Zarah Leander in Inglourious Basterds: eine Stimme in der Taverne

Zarah Leander ist durch ein Lied im Film präsent. Sie verkörpert keine Figur von Tarantino, und diese akustische Präsenz darf nicht mit einem Gespräch Goebbels’ über sie verwechselt werden.

Eine Sängerin auf dem Soundtrack

Der konkrete Bezug zwischen Zarah Leander und Inglourious Basterds ist die Verwendung von „Davon geht die Welt nicht unter“. Ihre Stimme ist in der Atmosphäre der Taverne La Louisiane zu hören. Das Lied ist auch auf dem Soundtrack-Album enthalten. Diese nachweisbare Präsenz ist etwas anderes als die Behauptung, Goebbels und Zoller führten ein bestimmtes Gespräch über die Schauspielerin.

Der Titel lässt sich ungefähr mit „Die Welt geht davon nicht unter“ übersetzen. Das Lied steht in Verbindung mit Die große Liebe, dem deutschen Film von 1942 mit Leander in der Hauptrolle. Diese Herkunft zu erkennen, hilft zu verstehen, dass die Aufnahme zur Musik- und Filmkultur der dargestellten Zeit gehört – anders als andere anachronistische Musikstücke auf dem Soundtrack.

Leander war eine reale Sängerin und Schauspielerin. In Tarantinos Film wird sie nicht von einer anderen Darstellerin als Figur verkörpert, die die Taverne betritt oder mit den Hauptfiguren spricht. Was in diesem Raum zu hören ist, ist ihre Aufnahme. Diese Ebenen auseinanderzuhalten, verhindert, der historischen Person fiktive Handlungen, Meinungen oder Beziehungen zuzuschreiben.

Das Lied als Teil eines geselligen Abends

Die Musik trägt dazu bei, den Ort als einen Raum zu gestalten, in dem Soldaten trinken, spielen und sich die Zeit vertreiben. Diese alltägliche Geselligkeit ist nötig, damit das Treffen der Infiltratoren in einer scheinbar gewöhnlichen Beschäftigung verborgen bleiben kann. Das Lied kündigt die geheime Mission nicht offen an und erklärt den übrigen Figuren auch nicht, worum es geht.

Seine Einbettung in die Atmosphäre unterscheidet sich vom Einsatz einer Filmmusik, die nur das Publikum hört. Eine Aufnahme, die zum Alltag des Lokals gehört, kann weiterlaufen, während Gespräche an den einzelnen Tischen unterschiedliche Bedeutungen annehmen. Die Anwesenden hören dieselbe Musik, verfügen aber nicht über dieselben Informationen. Die scheinbare Vertrautheit der Musik geht mit einer zunehmend unsicheren Lage einher.

Der beruhigende Sinn des Titels wirkt ironisch, wenn man bedenkt, dass die Gewalt am Ende auch die Taverne erreicht. Es ist weder nötig, den Liedtext wiederzugeben, noch muss man ihn zu einer detaillierten Prophezeiung machen. Der Widerspruch zwischen Unterhaltung und Gefahr genügt, um zu erkennen, wie alltägliche Musik durch den Kontext, in dem sie erklingt, beunruhigend werden kann.

Man sollte auch nicht annehmen, dass alle Figuren dem Lied bewusst Aufmerksamkeit schenken. Hintergrundmusik kann auf das Publikum wirken, während sie für die Gesprächenden in den Hintergrund tritt. So kann der Klang zur Atmosphäre beitragen, ohne dass ausdrückliche Reaktionen oder Dialoge nötig sind, die ihn kommentieren.

Leander singt das Lied; als Komponisten werden Michael Jary und Bruno Balz genannt. Sängerin, Komponisten und Figur auseinanderzuhalten, hilft, die Aufnahme einzuordnen, ohne der Interpretin die Urheberschaft an allen ihren Bestandteilen zuzuschreiben.

Die aufgezeichnete Stimme hat noch eine weitere Besonderheit: Sie kann im Raum präsent sein, ohne dass die Sängerin Einfluss auf die Situation hat, in der sie abgespielt wird. Der Film greift auf ein kulturelles Gut zurück, das im Umlauf ist, und platziert es zwischen fiktiven Figuren. Dadurch wird Leander weder zur Zeugin der Begegnung noch lässt sich ihr eine Reaktion auf das Kommende zuschreiben. Die akustische Präsenz ist materiell und konkret, entspricht aber keiner persönlichen Beteiligung an der Handlung.

Das Lied trägt auch dazu bei, den gewöhnlichen Betrieb des Lokals von dem außergewöhnlichen Treffen zu unterscheiden, von dem das Publikum weiß. Für die feiernden Soldaten gehört die Musik zum Abend. Für die Infiltratoren schafft derselbe Abend Hindernisse und Gelegenheiten: Er bietet gesellschaftliche Tarnung, füllt den Ort aber zugleich mit Blicken und möglichen Unterbrechungen. Das Lied trägt dazu bei, dass die Gefahr nicht in einem leeren Raum auftaucht, der nur für Spione geschaffen wurde. Die Mission muss neben Menschen bestehen, die aus eigenen Gründen zuhören, trinken und spielen. Diese alltägliche Fülle macht die Vorstellung brüchiger, die Hauptfiguren könnten die Situation nach Belieben lenken.

Der Bezug zur Filmindustrie des Regimes

Die Herkunft von Die große Liebe verbindet die Aufnahme mit einer Filmindustrie, die unter der Kontrolle des NS-Regimes stand. Diese historische Beziehung muss präzise eingeordnet werden: Ein Lied, eine Produktion und die gesamte Karriere einer Künstlerin sind nicht dasselbe. Die Aufnahme des Liedes in Inglourious Basterds ist für sich genommen weder eine Biografie Leanders noch eine umfassende Bewertung ihrer persönlichen Entscheidungen.

Der Film greift mehrere Namen und Werke des deutschen Kinos auf, doch sie müssen einzeln zugeordnet werden. Ein realer Bezug zu einer anderen Schauspielerin beweist nicht, dass von Leander die Rede ist. Ebenso begründet die Präsenz von Fredrick Zoller als fiktivem Propagandastar keine erfundene persönliche Beziehung zur historischen Sängerin.

Die treffendste Einordnung konzentriert sich auf das Hörbare. Eine wiedererkennbare Stimme aus dem Kino jener Zeit verleiht dem Treiben in der Taverne einen spezifischen kulturellen Rahmen. Das heutige Publikum kann diese Aufnahme vor dem Hintergrund ihres Kontexts hören und zugleich der Handlung eines Treffens folgen, bei dem fast alle versuchen, eine Rolle zu spielen. Das Lied gehört zu jener Welt normaler Fassaden, die durch die Gespräche ins Wanken gerät.

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