Marsellus Wallace in Pulp Fiction: Wie er Macht ausübt

Marsellus Wallace, gespielt von Ving Rhames in Pulp Fiction, organisiert einen großen Teil der Arbeit, die die anderen Figuren erledigen. Jules und Vincent holen einen Koffer für ihn zurück; Butch nimmt sein Geld an, um einen Kampf zu verlieren; Mr. Wolf reagiert auf seinen Anruf. Seine Stellung zeigt sich in den Verpflichtungen, die die anderen anerkennen, selbst wenn er nicht anwesend ist.

Zunächst lernt man seine Art zu sprechen kennen, später die Schwierigkeiten, auf die er stößt, wenn er seine Entscheidungen durchsetzen will. Marsellus kann einem Mann erklären, wie er sich verhalten soll, und verfügt über Leute, die Aufträge ausführen. Diese Fähigkeit reicht nicht mehr aus, wenn jemand einen Befehl annimmt, um ihm nicht zu gehorchen, oder wenn eine unerwartete Begegnung ihn der Kontrolle anderer unterwirft.

Sein Weg mit Butch macht diesen Unterschied deutlich. Der kriminelle Geschäftsmann, der für eine Niederlage bezahlt, wird zu einem verwundeten Verfolger und ist schließlich auf die Hilfe des Mannes angewiesen, den er gejagt hat. Seine anschließende Reaktion zeigt, dass er weiterhin verhandeln kann, obwohl sich das Verhältnis bereits verändert hat.

Eine Stimme, die die Möglichkeiten des anderen bestimmen will

Beim ersten Gespräch zwischen Marsellus und Butch bleibt das Gesicht des Bosses außerhalb des Bildes. So richtet sich die Aufmerksamkeit auf seine Stimme und denjenigen, der ihr zuhören muss. Rhames spricht ruhig. Dass er sich Zeit nimmt, seine Argumentation auszuführen, vermittelt den Eindruck, dass er die Begegnung so lange ausdehnen kann, bis er die erwartete Antwort erhält.

Bei der Verhandlung über den abgesprochenen Kampf stellt Marsellus die Niederlage als vorteilhafte Entscheidung für einen Boxer am Ende seiner Karriere dar. Er nimmt für sich in Anspruch, beurteilen zu können, wie viel Zukunft diesem noch bleibt und wie wichtig ihm sein Stolz sein sollte. Das Geld begleitet eine Erklärung, die den Gehorsam gegenüber demjenigen, der es erhält, vernünftig erscheinen lassen soll.

Die Aufforderung, die Runde zu wiederholen, in der er zu Boden gehen soll, macht die Zustimmung hörbar. Marsellus will Butch den Befehl wiederholen hören. Der abschließende Beitrag von Words in Pictures vom Juli 1994 hält diesen Abschluss des Austauschs fest. Das Beharren kennzeichnet jemanden, der die Vereinbarung ausdrücklich bestätigt bekommen muss, auch wenn diese Bestätigung ihre Einhaltung nicht garantiert.

Die spätere Entwicklung zeigt eine Grenze dieser Methode. Butch kann seinen eigenen Plan verschweigen und so antworten, wie es erwartet wird. Marsellus erhält eine Gehorsamserklärung, deutet aber falsch, was sie ihm zu wissen erlaubt. Die Macht, Anweisungen zu geben, geht mit der Abhängigkeit von den Informationen einher, die andere ihm zeigen wollen.

Die Befehlsgewalt wirkt durch andere weiter

Jules und Vincents Ankunft in der Bar zeigt, wie der Zugang zum Boss geregelt wird. Paul empfängt sie, kommentiert ihre Kleidung und weist sie an zu warten, während Marsellus sein Gespräch mit Butch beendet. Das Warten ordnet die Hierarchie, ohne dass sie eigens verkündet werden muss: Erst müssen bestimmte Angelegenheiten abgeschlossen sein, bevor andere Mitarbeiter vorstellig werden können.

Die Wiederbeschaffung des Koffers gehört zu diesem System der Auftragsvergabe. Marsellus muss die Männer nicht begleiten, damit sein Interesse ihr Handeln bestimmt. Die Figuren sprechen über ihn, rechtfertigen Entscheidungen mit seinem Namen und betrachten Verstöße gegen Vereinbarungen als Gefahr. Seine Präsenz reicht über Erwartungen hinaus, die die anderen zu berücksichtigen gelernt haben.

Die Episode mit Vincent und Mia zeigt diese Autorität im Rahmen einer persönlichen Verpflichtung. Vincent muss die Frau des Bosses begleiten und versucht, während des Ausflugs gewisse Grenzen einzuhalten. Die Geschichten, die über Marsellus kursieren, verstärken seine Angst. Sein Ruf beeinflusst so das Verhalten, selbst wenn die Informationen, auf denen diese Einschätzung beruht, aus Gerüchten stammen.

