Beim Überfall im Diner in Pulp Fiction treffen Pumpkin und Honey Bunny beim Frühstück auf Jules. Zunächst geht es um die Brieftaschen der Gäste, doch die Forderung, den Koffer herauszugeben, führt zu einer anderen Reaktion. Schließlich richtet Jules seine Waffe auf Pumpkin, während Honey Bunny droht, ihn zu erschießen, falls er ihrem Freund etwas antut. Als Vincent dazukommt, bleibt die Möglichkeit eines Massakers bestehen.
Der Ausweg besteht in einem konkreten Zugeständnis. Jules erlaubt Pumpkin, das Geld aus seiner Brieftasche zu behalten und das Restaurant mit Honey Bunny zu verlassen, während er selbst die Brieftasche zurückbekommt und den Koffer behält. Das Paar kommt lebend davon, anschließend gehen auch die beiden Killer. Um diesen Ausgang zu verstehen, muss man die Wendungen des Austauschs verfolgen: Was der Räuber fordert, worauf Jules zu verzichten bereit ist und wie die jeweiligen Begleiter reagieren. Während des Gesprächs bleiben die Waffen im Spiel; die Vereinbarung wird erst eingehalten, als die Figuren aufhören, sich gegenseitig zu bedrohen, und das Lokal verlassen können.
Beim Überfall im Restaurant in Pulp Fiction (Quentin Tarantino, 1994) gibt Jules zunächst seine Brieftasche ab. Widerstand regt sich, als Pumpkin sich für den Koffer interessiert. Dieser Unterschied bestimmt die anschließenden Verhandlungen: Das persönliche Geld kann in die Hände des Räubers gelangen, doch Jules weigert sich, den Gegenstand zu verlieren, den er im Auftrag von Marsellus transportiert.
Der Koffer verändert den Überfall
Pumpkin sammelt gerade die Wertsachen der Gäste ein, als er zu Jules kommt. Bis dahin geht es um Geld und Brieftaschen. Die Frage nach dem Koffer eröffnet innerhalb dieser gemeinsamen Situation einen besonderen Konflikt. Jules erklärt später, dass der Koffer ihm nicht gehört. Seine Weigerung setzt eine Grenze, auf die Pumpkin mit Drohungen reagiert, weil er weiterhin darauf vertraut, das Geforderte zu bekommen.
Schließlich öffnet Jules den Koffer. Der Film zeigt die bewundernde Reaktion des Räubers und das Licht, das den Koffer erhellt, verrät aber nicht, was sich darin befindet. Für diese Szene genügt es festzustellen, dass Pumpkin ihn mitnehmen will. Als Jules ihn mit vorgehaltener Waffe festhält, hängt der Mann, der zuvor seine Forderungen durchgesetzt hatte, davon ab, was dieser Gast nun tut.
Die Gefahr weitet sich sofort auf Honey Bunny aus. Ihr Freund wird bedroht, und sie richtet ihre Waffe auf Jules. Die Spannung des Mexican Standoff entsteht hier durch die Drohungen, die sich die Anwesenden gegenseitig entgegenbringen. Pumpkin überwältigt zu haben, löst den Konflikt nicht: Honey Bunnys Reaktion kann jeden Versuch vereiteln, die Situation ohne Schüsse zu beenden.
Honey Bunny und Vincent mischen sich in die Verhandlungen ein
Die Beziehung zwischen Pumpkin und Honey Bunny wird unmittelbar bedeutsam. Sie fordert, dass man ihn freilässt; er muss mit ihr sprechen, während er weiterhin bedroht wird. Jules wendet sich an beide und bittet Pumpkin, ihr dabei zu helfen, sich zu beruhigen. So fließt auch die Sorge des Paares in das Gespräch ein, zusammenzubleiben und die Konfrontation zu überleben.
Als Pumpkin sich Jules gegenübersetzt, ändert sich auch das Tempo des Austauschs. Der Überfall war mit Befehlen an die Gäste vorangeschritten; nun verweilt die Szene bei einem längeren Gespräch. Honey Bunny mischt sich weiterhin von außerhalb des Tisches ein. Ihre Aufregung lässt es nicht zu, die Unterhaltung der beiden Männer als abgeschlossene Vereinbarung zwischen ihnen zu betrachten: Auch sie muss verstehen, dass sie gehen können.
