Pulp Fiction: Das Ende erklärt – das Restaurant und das Schicksal der Figuren

Pulp Fiction endet mit der Rückkehr ins Restaurant, in dem Pumpkin und Honey Bunny versuchen, die Gäste auszurauben. Jules löst die Konfrontation, ohne sie zu töten, und geht anschließend mit Vincent hinaus. Diese Szene spielt vor anderen Ereignissen, die der Film bereits gezeigt hat. Das chronologisch spätere Ereignis ist die Abfahrt von Butch und Fabienne auf Zeds Motorrad.

Dieser Unterschied erklärt, warum Vincent am Ende lebend zu sehen ist, obwohl er in einem früheren Abschnitt der Erzählung gestorben ist. Sein Auftritt im Restaurant gehört zu einem früheren Zeitpunkt der Handlung. Die Reihenfolge der Szenen ermöglicht es, sich gemeinsam mit Jules von ihm zu verabschieden, obwohl das Publikum sein Schicksal bereits kennt.

Der Schluss macht auch eine sichtbare Konsequenz von Jules’ Entscheidung deutlich: Er kann eine bedrohliche Situation beenden, ohne die Menschen vor ihm hinzurichten. Er kündigt an, seinen Beruf aufgeben zu wollen, aber der Film zeigt nicht sein ganzes späteres Leben. Um das Ende zu verstehen, muss man zwischen den Handlungen unterscheiden, die einzelne Konflikte abschließen, und den Möglichkeiten, die danach offenbleiben.

Der letzte Abschnitt der Erzählung ist nicht der letzte in chronologischer Reihenfolge

Das Ende greift das Frühstück von Pumpkin und Honey Bunny wieder auf, dem Paar aus der Eröffnungsszene. Bei der Rückkehr ins Restaurant zeigt Pulp Fiction – Quentin Tarantino, 1994 –, wie ihr Raubüberfall Jules und Vincent erreicht. Das Publikum kennt die beiden Gäste inzwischen und weiß, was sie erlebt haben, bevor sie sich zum Essen hingesetzt haben. Die Situation erhält dadurch einen Kontext, den sie zu Beginn des Films noch nicht hatte.

Janet Maslin wies in ihrer Kritik „Pulp Fiction“, die 1996 von Criterion erneut veröffentlicht wurde, auf die Umordnung der Episoden hin. Durch diese Reihenfolge muss der Abschied von einer Figur innerhalb der Erzählung nicht mit dem zeitlich spätesten Punkt ihrer Geschichte zusammenfallen.

Die zirkuläre Struktur im Restaurant greift eine unterbrochene Situation wieder auf und führt sie zu einem Abschluss. Das Ende beantwortet die Frage, was aus dem Raubüberfall wird, und zeigt zugleich, wie Jules eine persönliche Entscheidung umsetzt. Für den Schluss hebt sich der Film eine Handlung auf, die den Umgang zwischen Menschen verändert, die einander töten könnten. Deshalb kann sie als Abschluss funktionieren, auch wenn sie nicht das zeitlich späteste Ereignis ist.

In der chronologischen Reihenfolge von Pulp Fiction liegt das Frühstück vor Vincents Tod und der Abfahrt von Butch und Fabienne. Die Erzählung endet mit einem früheren Zeitpunkt, weil sie ihre Geschichten in Episoden angeordnet hat. Es gibt weder eine Wiederauferstehung noch eine Szene, die das Geschehen in Butchs Wohnung ungeschehen macht: Die Information über Vincents Tod bleibt gültig, wenn wir ihn wieder beim Frühstück sehen.

Was Jules im Restaurant klärt

Jules kommt mit der Absicht, sein Leben zu ändern, in das Gespräch mit Vincent. Seine Entscheidung wird sofort auf die Probe gestellt: Die Räuber bedrohen ihn, und der Koffer wird Teil des Konflikts. Jules kann sich verteidigen und ist in der Lage, eine gewaltsame Reaktion durchzusetzen. Der Schluss ist deshalb interessant, weil er zeigt, für welches Verhalten Jules sich entscheidet, als sein Vorhaben nicht mehr nur eine Erklärung ist.

Während des Raubüberfalls von Pumpkin und Honey Bunny behält Jules den Koffer unter Kontrolle und ist bereit, Geld herauszugeben, damit die Konfrontation ohne Blutvergießen endet. Das Paar kommt lebend davon. Die Lösung macht den Raubüberfall für niemanden zu einem vollständigen Sieg: Jules schützt seine Beute, die Räuber verlassen den Ort und die Beteiligten setzen die Drohungen, die sie ausgesprochen haben, nicht in die Tat um.

