Die UFA in Inglourious Basterds: Was Hicox erklärt und was der Film zitiert

Inglourious Basterds macht die Geschichte des deutschen Kinos zu nützlichem Wissen für eine Militäroperation. Dieses Netz aus Verweisen verteilt sich auf Gespräche, Musik und Auftritte; es steckt nicht in einem einzigen von Hicox vorgetragenen Katalog.

Was Hicox seinen Vorgesetzten erklärt

Archie Hicox stellt sich als Filmkritiker vor, bevor er seinen Auftrag erhält. Seine Erfahrung mit dem deutschen Kino erklärt, warum er sich bei einer Operation im Umfeld einer Gala der Filmbranche zurechtfinden kann. Im Gespräch mit seinen Vorgesetzten soll er erklären, wie die UFA unter Goebbels funktioniert. Die Figur ordnet die Filmproduktion in die Kulturstrategie des Regimes ein, statt einfach eine Reihe von Schauspielernamen herunterzubeten, um sein Gedächtnis unter Beweis zu stellen.

Die Szene führt zu einem Verständnis von Propaganda, das Unterhaltung, Prestige und industriellen Wettbewerb umfasst. Hicox beschreibt, wie Goebbels seine Filme im Verhältnis zum früheren Kino und zu Hollywood sieht. Die antisemitische Wortwahl in dieser Erklärung gehört zur Ideologie, die die Figur schildert. Sie darf nicht als objektive Charakterisierung des deutschen Kinos der 1920er-Jahre oder der US-amerikanischen Filmindustrie wiedergegeben werden. Die Bedeutung der Szene hängt davon ab, zu erkennen, wer diese Kategorien verwendet und zu welchem Zweck.

Der Vergleich mit Hollywood-Produzenten macht aus dem politischen Diskurs ein Gespräch über Produktionsmodelle und kulturellen Ehrgeiz. So wird dem Publikum verständlich, warum eine Premiere so viele Führungspersönlichkeiten zusammenbringen kann. Der Film stellt die Gala nicht als Unterhaltung dar, die nichts mit dem Krieg zu tun hat. Das Spektakel ist Teil der Art und Weise, wie die Machthaber gesehen werden und sich selbst sehen wollen. Hicox’ Informationen machen diese Konzentration von Prestige und Autorität zu einer Gelegenheit für die Operation.

Das Porträt von Archie Hicoxzeigt, wie sein früherer Beruf sein Auftreten als Spion beeinflusst. Hier genügt es, zwei Fähigkeiten auseinanderzuhalten: eine Branche zu kennen und glaubwürdig als jemand aufzutreten, der ganz selbstverständlich zu ihrem Umfeld gehört. Die erste hilft bei der Planung des Auftrags. Die zweite erfordert Gewohnheiten, Akzente und soziale Reaktionen, die man nicht allein durch das Ansehen von Filmen erwirbt. Das Drehbuch stellt beide Fähigkeiten nebeneinander, setzt sie aber nicht gleich.

Die UFA entstand nicht erst unter den Nationalsozialisten

Die Universum-Film AG wurde 1917 gegründet und blickte auf eine Geschichte zurück, die vor Hitlers Machtübernahme begann. Diese Einordnung verhindert, dass die UFA zeitlos mit NS-Propaganda gleichgesetzt wird. Während der Weimarer Republik war sie Teil einer Filmindustrie mit unterschiedlichen Genres, Stars und visuellen Ausdrucksformen. Unter dem NS-Regime wurde diese Industrie kontrolliert, von Ausgrenzung geprägt und umorganisiert. Von unternehmerischer Kontinuität zu sprechen, bedeutet nicht, den politischen und menschlichen Bruch zu übergehen, den die Verfolgung der Filmschaffenden verursachte.

