Tarantinos Figuren unterrichten, überwachen und benutzen einander. Ihre Machtverhältnisse sind nicht austauschbar: Eine Mentorenbeziehung und ein Verhältnis zwischen Sklavenhalter und versklavter Person unterscheiden sich grundlegend in ihren Bedingungen und Folgen.
Bill und Beatrix: Wissen als Mittel der Herrschaft
Bill übt über Beatrix eine Autorität aus, in der gemeinsame Geschichte, Liebesbeziehung und Zugehörigkeit zu einer gewalttätigen Organisation zusammenfließen. Der Film lässt erkennen, dass er Dinge über sie weiß und erwartet, dass ihm dieses Wissen Rechte verleiht. David Carradine spielt diese Erwartung oft mit einer Gelassenheit, die Bill langsam sprechen lässt, weil er den Rahmen des Gesprächs bestimmen will.
Beatrix begegnet nicht einfach nur einem äußeren Feind. Sie muss sich jemandem stellen, der mit einem Teil ihrer Identität und ihrer Vergangenheit verbunden ist. Uma Thurman bringt diese Schwierigkeit durch wechselnde Nuancen zum Ausdruck, die sich nicht auf ein einziges Gefühl reduzieren lassen. Entschlossenheit kann neben Zuneigung, Schmerz und Wachsamkeit bestehen. Der Konflikt gewinnt an Intensität, weil die Vertrautheit die Bedrohung nicht aufhebt – und die Bedrohung zugleich nicht alles Erlebte auslöscht.
Bills Macht zeigt sich auch darin, wie er Dinge erklärt. Seine Reden präsentieren eine Deutung von Beatrix, die er als endgültig durchsetzen will. Wenn jemand beschreibt, wer man ist, kann das zur Druckausübung werden, sofern diese Beschreibung einem die Möglichkeit zur Veränderung abspricht. Der verbale Schlagabtausch ist damit Teil des Kampfes um Selbstbestimmung und bereitet zugleich die körperliche Auseinandersetzung vor.
Diese Beziehung darf nicht mit Pai Meis Unterricht verwechselt werden. Auch wenn beide Figuren mit einem Lernprozess verbunden sind, erfüllen sie unterschiedliche Funktionen. Bill verbindet Intimität mit Kontrolle; das Training stellt Beatrix vor Prüfungen und vermittelt ihr Fähigkeiten. Würde man alles als Meister-Schüler-Verhältnis bezeichnen, gingen die besonderen Bedingungen verloren, unter denen Beatrix Wissen erlangt und später einsetzt.
Candie und Stephen: ein Bündnis innerhalb der Sklaverei
In Django Unchained verfügt Calvin Candie über eine rechtliche und wirtschaftliche Stellung, die auf der Sklaverei beruht. Stephen ist versklavt und übt zugleich innerhalb von Candyland Autorität über andere Menschen aus. Diese Kombination macht es notwendig, die beiden nicht als gleichberechtigte Partner darzustellen. Seine Nähe zum Besitzer hebt weder das System auf, das seine eigene Lage einschränkt, noch den Schaden, zu dessen Aufrechterhaltung er beiträgt.
Samuel L. Jacksons Darstellung zeigt, wie Stephen sich gegenüber verschiedenen Gesprächspartnern gibt. Sein Verhalten kann zunächst unterwürfig wirken und sich ändern, sobald er an Entscheidungsprozessen beteiligt ist. An diesem Wandel macht der Film deutlich, dass die alltägliche Macht im Haushalt nicht ganz dem ersten Anschein entspricht. Seine Beobachtungsgabe und sein Umgang mit Informationen verschaffen ihm Einfluss, auch wenn er sich dadurch nicht außerhalb der Sklavenhalterordnung befindet.
Leonardo DiCaprio gestaltet Candie als jemanden, der als kultiviert und überlegen anerkannt werden möchte. Sein Bedürfnis, dieses Bild bestätigt zu sehen, eröffnet Stephen Handlungsspielraum. In privaten Gesprächen kann das Kräfteverhältnis zwischen ihnen anders aussehen als vor Gästen. Das Spiel der Darsteller macht diesen Unterschied spürbar, ohne daraus eine vermeintliche Gleichberechtigung zu machen.
An diesem Figurenpaar lässt sich untersuchen, wie sich ein gewalttätiges System durch persönliche Beziehungen reproduziert. Vertrautheit und Abhängigkeit mildern das System nicht; sie können dazu beitragen, dass es funktioniert. Stephen lediglich als Candies Mentor oder Candie lediglich als ahnungslosen Schüler zu beschreiben, würde daher die materiellen Grundlagen ihrer Beziehung ausblenden. Das Publikum muss darauf achten, wer Befehle erteilen und wer bestrafen kann – und wer unterworfen bleibt. Diese Verteilung prägt selbst ihre privaten Gespräche und schränkt jede Deutung ihrer Vertrautheit als Freundschaft unter Gleichgestellten ein.
Schultz und Django: lernen, ohne auf die Schülerrolle festgelegt zu bleiben
Die Beziehung zwischen King Schultz und Django beginnt in einer Welt, in der Freiheit ungleich verteilt ist. Schultz verfügt über Mittel, Bewegungsfreiheit und einen anerkannten Beruf; Django muss seine Entscheidungsfreiheit zurückgewinnen und Broomhilda finden. Ihr Bündnis entwickelt sich aus dieser anfänglichen Ungleichheit, auch wenn Vertrauen und Lernen im Verlauf des Films seine Dynamik verändern.
Christoph Waltz verleiht Schultz sprachliche Leichtigkeit, während Jamie Foxx einen Prozess des Beobachtens und der Veränderung sichtbar macht. Django lernt Vorgehensweisen, beschränkt sich aber nicht darauf, sie zu wiederholen. Sein persönliches Ziel bestimmt Entscheidungen, die der Mentor nicht für ihn treffen kann. Die schauspielerische Entwicklung zeigt sich in der Körperhaltung, darin, wie Django einen Raum einnimmt, und in seiner Fähigkeit, gegenüber feindseligen Menschen an seiner Identität festzuhalten.
Der Unterschied zwischen Lehren und Kontrollieren ist entscheidend. Ein Mentor kann Fähigkeiten vermitteln, die dem anderen mehr Selbstständigkeit ermöglichen. Er kann aber auch zu viel Raum einnehmen oder annehmen, dass sein Urteil in jeder Lage ausreicht. Der Film stellt diese Beziehung auf die Probe, als die Mission nach Candyland führt, wo berufliches Können und souveränes Auftreten an neue Grenzen stoßen.
Diese drei Figurenpaare ermöglichen es, unterschiedliche Formen des Zusammenspiels zu untersuchen, ohne sie auf ein starres Muster zu reduzieren. Bill versucht, an seiner Definition von Beatrix festzuhalten; Candie und Stephen tragen eine Herrschaftsstruktur mit; Schultz und Django entwickeln ein Bündnis, das von Lernen und eigenen Zielen geprägt ist. Das dramatische Interesse liegt in den Veränderungen: Wer einen Satz zu Ende sprechen kann, wer vor einer Antwort erst beobachtet und wann jemand nicht länger die Rolle akzeptiert, die ein anderer für ihn vorgesehen hat.
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