In Inglourious Basterds kann ein Sprachwechsel beeinflussen, wer ein Gespräch versteht und wer dadurch gefährdet wird. Sprache ist Teil der Handlung und gestaltet zugleich das historische Umfeld des Films.
Einen Satz zu verstehen kann ein entscheidender Vorteil sein
Die Eröffnung auf dem Bauernhof macht deutlich, dass Sprache keine austauschbare Verpackung des Dialogs ist. Landa und LaPadite wechseln während eines auf Französisch begonnenen Gesprächs ins Englische. Dadurch verändert sich, wer in dieser Situation was versteht. Die versteckten Personen befinden sich nun in einer anderen Lage als diejenigen, die offen sprechen, und das Publikum erhält Informationen, die es mit diesem Ungleichgewicht in Beziehung setzen muss.
Der Sprachwechsel erfüllt eine konkrete dramatische Funktion. Er ermöglicht es, das Gespräch in der Nähe der Bedrohten fortzuführen, ohne dass alle zwangsläufig gleichermaßen Zugang zu den gesprochenen Worten haben. Die Szene nutzt gleichzeitig die räumliche Nähe und die sprachliche Distanz. Sich im selben Raum zu befinden bedeutet nicht, über dasselbe Wissen zu verfügen.
Auch die Höflichkeit, mit der der Wechsel vorgeschlagen wird, ist bedeutsam. Was als Erleichterung der Verständigung präsentiert wird, kann einer Strategie der Machtausübung dienen. Die Sprache wahrt die gesellschaftliche Fassade des Besuchs und verändert zugleich dessen Rahmenbedingungen. Die Bedrohung wächst, weil eine scheinbar geringfügige Änderung Folgen hat, die nicht alle Anwesenden einschätzen können.
Für die Analyse der Passage muss man Landa keine grenzenlose Beherrschung sämtlicher Sprachen zuschreiben. Der Film zeigt konkrete Fähigkeiten in konkreten Situationen. Sie zu allgemeiner Allwissenheit zu erklären, würde die Szenen verkürzen und den Unterschied zwischen Sprechen, Zuhören und der Entscheidung verwischen, wie diese Fähigkeiten eingesetzt werden, um eine andere Person zu kontrollieren.
Der Akzent gefährdet eine erfundene Identität
Die Szene in der Taverneverlagert das Problem in einen anderen Bereich. Die Figuren müssen sich in einer längeren sozialen Interaktion tarnen. Aussprache und behauptete Herkunft werden relevant, weil andere Beteiligte beides mit ihren eigenen Erwartungen abgleichen können. Die passende Sprache zu sprechen ist notwendig, reicht aber womöglich nicht aus, um unentdeckt zu bleiben.
Ein Akzent ist in einer bestimmten Situation ein Indiz, aber kein unfehlbarer Herkunftsnachweis. Der Film erzeugt Misstrauen durch Fragen, Beobachtungen und Erklärungen, die in sich stimmig bleiben müssen. Die Gefahr wächst, wenn eine Antwort neue Einzelheiten erfordert, die ebenfalls überprüft werden könnten. Je länger eine falsche Identität in einem unvorhersehbaren Gespräch aufrechterhalten werden muss, desto brüchiger wird sie.
Zum sozialen Auftreten gehören gemeinsames Wissen, die Art, um etwas zu bitten, und typische Reaktionen. Deshalb ist die Szene nicht bloß ein Vokabeltest. Die Beteiligten versuchen, wie Menschen zu wirken, die ganz selbstverständlich in dieses Umfeld gehören. Der Unterschied zwischen dem Erlernen einer Sprache und dem Vertrautsein mit ihren alltäglichen Gepflogenheiten sorgt für zusätzliche Spannung.