Als Jules nach Marvins Tod Hilfe braucht, wendet sich Marsellus an Winston Wolf. Die berufliche Beziehung zwischen Marsellus und Mr. Wolf zeigt eine weitere Art der Machtausübung: jemanden ausfindig zu machen, der ein Problem lösen kann, und ihm das Eingreifen anzuvertrauen. Der Boss verfügt über Kontakte, ist aber auf die besondere Kompetenz eines anderen angewiesen.

Diese Beziehungen zeigen eine Macht, die sich durch Zusammenarbeit, Angst und Eigeninteresse behauptet. Die Mitarbeiter reagieren nicht alle gleich und nehmen nicht dieselben Positionen ein. Marsellus kann von Butch Gehorsam verlangen und Wolf um Hilfe bitten. Der unterschiedliche Umgang macht erkennbar, wie er sein Verhalten an die Ressource anpasst, die er benötigt.

Die Verfolgung legt die Verletzlichkeit des Bosses offen

Butchs Sieg macht aus einem gescheiterten Deal eine persönliche Jagd. Als die beiden sich auf der Straße begegnen, ist Marsellus nicht mehr nur der Name, der aus der Ferne eine Verfolgung in Gang setzt. Er wird von einem Auto angefahren, rappelt sich verletzt wieder auf und schießt auf den Boxer. Sein Körper ist denselben Zufällen ausgesetzt, die auch den Mann bedrohen, den er verfolgt.

Während der Verfolgung trifft er mit einem Schuss eine Frau, die mit dem Streit nichts zu tun hat. Die Szene zeigt, wie die Gewalt der Figur außerhalb eines kontrollierten Gesprächs zum Ausdruck kommt. Sein Entschluss, Butch zu fangen, bleibt bestehen, während die Umgebung unübersichtlich wird und andere Menschen unter den Folgen der Schüsse leiden.

Im Pfandleihhaus gelingt es Maynard und Zed, die beiden Männer zu überwältigen. Marsellus wird sexuell missbraucht und ist seinen Entführern ausgeliefert. Seine Stellung in der kriminellen Welt schützt ihn an diesem Ort nicht. Hilfe kommt von Butch, der zurückkehrt, obwohl er die Möglichkeit gehabt hätte zu fliehen.

Nachdem er befreit ist, ergreift Marsellus wieder das Wort, um festzulegen, was zwischen ihnen geschehen soll. Er erklärt den Konflikt für beendet – unter der Bedingung, dass Butch über das Erlebte schweigt und Los Angeles verlässt, ohne zurückzukehren. Der Waffenstillstand nach der Rettung zeigt, dass er weiterhin Bedingungen stellen muss, nun aber in einem Verhältnis, das sich durch die erhaltene Hilfe verändert hat.

Seine Reaktion auf Zed hält an der Absicht fest, sich zu rächen, während er Butch einen vereinbarten Ausweg ermöglicht. Dieser Unterschied lässt sich nicht auf einen einzigen Impuls reduzieren. Marsellus kann eine Schuld anerkennen, ohne auf die Sprache der Drohung zu verzichten. Bei der letzten Begegnung bestehen die eben erlebte Verletzlichkeit und der Wunsch, die Entscheidungsfähigkeit zurückzugewinnen, nebeneinander.

Rhames’ Darstellung trennt die Lautstärke der Stimme von der Autorität, die sie vermittelt. Im Umgang mit Butch kann er sprechen, ohne sich zu beeilen, weil er davon ausgeht, dass der andere weiter zuhört. Der Rhythmus seiner Sätze baut auf der Bereitschaft seines Gegenübers auf, zuzuhören. Zum Gehorsam gehört offenbar auch die Zeit, die man ihm widmen muss.

Als ihn das Geschehen auf der Straße einholt, verändern Atemnot, Schmerzen und Bewegungen seine Präsenz. Die Figur muss körperlich reagieren und kann die Begegnung nicht mehr mit einer langwierigen Erklärung gestalten. Die Verfolgung lässt zwei Arten des Eingreifens vergleichen: eine Situation aus sicherer Position zu lenken und sich dem zu stellen, was gerade außer Kontrolle geraten ist.

Nach seiner Rettung formuliert er weiterhin Bedingungen, obwohl er noch verletzt ist. Die verbale Rückgewinnung der Kontrolle erfolgt, bevor er sich körperlich vollständig erholt hat. Dieses Missverhältnis hält die Folgen des Angriffs im abschließenden Gespräch präsent. Der Waffenstillstand kommt so zwischen zwei Männern zustande, die von dem Erlebten gezeichnet sind.