Die Musik aus The Thing in The Hateful Eight

The Hateful Eight enthält drei Stücke, die mit Morricones Musik für The Thing verbunden sind. Ihre Wiederverwendung bringt den Western dem Horror näher, doch sie muss von der neuen Filmmusik und der Veröffentlichungsgeschichte dieser Kompositionen unterschieden werden.

Welche drei Stücke vorkommen und woher sie stammen

In den Musikcredits von The Hateful Eight werden Eternity, Bestiality und Despair als Kompositionen von Ennio Morricone aus The Thing ausgewiesen, dem 1982 erschienenen Film von John Carpenter. Anhand dieser Angabe lässt sich das frühere Material von der Musik unterscheiden, die für Tarantinos Western geschrieben wurde. Es handelt sich weder um drei neue, von Carpenter für The Hateful Eight komponierte Stücke noch um einen vollständigen Soundtrack, der von einem Film in den anderen übernommen wurde.

Der Ausdruck „bisher unveröffentlichte Stücke“ ist ungenau. Ein Teil der für The Thing komponierten Musik wurde im Film nicht auf dieselbe Weise verwendet, war aber auf Tonträgern erhältlich. Eine Komposition kann in einem Film fehlen und dennoch seit Jahren auf einem Album verfügbar sein. Wer diese Umstände verwechselt, könnte den Eindruck gewinnen, Tarantino habe drei Aufnahmen entdeckt, die noch nie jemand gehört hat – doch die Veröffentlichungsgeschichte gibt das nicht her.

Auch die Originalaufnahmen sind von späteren Neueinspielungen zu unterscheiden. Es gibt Alben, die Musik aus The Thing nachbilden und Beiträge von Morricone mit Material von Carpenter und Alan Howarth zusammenführen. Wenn eine Veröffentlichung Stücke ankündigt, die in The Hateful Eight verwendet wurden, bedeutet das nicht automatisch, dass genau diese Aufnahme im Film zu hören ist. Titel und Urheber einer Komposition sowie die Herkunft des Masters hängen zusammen, sind aber nicht dasselbe.

Die drei Stücke sind nicht in derselben Form Teil des offiziellen Albums von The Hateful Eight, in der sie im Film ausgewiesen werden. Das kommerzielle Album stellt Musik, Lieder und Dialoge zu einem eigenen Hörerlebnis zusammen. Wer alle Klänge des Spielfilms sucht, findet sie deshalb möglicherweise nicht allein anhand der Titelliste des Albums. Dass ein Stück dort fehlt, widerspricht nicht seiner Nennung in den Filmcredits.

Der Horror zieht mit der Musik in den Western ein

Die Verbindung zum Kino von John Carpenter hat eine nachvollziehbare erzählerische Grundlage. The Thing und The Hateful Eight versammeln eine Gruppe, die durch eine eisige Umgebung von der Außenwelt abgeschnitten ist und mit einer Bedrohung leben muss, deren Identität unklar bleibt. Dieser Vergleich macht Domergues Bande nicht zu einer buchstäblichen Kreatur und behauptet auch nicht, dass beide Geschichten nach denselben Regeln funktionieren. Er beschreibt eine Struktur des Misstrauens, die die musikalische Nähe plausibel macht.

Eternity trägt zur Atmosphäre des Eingeschlossenseins und der Ausgesetztheit gegenüber der Außenwelt bei; Bestiality ist mit gewaltsamen Ausbrüchen verbunden, darunter die Wirkung des vergifteten Kaffees; Despair erklingt in der Schlussphase der Auseinandersetzung und der Verhandlungen. Anhand dieser Einsatzstellen lassen sich unterschiedliche Funktionen erkennen, ohne den Stücken jeweils eine einzige, festgelegte Emotion zuzuschreiben. Das Material wird in neue Handlungen eingebettet und erhält eine Bedeutung, die von den Figuren und Tarantinos Schnitt abhängt.

Die Wiederverwendung muss nicht bewusst erkannt werden, um Wirkung zu entfalten. Wer The Thing nicht kennt, kann Unruhe, Dichte oder Bedrohung empfinden, ohne ein Zitat zu identifizieren. Wer den früheren Film kennt, verbindet damit zusätzlich Erinnerungen an Eingeschlossensein und Misstrauen. Diese doppelte Wahrnehmung ist eine Möglichkeit, wie bereits vorhandene Musik wirken kann: Sie ist Klang innerhalb des neuen Werks und zugleich für einen Teil des Publikums eine Verbindung zu einem anderen Kinoerlebnis.

Dass Kurt Russell in beiden Filmen mitspielt, verstärkt diese Verbindung für diejenigen, die sie bemerken, auch wenn seine Figuren nicht gleichzusetzen sind. Die Musik beweist keine fiktive Kontinuität zwischen ihnen. Sie verbindet verschiedene Werke durch ein Gespür für Bedrohung und Isolation. Der Western behält seine Konflikte um Rassismus, Gerechtigkeit, Kopfgeld und Rettung; der Horror trägt dazu bei, das Zusammenleben zunehmend unsicher wirken zu lassen.

Wie das frühere Material mit der neuen Filmmusik zusammenspielt

Die Originalfilmmusik, die Morricone für The Hateful Eight komponierte verleiht dem Film eine eigene Identität. Die Stücke aus dem Jahr 1982 fügen sich in dieses Gesamtbild ein, ersetzen es aber nicht. Eine gewisse Kontinuität entsteht durch tiefe Klanglagen, spannungsgeladene Texturen und die Vorliebe dafür, die Erwartung aufrechtzuerhalten. Diese Vereinbarkeit bedeutet nicht, dass alles von Anfang an mit derselben Absicht komponiert wurde. Der Schnitt führt Materialien aus unterschiedlichen Zusammenhängen zusammen und entscheidet, wo sie sich eignen.

Der zeitliche Abstand macht auch Tarantinos Auswahlverfahren verständlicher. Eine bereits existierende Komposition gelangt nicht mit einer unveränderlichen Bedeutung in eine Szene. Ihre Dauer kann gekürzt werden, ihr Einsatz kann mit einer anderen Handlung zusammenfallen und ihr Verhältnis zum Dialog kann sich verändern. Die endgültige Wirkung ergibt sich aus dieser neuen Platzierung. Morricones Urheberschaft bleibt bestehen, während die Funktion der Musik in einem anderen Film neu bestimmt wird.

Die Geschichte von Morricone und Tarantino umfasst genau dieses Zusammenspiel aus Bewunderung für ein früheres Werk und dem Wunsch nach neuer Musik. The Hateful Eight gibt die für den Regisseur typische Auswahl bereits existierender Musik nicht völlig auf. Vielmehr verbindet der Film sie mit einer umfangreicheren Zusammenarbeit mit dem Komponisten. Diese Mischung erklärt, warum der Soundtrack stimmig klingen und zugleich unterschiedliche Ursprünge bewahren kann, die es bei einer näheren Betrachtung zu unterscheiden gilt.

Die Verbindung zu The Thing lässt sich genauer fassen: drei ausgewiesene Kompositionen, eine Verwandtschaft in Sachen Eingeschlossensein und Misstrauen sowie eine neue Funktion im Western. Man muss bereits veröffentlichte Stücke nicht als unveröffentlicht bezeichnen und Morricones Musik nicht Carpenter zuschreiben. Die Wiederverwendung ist wegen dessen interessant, was sie im neuen Film ermöglicht – und wegen des Wiedererkennungswerts für alle, die sich an ihren Ursprung erinnern.

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