Raquel, gespielt von Julia Sweeney in Pulp Fiction, ist Monster Joes Tochter. Sie erscheint auf dem Schrottplatz am Ende von Mr. Wolfs Einsatz und ist beim Abschied von Jules und Vincent dabei. Mit ihrer Präsenz kommt eine Gesprächspartnerin ins Spiel, die sich an diesem Ort wohlfühlt und mit den Besuchern scherzen kann.
Wolfe stellt sie vor und kündigt an, mit ihr frühstücken zu gehen. Sie kommentiert die Kleidung der beiden Auftragskiller und erwidert die Scherze des Mannes, der sie begleitet. In diesem kurzen Austausch zeigt sich ihre Vertrautheit: Raquel plaudert ungezwungen und findet Gelegenheiten für eine schlagfertige Antwort, selbst wenn Wolfe das Gespräch scheinbar schon beendet hat.
Die Figur wird durch ihre Gesprächigkeit geprägt. Sie braucht keine lange Begegnung, um sich von denjenigen abzuheben, die wegen des Autos besorgt sind. Ihr Blick auf Jules’ und Vincents Erscheinung, ihre Antwort beim Abschied und ihre Reaktion auf Wolfe zeigen ihren direkten Humor. Die Szene lässt diese kleinen Entscheidungen erkennen, bevor die beiden gemeinsam aufbrechen.
Monster Joes Tochter und die Besucher
In Pulp Fiction (Quentin Tarantino, 1994) ist Raquel neben Mr. Wolf zu sehen, als Jules und Vincent darauf warten, dass bestätigt wird, dass die Angelegenheit erledigt ist. Wolfe stellt sie mit ihrem Namen vor. Sie begrüßt die beiden und kommentiert sofort ihr Aussehen – damit lenkt sie das Gespräch auf ein Thema, bei dem sie ihren Humor einbringen kann.
Schon vor ihrer Ankunft hatte Wolfe Raquel als Tochter von Monster Joe bezeichnet. Bei der Vorstellung auf dem Schrottplatz von Monster Joe fügt er hinzu, dass der Ort eines Tages ihr gehören wird. Damit erhält sie eine Stellung innerhalb dieses Raums: Sie gehört zur Familie des Besitzers, während Jules und Vincent als Besucher kommen. Ihr Vater ist nicht im Bild zu sehen.
Raquel fällt auf, dass die Auftragskiller nach der Autoreinigung T-Shirts und Shorts tragen. Sie scherzt, ob sie wohl Volleyball spielen gehen. Der Kommentar funktioniert, weil sie die beiden so wahrnimmt, wie sie vor ihr stehen. Das Publikum kennt den Grund für ihre Kleidung; Raquel nutzt ihren Auftritt, um sie mit einem leichten Spott zu begrüßen.
Ihre Bemerkung zeigt, dass sie sofort ungezwungen mit ihnen umgeht. Sie hat sie gerade erst auf der Leinwand kennengelernt und macht sie schon zum Gegenstand ihres Scherzes. Die beiden, die einen Großteil des Morgens damit verbracht haben, die Kontrolle zurückzugewinnen, sehen sich nun einem Blick ausgesetzt, der sie nicht besonders ernst nimmt. Raquel kann sie einfach als zwei auffällig gekleidete Männer behandeln.
Wolfe lacht über den Kommentar. Seine Reaktion knüpft an Raquels Bemerkung an und zeigt, dass die beiden denselben Scherz teilen. Die förmliche Vorstellung ist schnell vorbei: Das Gespräch wird bald ungezwungen, und Raquel entscheidet mit, was gerade Aufmerksamkeit verdient.
Wie sie Wolfe antwortet
Der Umgang mit Winston Wolfe lässt eine weitere Seite ihrer Ungezwungenheit erkennen. Er kündigt an, mit Raquel frühstücken zu gehen, und schlägt dabei einen galanten Ton an. Ihre Vertrautheit und die Schlagfertigkeit ihrer Antworten lassen die Begegnung wie einen kurzen Flirt wirken. Ihr konkreter gemeinsamer Plan ist, nach dem Besuch auf dem Schrottplatz zusammen auszugehen.
Raquel beteiligt sich auch, als Wolfe die Dankbarkeit erwähnt, die Jules und Vincent ihm gerade entgegengebracht haben. Er verbindet den Respekt vor älteren Menschen mit einer moralischen Tugend, und sie schreibt sich diese Tugend selbst zu. Ihre Antwort bringt einen kleinen Einwand in einen Satz ein, der zunächst nur wie eine Belehrung klang.
Wolfe greift daraufhin das Wortspiel zwischen einer auffälligen Persönlichkeit und einem guten Charakter auf. Raquel lacht über seine Erwiderung. Das Gespräch bleibt spielerisch: Sie behauptet etwas über sich selbst, und er relativiert es mit einem Scherz. Mit Raquel hat Wolfe eine Gesprächspartnerin, die gern kontert – in einer Situation, in der sich der Austausch auch einfach aus Spaß verlängern lässt.
Als Wolfe fragt, wo die beiden anderen Männer wohnen, bietet er an, sie unterwegs abzusetzen. Ihre Antworten bringen ihn davon ab. Raquel bleibt bei ihrem Plan, mit ihm frühstücken zu gehen, und fährt in seinem Auto mit. Jules und Vincent kümmern sich um ihre eigene Abreise.
Beim Abschied gibt es einen Scherz, der auf Raquels Namen beruht. Wolfe fordert sie auf, sich zu verabschieden, und spricht sie dabei mit ihrem Namen an. Raquel antwortet, als gehöre dieser Name zu dem, was sie sagen soll. Die Aufforderung erfüllt weiterhin ihren praktischen Zweck, doch sie nimmt sie wörtlich und macht daraus ein Wortspiel.
Ihre Erwiderung ist kurz und fällt mitten in ein Gespräch, das sich bereits auf den Wagen zubewegt. Niemand muss anhalten, um das Missverständnis zu erklären. So kann Raquel den Abschluss mit einer eigenen Bemerkung mitgestalten, nachdem sie vorgestellt wurde und die Kleidung der Besucher kommentiert hat.
Man kann darin ein Einverständnis mit Wolfe sehen: Sie greift seine Formulierung auf und verändert deren Bedeutung. Der Austausch vermittelt Vertrautheit durch eine konkrete Antwort. Sweeneys Darstellung macht diesen Ton erkennbar, ohne dass zuvor erklärt werden müsste, wie lange die beiden sich schon kennen oder welche gemeinsame Geschichte sie außerhalb der Szene haben.