Hicox’ Szene verdichtet diesen Prozess für einen erzählerischen Zweck. Sie soll weder eine Wirtschaftsgeschichte des Unternehmens ersetzen noch alle seine Eigentumsverhältnisse beschreiben. Innerhalb der Erzählung erklärt sie, welche Rolle Goebbels dem Kino zuweist. Wenn der Film einen Star oder ein Lied einführt, erinnern diese Elemente daran, dass Propaganda neben Komödien, Melodramen und Unterhaltung für ein breites Publikum existierte. Die Ideologie konnte sich durch die Auswahl dessen, was sichtbar war, und durch die Produktionsbedingungen ausdrücken, nicht nur in expliziten Reden.

Deshalb sollte man nicht alle erwähnten deutschen Filme so behandeln, als wären sie austauschbar. Erscheinungsjahr, Produktionsfirma, Genre und Werdegang der Mitwirkenden sind wichtig. Ein Werk aus der Zeit vor 1933 wird nicht dadurch zu einer NS-Produktion, dass es während der Besatzung erneut gezeigt wird. Umgekehrt reicht der scheinbar leichte Charakter eines Films nicht aus, um ihn von der vom Regime kontrollierten Industrie zu trennen. Die Unterscheidung zwischen Werk, Kontext und Verwendung verhindert Vereinfachungen, die das Mosaik der Verweise selbst infrage stellt.

Dass das Kino als organisierte Institution erscheint, verändert auch die Art des Konflikts. Die Figuren haben nicht nur mit Bildern zu tun: Sie sind auf Genehmigungen, Premieren, Ansehen und Menschen angewiesen, die darüber entscheiden, was gezeigt wird. Im Gespräch steht die UFA als Name für diese industrielle Größenordnung. Hicox’ Wissen ist nützlich, weil ein Kino zugleich ein Geschäft, eine politische Zeremonie und ein Treffpunkt für militärische Ziele sein kann.

Emil Jannings und Lilian Harvey sind keine Liste von Hicox

Emil Jannings wird im Umfeld der Gala erwähnt und von Hilmar Eichhorn gespielt. Sein Auftritt erfüllt eine andere Funktion als die Erläuterungen des britischen Offiziers: Er verleiht der Veranstaltung ein bekanntes Gesicht aus der Filmbranche. Der historische Schauspieler und die Figur, die ihn darstellt, dürfen nicht verwechselt werden; außerdem beweist der Auftritt nicht, dass eine fiktive Premiere tatsächlich stattgefunden hätte. Tarantino fügt eine reale Person in eine erfundene Situation ein, wie bei anderen Persönlichkeiten aus Politik und Kultur.

Lilian Harvey gehört zu einem anderen Komplex von Verweisen, der mit dem Musikfilm und Erwähnungen seiner Stars verbunden ist. Es wäre falsch, ihren Namen und den von Jannings als einen Katalog darzustellen, den Hicox aufsagt, um eine Wissensprobe zu bestehen. Der Film verteilt das Wissen über die Kinogeschichte auf verschiedene Sprecher und Klangelemente. Alles in eine einzige Rede zu packen, wäre zwar eine schnelle Erklärung, würde aber die tatsächliche Struktur des Films verändern.

Das gilt auch für weitere Namen und Titel, die in Dialogen oder auf Plakaten auftauchen. Der Verweis auf Der weiße Rausch und die kulturelle Präsenz von Zarah Leandererfordern, das jeweils konkret untersuchte Element zu bestimmen. Ein Plakat hat nicht denselben Stellenwert wie eine historische Aussage eines Erzählers, und ein Lied, das in einem Lokal zu hören ist, macht die dort anwesende Figur nicht automatisch zum Fan der Interpretin.

Die Vorführung von Stolz der Nationführt diese Industrie und ihr Führungspublikum schließlich zusammen. Der Weg von Hicox’ Gespräch bis zur Gala macht verständlich, warum die Operation auf ein kulturelles Ereignis mit großer Machtfülle zielt. Die realen Verweise verleihen dieser Welt Tiefe; die Fiktion ordnet ihre Beziehungen neu. Sie präzise zu lesen bedeutet, festzuhalten, wer spricht, wo welcher Name auftaucht und welche Funktion er erfüllt, statt filmisches Wissen in eine Sammlung falsch zugeordneter Fakten zu verwandeln.

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