Mit Vincents Ankunft ist eine weitere bewaffnete Person an der Konfrontation beteiligt. Jules muss ihn zurückhalten und gleichzeitig weiter mit den Räubern sprechen. Vincent ist sein Partner, doch seine Anwesenheit garantiert nicht, dass beide die Situation auf dieselbe Weise lösen wollen. Dieser Unterschied wird deutlich, als Jules beschließt, auf Geld zu verzichten.
In diesem Abschnitt geht Jules’ Entschlossenheit damit einher, dafür zu sorgen, dass die anderen weiter zuhören. Er gibt den Koffer nicht auf und lässt Pumpkin auch nicht sofort frei. Doch er setzt seine Drohung ebenso wenig in die Tat um. Die Szene hält diesen Moment zwischen der Möglichkeit zu schießen und der Entscheidung, es zu tun, in die Länge. Honey Bunny und Vincent unterbrechen Jules und zwingen ihn, auf mehr als eine Person zu reagieren.
Die Brieftasche, die 1.500 Dollar und der Ausweg
Jules fordert Pumpkin auf, seine Brieftasche unter den eingesammelten zu suchen. Die Aufschrift macht Jules’ Brieftasche unter den anderen erkennbar. Als er sie gefunden hat, nimmt der Räuber das Bargeld heraus und zählt es: etwa 1.500 Dollar. Jules erlaubt ihm, das Geld zu behalten. Der Besitzer bekommt seine Brieftasche zurück, nimmt aber in Kauf, dieses Geld zu verlieren, um die Konfrontation zu beenden.
Das Geld gehört Jules und ist von der übrigen Beute aus dem Restaurant zu unterscheiden. Mit seinem Zugeständnis ermöglicht er Pumpkin, mit Geld davonzukommen, obwohl dieser nicht mehr alle seine Forderungen durchsetzen kann. Der Koffer ist von diesem Zugeständnis ausgenommen. Die Szene macht nachvollziehbar, was den Besitzer wechselt, ohne das Geheimnis um den Inhalt zu lüften, der den Streit ausgelöst hat.
Vincent protestiert gegen die Übergabe und bedroht den Räuber erneut. Jules Winnfield unterbricht ihn und bleibt bei seiner Entscheidung, Pumpkin mit dem Geld gehen zu lassen. Die Meinungsverschiedenheit zwischen den Partnern ist das letzte Hindernis für die Einigung: Jules muss auch denjenigen zurückhalten, der gekommen ist, um ihn zu unterstützen.
Anschließend zitiert Jules die Bibelstelle, die er vor dem Töten gewöhnlich aufzusagen pflegte, und überdenkt ihre Bedeutung. Im Zusammenhang mit dem Überfall lässt diese Rede Pumpkin weiter warten und erklärt, warum Jules ihn diesmal gehen lassen wird. Die Veränderung zeigt sich schließlich in einer Handlung: Jules senkt die Waffe und lässt die beiden gehen.
Pumpkin legt die Brieftasche auf den Tisch, geht zu Honey Bunny, und beide verlassen das Restaurant. Jules und Vincent gehen anschließend mit dem Koffer. Der Konflikt, der das Ende von Pulp Fiction bestimmt, wird ohne Schüsse gelöst: Das Paar behält das Geld, Jules behält den Gegenstand, den er beschützen wollte, und keiner der vier setzt die Drohungen der Konfrontation in die Tat um.
Die Angestellten und die übrigen Gäste bleiben während des Austauschs im Restaurant. Ihre Anwesenheit macht deutlich, dass der Überfall mehr Menschen betrifft als die vier, auf die sich das Gespräch konzentriert. Das Geld, das Pumpkin eingesammelt hat, stammt nicht nur von Jules. Als Jules zustimmt, das Paar gehen zu lassen, entscheidet er über seine eigene Reaktion auf den Raub; die übrigen Anwesenden mussten dieselbe Situation ertragen, ohne über die Bedingungen dieser Vereinbarung mitbestimmen zu können.
Tim Roth wechselt von den Befehlen, mit denen Pumpkin den Überfall dirigiert, zu den knappen Antworten eines Mannes, der darauf wartet, gehen zu können. Amanda Plummer vermittelt Honey Bunnys Angst um ihren Freund durch ihre Unterbrechungen und ihre hastige Atmung. Ihnen gegenüber wechselt Samuel L. Jackson zwischen kurzen Anweisungen und ausführlichen Erklärungen. Diese unterschiedlichen Rhythmen machen die Reaktionen der Einzelnen deutlich: Pumpkin beginnt zuzuhören, Honey Bunny mischt sich weiter ein, und Jules hält die längste Rede, bevor er den Rückzug ermöglicht.
