Bunte Becher in Reservoir Dogs: ein unbestätigter Hinweis

Es lässt sich nicht als bestätigte Tatsache darstellen, dass ein Becher mit Stiften im Büro von Joe Cabot die Identität des eingeschleusten Polizisten in Reservoir Dogs verrät. Diese Behauptung verbindet eine Beschreibung der Requisiten mit einer Interpretation der Handlung. Weder die konkrete Anordnung der Gegenstände noch eine entsprechende Erklärung des Filmteams, die ihnen diese Funktion zuschreibt, wurden bestätigt. Daher wäre es ungenau, Farbe, Inhalt oder Position des vermeintlichen Bechers so zu beschreiben, als seien sie belegt.

Der Film verwendet tatsächlich Farbnamen als Decknamen für die Beteiligten des Überfalls. Das kann beim Publikum bestimmte Assoziationen wecken, macht aber nicht automatisch jeden farbigen Gegenstand zu einem Hinweis. Die Identität von Mr. Orange wird im Verlauf der Handlung enthüllt und lässt sich auch ohne diese Hypothese über die Ausstattung verstehen.

Ebenso wenig lässt sich behaupten, der Hinweis sei widerlegt, weil ein Drehbuch den Gegenstand nicht beschreibt. Der geschriebene Text und die Inszenierung enthalten nicht immer dieselben Details. Die Schlussfolgerung ist enger gefasst: Für diese Deutung des Bechers gibt es nicht genügend Belege, um sie als gesicherten Hinweis im Film zu behandeln.

Was dem vermeintlichen Becher zugeschrieben wird

Die Behauptung lautet, ein Stiftebehälter in Joes Büro kündige einen Verrat an. Um sie zu stützen, müsste zunächst das visuelle Detail belegt und anschließend der ihm zugeschriebene Zusammenhang mit der Handlung nachgewiesen werden. In diesem Fall liegt kein bestätigtes Bild vor, anhand dessen sich der beschriebene Ort und die Anordnung verifizieren ließen. Der Bildausschnitt lässt sich nicht rekonstruieren, indem man Farben oder Positionen hinzufügt, die nicht bestätigt wurden.

Die Assoziation liegt nahe, weil die Farbnamen tatsächlich eine ausdrücklich erkennbare Funktion haben: Joe verteilt sie als Decknamen, damit die Mitglieder der Gruppe möglichst wenig über die persönlichen Informationen der anderen erfahren. Dieses Verfahren gehört zum Dialog und zur Kennzeichnung der Figuren. Es auf den Inhalt seines Schreibtischs zu übertragen, erfordert einen zusätzlichen Zusammenhang, den die bloße Existenz der Spitznamen nicht herstellt.

Quentin Tarantinos Drehbuchentwurf vom 22. Oktober 1990, der bei IMSDb archiviert ist, kann zur Untersuchung der Vorstellung der Gruppe herangezogen werden. Er bestätigt jedoch nicht diese Deutung der Requisiten in der veröffentlichten Schnittfassung. Dass ein Gegenstand im Text nicht erwähnt wird, beweist auch nicht, dass er während der Dreharbeiten nicht zu sehen war. Das wäre eine weitergehende Schlussfolgerung, die über die verfügbaren Unterlagen hinausgeht.

Die Identität des eingeschleusten Polizisten hat eine andere erzählerische Grundlage

Der Film macht durch Handlungen und Dialoge deutlich, dass Mr. Orange Polizist ist. Die Enthüllung des eingeschleusten Polizisten verändert den Wissensstand des Publikums und verleiht den vorangegangenen Vorbereitungen Bedeutung. Diese Information hängt weder davon ab, dass man einen Behälter erkennt, noch davon, dass man im Büro einen Farbcode deutet. Die Geschichte bleibt verständlich, auch wenn dem Publikum kein Detail dieser Art aufgefallen ist.

Außerdem muss man unterscheiden, was das Publikum herausfindet und was Joe zu einem bestimmten Zeitpunkt weiß. Selbst wenn ein Ausstattungselement für das Publikum als Vorausdeutung gedeutet werden könnte, wäre damit nicht bewiesen, dass die Figur von der Unterwanderung wusste. Joe aufgrund eines Gegenstands in seinem Umfeld Wissen zuzuschreiben, würde eine zusätzliche Schlussfolgerung über die Handlung bedeuten, die auch die visuelle Hypothese nicht belegt.

Eine haltbare Formulierung muss daher eng gefasst bleiben: Es wird eine Deutung von Bechern und Stiften als Vorausdeutung vorgeschlagen, doch weder das beschriebene Detail noch eine entsprechende Absicht des Autors wurden bestätigt. Es gibt keine Grundlage dafür, Tarantino eine Erklärung zu diesem vermeintlichen Hinweis zuzuschreiben, ihn als Beweis für die Identität des Polizisten anzusehen oder daraus eine andere Szene zu machen, als der Film tatsächlich zeigt.

Das Wort Maulwurf bezeichnet hier den Polizisten, der sich unter die Beteiligten des Überfalls gemischt hat. Ihn als Verräter zu bezeichnen, übernimmt die Perspektive der Bande, die glaubt, mit einem anderen Kriminellen zusammenzuarbeiten. Beide Begriffe beschreiben dieselbe Position im Konflikt, drücken aber unterschiedliche Sichtweisen aus. Dieser Unterschied ist wichtig, wenn eine Deutung der Ausstattung einen Verrat ankündigen soll: Sie muss klären, an wen sich der vermeintliche Hinweis richtet und aus welchem Wissensstand heraus er gedeutet wird.

Der Deckname Mr. Orange kennzeichnet die Figur innerhalb der Gruppe; er beschreibt nicht alle Gegenstände, die mit ihr in Verbindung gebracht werden könnten. Wenn sich ein farblich passender Begriff in einem visuellen Element finden ließe, könnte man eine Assoziation vorschlagen. Für sich genommen würde das jedoch weder erklären, wann das Publikum sie erkennen soll, noch welche neue Information sie vermittelt. Die Frage nach den Bechern beschränkt sich auf diese konkrete Zuschreibung und ändert nichts an der Identität, die der Film im Verlauf seiner Handlung etabliert.