene eine erkennbare Funktion erfüllen – auch für diejenigen, die Haigs oder Svensons frühere Filme nicht gesehen haben.
Diese doppelte Funktion macht den Cameo-Auftritt interessant: In der Fiktion kann jemand Richter, Angestellter oder Soldat sein und zugleich eine Erinnerung für das Publikum verkörpern. Der Film muss nicht die gesamte Filmografie des Schauspielers erklären. Die Erinnerung kann still wirken, ohne die konkrete Funktion der Figur zu ersetzen.
Sid Haig: vom Richter in Jackie Brown zu Jay
In Jackie Brown spielt Haig den Richter. Er ist nicht Winston, der Angestellte der Kautionsagentur – diese Rolle spielt Tommy Lister. Die Verwechslung ist wichtig, weil sie die Position des Schauspielers in der Handlung völlig verändert: Haig ist Teil des Justizapparats, der Jackies Situation beeinflusst, nicht des beruflichen Umfelds von Max Cherry.
Sein Auftritt ist kurz, und die Autorität der Figur ergibt sich aus ihrem Amt. Die Darstellung muss eine institutionelle Situation verständlich machen, ohne den emotionalen Mittelpunkt des Films an sich zu reißen. Der Richter trägt dazu bei, die Konsequenzen und Grenzen festzulegen, innerhalb derer die Protagonistin handeln muss. Das Wiedererkennen des Gesichts fügt eine weitere Ebene hinzu, doch die Szene ist nicht davon abhängig.
Die Verbindung zu Pam Grier ergibt sich aus ihren früheren gemeinsamen Filmen Coffy und Foxy Brown. Es handelt sich um eine Kontinuität zwischen Darstellern aus Jack-Hill-Filmen, nicht um eine wortwörtliche Fortsetzung jener Figuren. Jackie Brown bewahrt ihre eigene Geschichte und ihren eigenen Ton, und Haig übernimmt eine andere Rolle als die Männer, die er in den Siebzigerjahren an Griers Seite gespielt hatte.
In Kill Bill: Volume 2 tritt Haig als Jay auf, der zum Umfeld des Clubs gehört, in dem Budd arbeitet. Der Rollenwechsel zeigt erneut, dass ein bekanntes Gesicht in ganz unterschiedlichen Milieus Platz finden kann. Der Film nutzt diesen Ort, um ein heruntergekommenes Arbeitsleben und alltägliche Hierarchien zu zeigen, die im Kontrast zur gewalttätigen Vergangenheit von Michael Madsens Figur stehen.
Jay muss weder zu einem großen Gegenspieler noch zu einer verkappten Version von Haigs Horrorfilmrollen werden. Sein Auftritt fügt sich in den Alltag des Lokals ein. Die Kürze des Auftritts macht die Arbeit am Tonfall nicht überflüssig: Die Figur muss zur Atmosphäre gehören und dazu beitragen, dass diese Welt auch vor und nach dem Besuch der Kamera zu existieren scheint.
Bo Svenson und zwei Formen filmischer Erinnerung
Svenson spielt in Kill Bill: Volume 2 Reverend Harmony. Die Figur gehört zum Umfeld der Kapelle und zu den Vorbereitungen einer Zeremonie. Die Situation zeigt ein normales gesellschaftliches Miteinander, das der Film neben eine wachsende Bedrohung stellt. Der Schauspieler trägt zu diesem alltäglichen Eindruck bei, ohne dass man seine Laufbahn in Actionfilmen kennen muss.
Sein Auftritt in Inglourious Basterds funktioniert anders. Er ist als amerikanischer Colonel in Stolz der Nation zu sehen, dem Propagandafilm, der in die Handlung eingebettet ist. Er sollte nicht einfach den Zuschauern bei der Premiere im Kino Le Gamaar zugerechnet werden. Sein Bild gehört zur Leinwand, die die Figuren betrachten – einer anderen Ebene der Fiktion.
Die Verbindung zu Castellaris The Inglorious Bastards von 1978 ist besonders deutlich für diejenigen, die den Film kennen, in dem Svenson eine Hauptrolle spielte. Tarantino greift ein Gesicht aus diesem Werk auf und verwendet zugleich einen verwandten Titel, verfilmt aber nicht dessen Handlung neu. Der Auftritt des Schauspielers verbindet Filme, die unterschiedliche Geschichten erzählen.
Diese Verschiebung sorgt für eine filmische Ironie: Ein Darsteller, der mit einem früheren Kriegsabenteuer verbunden ist, erscheint nun in einem Propagandafilm innerhalb eines Films. Seine Rolle fasst nicht die gesamte Beziehung zwischen den beiden Werken zusammen, macht sie aber durch einen Körper und eine Stimme greifbar. Die Hommage bleibt nicht bloß ein schriftlicher Verweis, sondern wird Teil der Besetzung.
Haig und Svenson zeigen damit unterschiedliche Wege, sich zur Vergangenheit zu verhalten. Der eine kann an der Seite einer früheren Kollegin wieder auftauchen oder sich in ein Arbeitsumfeld einfügen; der andere kann eine Zeremonie tragen und später einen Soldaten in einem fiktiven Film darstellen. Die Erinnerung an das Genrekino erweitert diese Auftritte, doch ihre Genauigkeit hängt davon ab, dass die Rollen, Orte und Erzählebenen der einzelnen Auftritte klar bleiben.
Zurück zu wiederkehrenden Tarantino-Darstellern.