Die Geste mit den Fingern, mit der drei Getränke bestellt werden, verdichtet dieses Problem. Das Körpersignal vermittelt eine Information, die die Figur nicht preisgeben wollte. Der Film zeigt, wie eine automatische Handlung mit einer sorgfältig dargestellten Identität in Konflikt geraten kann. Verbale und körperliche Sprache gehören zum selben Risiko, dürfen aber nicht so behandelt werden, als wären sie ein und dieselbe Fähigkeit.
Das Italienische macht aus der Täuschung eine gefährliche Komödie
Die Vorstellung der vermeintlichen Italienerberuht auf einem anderen Ungleichgewicht. Die Figuren verlassen sich auf eine sprachliche Tarnung, die sie nicht souverän aufrechterhalten können. Landa macht aus der Vorstellung eine Situation, in der sie ihre Namen wiederholen und sich seinem Zuhören aussetzen müssen. Das Publikum erkennt möglicherweise, dass die Darbietung nicht überzeugt, und kann die Folgen erahnen, während die Szene zugleich komisch wirkt.
Die Komik entsteht aus dem Gegensatz zwischen dem Versuch, überzeugend zu wirken, und dem hörbaren Ergebnis. Doch die Gefahr verschwindet nicht. Der Zuhörer kann gegen sie vorgehen, sodass eine scheinbar höfliche Aufforderung zur Wiederholung wie eine gezielte Verlängerung ihrer Schutzlosigkeit wirken kann. Die Szene verbindet den Reiz des misslungenen Schauspiels mit der Bedrohung, enttarnt zu werden.
Auch die Geduld trägt zur Wirkung bei. Würde Landa die Tarnung sofort zurückweisen, wäre die Situation schnell beendet. Indem er das Gespräch fortsetzt, zwingt er die anderen, eine Darstellung aufrechtzuerhalten, deren Mängel das Publikum wahrnimmt. Die Sprache wird zu einer Bühne innerhalb der Szene: Die Hochstapler müssen spielen, und ihr Gesprächspartner entscheidet, wie lange die Prüfung dauert.
Man sollte die Schwierigkeiten der Figuren nicht automatisch auf die persönlichen Fähigkeiten der Schauspieler übertragen. Ein Darsteller kann absichtlich eine schlechte Aussprache nachahmen. Ebenso beweist das Sprechen mehrerer Sprachen auf der Leinwand für sich genommen keine umfassenden Sprachkenntnisse im wirklichen Leben. Aussagen über die Vorbereitung der Besetzung erfordern eigene Belege, die sich von der Analyse der Fiktion unterscheiden.
Untertitel verschaffen dem Publikum eine besondere Position
Wer Untertitel nutzt, kann Sätze verstehen, die einige Figuren nicht verstehen. Dieser Vorteil schafft ein anderes Filmerlebnis als das einer Person, die sich tatsächlich in der Szene befände. Die Übersetzung macht den Inhalt nachvollziehbar, während die Sprachwechsel und Reaktionen zeigen, dass dieser Inhalt nicht allen gleichermaßen zugänglich ist.
Die Funktion der Sprachen im Filmlässt sich besser verstehen, wenn man auf diese Verteilung achtet. Bei jeder Begegnung sollte man fragen, wer spricht, wer versteht, wer Verständnis vortäuscht und wer glaubt, dass die anderen nichts verstehen. Die Antworten können sich im Verlauf der Szene ändern. Die Spannung entsteht durch diese Verschiebungen und durch Fehleinschätzungen.
Inglourious Basterds macht Sprachkenntnisse so zu einer Form des Handelns. Eine Sprache kann Verhandlungen ermöglichen, einen Ausweg versperren, eine Tarnung schützen oder sie auffliegen lassen. Akzente und Gesten erweitern den Beobachtungsraum. Der Film behandelt Sprachen nicht als gleichwertige Varianten desselben Dialogs, sondern als Mittel, die ganz konkret die Möglichkeiten verändern, zu überleben, zu täuschen und Macht auszuüben.
Hier geht es zum Leitfaden über Tarantinos Dialoge und Erzählstruktur.
