Morricone in Prag: Wie die Musik zu The Hateful Eight aufgenommen wurde

Das an der Aufnahme beteiligte Orchester war das Czech National Symphony Orchestra. Die korrekte Bezeichnung des Ensembles und die Unterscheidung zwischen den Prager Sessions und der Präsentation in Abbey Road machen die Entstehungsgeschichte des Soundtracks verständlicher.

Das Orchester hat einen eindeutigen Namen

Die Musik zu The Hateful Eight wurde in Prag mit dem Czech National Symphony Orchestra, dem Tschechischen Nationalen Symphonieorchester, aufgenommen. Es einfach als Prager Symphonieorchester zu bezeichnen, kann zu Verwechslungen mit anderen Ensembles der Stadt führen. In einem Bericht über die Aufnahme ist der Name der Mitwirkenden ein grundlegender Credit und kein austauschbares Detail.

Die zeitgenössische Berichterstattung von Radio Prague verortet die Sessions im Juli 2015 und hält die Beteiligung von Ennio Morricone sowie die geplante Anwesenheit von Quentin Tarantino fest. Auch im Archiv des Orchesters selbst ist die Zusammenarbeit dokumentiert. Diese Angaben helfen, die Arbeit einzuordnen, ohne einen detaillierten Tagesablauf mit Uhrzeiten, Takes und Gesprächen zu erfinden, der nicht belegt ist.

Morricone hatte bereits zuvor mit dem Ensemble gearbeitet. Diese frühere Zusammenarbeit lässt die Wahl als professionelle Kontinuität erscheinen, erlaubt aber keine Rekonstruktion der privaten Gründe für jede einzelne Entscheidung. Ein Orchester, das mit seiner Leitung vertraut war, konnte eine anspruchsvolle musikalische Sprache innerhalb eines konkreten Produktionsplans umsetzen. Die eingespielte Zusammenarbeit ist aussagekräftiger als die Vorstellung einer spontanen Begegnung zwischen Fremden.

Komponieren, Dirigieren und den Schnitt bestimmen sind unterschiedliche Aufgaben

Wenn der Komponist vor den Musikern steht, kommen Schreiben und Aufführen zusammen, doch die weiteren Schritte einer Filmmusikproduktion entfallen dadurch nicht. Die Partitur muss zunächst in eine aufgezeichnete Darbietung umgesetzt werden; anschließend wird dieses Material in einen Film eingefügt, in dem es mit Dialogen und Geräuschen zusammenwirkt. Die Musik auf dem Album und die Musik in den einzelnen Filmszenen sind nicht automatisch dasselbe Hörerlebnis.

Tarantino ist als Regisseur des Films beteiligt, nicht als Urheber der Orchestrierung. Seine Anwesenheit im Arbeitsprozess erlaubt es, von einer direkten Zusammenarbeit zu sprechen, rechtfertigt aber nicht, ihm konkrete technische Anweisungen zuzuschreiben, die keine Quelle dokumentiert. Ebenso bedeutet Morricones Leitung der Aufnahme nicht, dass er allein über jeden Einsatz und jedes Ende der Musik im endgültigen Schnitt entschieden hat.

Die Partitur zu The Hateful Eight verbindet eine neue musikalische Identität mit älterem Material, das im Film verwendet wird. Daher ist nicht jede Morricone zugeschriebene Musik den Prager Sessions zuzuordnen. Die Stücke aus Das Ding behalten ihre eigene Entstehungsgeschichte. Ein genauer Bericht muss zwischen der Neuaufnahme, der Auswahl aus dem Katalog und möglichen späteren Konzertaufführungen unterscheiden.

Das Ergebnis lässt sich auch nicht als automatische Nachahmung der Western von Sergio Leone beschreiben. Morricone erklärte, dass er für diesen Film diese musikalische Sprache nicht wiederholen wollte. Die Zusammenarbeit zielte auf ein anderes Werk ab, geprägt von Misstrauen und Beziehungen, die auf engem Raum gefangen sind. Das erklärt, warum die Musik nicht einfach große Abenteuerklänge über einer verschneiten Landschaft entfaltet.

In der damaligen Berichterstattung wird außerdem erwähnt, dass das Ensemble die Aufnahme mit seinen Konzertverpflichtungen vereinbaren musste. Diese Angabe ordnet die Arbeit in einen realen professionellen Alltag ein, in dem sich Termine überschneiden. Daraus muss keine Geschichte über eine Krise oder Improvisation gemacht werden: Es zeigt, dass die Session Teil einer organisierten Zusammenarbeit war.

Prag und Abbey Road waren nicht dieselbe Session

Im Dezember 2015 fand in Abbey Road eine Präsentation mit Aufnahme statt, bei der Morricone dasselbe Orchester dirigierte; Tarantino und Mitglieder der Besetzung waren ebenfalls anwesend. Die Unterlagen des Ensembles dokumentieren diese Begegnung und ihren Zusammenhang mit einer Vinylaufnahme. Dieses Bild aus London darf nicht in den Juli verlegt und nicht als Ort der gesamten Filmmusikaufnahme dargestellt werden.

Diese Unterscheidung ist besonders hilfreich, weil Werbebilder oft stärker verbreitet werden als Aufzeichnungen von den ersten Arbeitsschritten. Ein Video, in dem ein Regisseur den Musikern zuhört, bietet eine einprägsame und leicht wiedererkennbare Szene. Ohne Kontext kann sie die Erinnerung an die früheren Sessions verdrängen. Wer Datum und Ort auseinanderhält, vermeidet einen Bericht, in dem tatsächliche Ereignisse in die falsche Reihenfolge gebracht werden.

Das im Dezember 2015 veröffentlichte Decca-Album bildet eine weitere Etappe. Seine Titel und Fassungen gestalten ein Hörerlebnis, das Musik und Dialogausschnitte umfasst. Aus der Veröffentlichung lässt sich weder ableiten, wie viele Takes aufgenommen wurden, noch welche Teile einer Session unveröffentlicht blieben. Sie ist das ausgewählte und veröffentlichte Ergebnis, nicht die vollständige Dokumentation des Arbeitsprozesses.

Die verfügbaren Informationen belegen hier auch keine Liste der verwendeten Mikrofone, keine exakte Besetzung für jeden Aufnahmetag und keine Beschreibung der Mischpulteinstellungen. Solche Details in Anlehnung an andere Aufnahmen hinzuzufügen, würde einen falschen Eindruck davon vermitteln, was im Studio zugänglich war. Ein Bericht kann konkret sein, ohne sich in nicht dokumentierter Tontechnik zu verlieren: Er benennt die Beteiligten, den Ort, den Zeitraum und den Zusammenhang zwischen den einzelnen Etappen.

In Prag erhielt die geschriebene Musik eine für den Film bestimmte Interpretation. In Abbey Road wurde diese Zusammenarbeit öffentlich fortgesetzt, und das Album machte das Werk auch außerhalb des Kinosaals zugänglich. Wer diese drei Ebenen unterscheidet, kann die Arbeit von Morricone und Tarantinowürdigen, ohne die Entstehung, die Werbepräsentation und die endgültige Form des Hörerlebnisses zu verwechseln.

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