Die Veränderung zeigt sich innerhalb dieser Szene. Jules hat Gewalt als Teil seiner Arbeit ausgeübt; nun sucht er nach einem Ausweg, bei dem die Menschen, die ihn in Gefahr gebracht haben, am Leben bleiben. Dieser Gegensatz verleiht der Entscheidung von Jules, sein Leben als Auftragskiller aufzugeben eine konkrete Form. Der Film zeigt in einem bestimmten Moment eine andere Entscheidung, entwickelt aber keine spätere Lebensgeschichte, die belegen würde, wie Jules an diesem Vorsatz festhält.

Dass Jules mit Vincent das Restaurant verlässt, bewahrt außerdem ihre Verbindung als Kollegen. Sie haben gemeinsam gearbeitet und eine Krise durchlebt, deuten das Geschehene aber unterschiedlich. Ihre letzte gemeinsame Handlung kann ihren Part in der Erzählung abschließen, ohne diesen Unterschied aufzulösen. Dem Publikum bleiben Jules’ Entscheidung und das Wissen, dass Vincents Zukunft einen anderen Verlauf nehmen wird.

Welche Schicksale feststehen

Vincent wird von Butch getötet – in der Wohnung, in die Butch wegen seiner Uhr zurückkehrt. Dieser Tod ereignet sich nach dem Frühstück, auch wenn der Film ihn zeigt, bevor er zum Frühstück zurückkehrt. Sein Auftritt in der letzten Szene zeigt einen früheren Abschnitt seines Lebens. Das Ende lässt uns den Kollegen erkennen, der mit Jules hinausgeht, und zugleich daran denken, dass dieser Aufbruch nicht sein endgültiges Schicksal ist.

Butch und Fabienne fahren gemeinsam davon – auf Zeds Motorrad. Das ist der chronologisch späteste Abschluss der Haupthandlungen, die der Film zeigt. Die beiden haben nach Butchs Konflikt mit Marsellus wieder zueinandergefunden und können aufbrechen. Ihre Abfahrt löst ihr unmittelbares Bedürfnis zu fliehen sichtbar ein; der Film erzählt jedoch nicht, wo sie später leben oder was außerhalb dieser Fahrt aus dem Paar wird.

Marsellus überlebt und lässt Butch gehen, nachdem dieser zurückgekehrt ist, um ihm im Laden zu helfen. Die Vereinbarung ersetzt die vorherige Verfolgung durch eine Trennung unter bestimmten Bedingungen. Für die beiden Figuren ist damit ein Abschluss erreicht: Die Feindschaft, die Butch in Gefahr gebracht hatte, steht seiner Abreise nicht länger im Weg. Der Film zeigt diese konkrete Einigung, ohne daraus eine umfassende Veränderung Marsellus’ zu machen.

Mia überlebt die Überdosis und ihr Ausflug mit Vincent endet mit der Vereinbarung, über das Geschehene zu schweigen. Ihr Handlungsabschnitt löst einen Notfall und führt beide zurück in eine Beziehung, die von dem geprägt ist, was sie Marsellus nicht erzählen wollen. Die Rückkehr ins Restaurant fügt ihrem Schicksal nichts hinzu: Das Frühstück findet vor dem Treffen statt. Ihr Überleben wird gezeigt; eine neue spätere Phase ihres Liebes- oder Familienlebens gehört nicht zur Erzählung.

Die geliehene Kleidung, die Jules und Vincent im Restaurant tragen, verbindet das Frühstück mit der vorherigen Aufräumaktion bei Jimmie. Dieses Kontinuitätsdetail macht deutlich, woher sie kommen, ohne die Ereignisse jener Episode bei der Rückkehr an den Tisch erneut zu erzählen. Anders als in ihrem professionellen Auftritt in der Wohnung erscheinen sie nun als zwei Gäste in legerer Kleidung. Ihre Fähigkeit, in einer gefährlichen Situation einzugreifen, hängt nicht davon ab, dass sie dieses Erscheinungsbild bewahren.

Auch der Koffer hilft dabei, die Lösung des Konflikts von der Erklärung aller Gegenstände zu unterscheiden. Er bleibt in Jules’ und Vincents Besitz, sein Inhalt wird jedoch nicht enthüllt. Um zu verstehen, wie die Situation im Restaurant endet, reicht es zu wissen, dass Jules den Koffer behalten und verhindern will, dass die Bedrohung weitere Todesopfer fordert. Die Szene kann diesen Streit beenden, ohne zu verraten, was sich im Koffer befindet: Entscheidend sind die Entscheidungen der Anwesenden, nicht eine Auflösung des Rätsels um den Gegenstand.