Mashup, Montage und Songwechsel in Tarantinos Musik

Ein Soundtrack kann sehr unterschiedliche Genres vereinen, ohne dass alle Songs Mashups sind. Tarantino arbeitet mit verschiedenen Formen der Kombination, die man getrennt voneinander betrachten sollte.

Musikalisches Material zu kombinieren, bedeutet nicht immer dasselbe

Ein Mashup vereint erkennbare musikalische Elemente unterschiedlicher Herkunft zu einem neuen Stück. Dabei kann eine Stimme über eine andere Begleitung gelegt, können Ausschnitte neu angeordnet oder zwei Aufnahmen in einer gemeinsamen Struktur zusammengeführt werden. Der Begriff beschreibt einen Eingriff in den Klang. Nur weil ein Film an verschiedenen Stellen Funk, Western und Hip-Hop enthält, ist deshalb noch nicht jeder Song darin ein Mashup.

Die Filmmontage bietet andere Möglichkeiten. Ein Song kann enden und durch einen anderen ersetzt werden; eine ältere Filmmusik kann neue Bilder begleiten; ein Originalstück kann ein unerwartetes Genre einführen. Solche Verfahren schaffen bedeutende kulturelle Begegnungen, sind technisch aber nicht identisch. Wer den Unterschied erkennt, kann die Arbeit von Komponisten, Interpreten, Schnitt- und Tonmischungsteams korrekt zuordnen.

Auch die endgültige Tonmischung eines Films ist nicht automatisch ein Mashup. In fast jeder Filmszene werden Dialog, Umgebungsgeräusche, Effekte und Musik in passenden Lautstärkeverhältnissen zusammengeführt. Dadurch wird das Gesamtbild verständlich, aber nicht zwangsläufig ein neuer Song aus anderen Songs geschaffen. Den Begriff sollte man Fällen vorbehalten, in denen eine konkrete und belegte musikalische Kombination vorliegt.

Tarantino kann die Auswahl insgesamt gestalten und entscheiden, wie sie mit den Bildern zusammenwirkt, ohne jeden musikalischen Schnitt selbst vorgenommen zu haben. Die Credits helfen dabei, diese Zuständigkeiten auseinanderzuhalten. Die Urheberschaft an der Filmmontage ersetzt nicht die Arbeit der Person, die einen Track erstellt – ebenso wenig macht die Auswahl einer Aufnahme den Regisseur zum Komponisten ihrer Melodie.

Unchained und das Zusammenspiel von Brown und 2Pac

Django Unchained enthält ein eindeutiges Beispiel: Unchained (The Payback / Untouchable), eine Kombination aus Material von James Brown und 2Pac. In den Credits wird Claudio Cueni für den Mix und den Schnitt verantwortlich genannt. Hier handelt es sich tatsächlich um ein Stück, das dafür geschaffen wurde, Aufnahmen und Stimmen aus unterschiedlichen Zusammenhängen miteinander in Beziehung zu setzen.

Durch dieses Verfahren wirken ein mit Funk assoziierter Groove und eine Rap-Performance im selben musikalischen Impuls zusammen. Man hört nicht einfach erst einen Song von Brown und danach einen von 2Pac. Durch die gemeinsame Anordnung treten die Elemente in eine neue Beziehung. Ihre jeweilige Herkunft bleibt hörbar, doch das Ergebnis erfüllt innerhalb der Montage von Django eine eigene Funktion.

Die ausführliche Analyse von Unchained, dem Mashup von James Brown und 2Pac zeigt, wie man diese Spur verfolgen kann, ohne fälschlich zu behaupten, die Interpreten hätten gemeinsam im selben Raum musiziert. Aufnahmen können Stimmen nach ihren ursprünglichen Sessions zusammenführen. Die Kontinuität, die das Publikum hört, entsteht durch die Schnittarbeit und ist nicht zwangsläufig die Aufzeichnung gemeinsam musizierender Künstler.

Diese Begegnung verändert auch die historische Zeit des Films. Der Klang soll nicht die Musik nachbilden, die die Figuren im 19. Jahrhundert gehört hätten. Vielmehr stellt er eine Beziehung zwischen der Handlung des Westerns und späteren Traditionen Schwarzer Musik her. Soul und Funk bei Tarantinobringen kulturelle Erinnerungen ein, die die Montage aufgreifen kann, ohne sie zu Gegenständen innerhalb der erzählten Welt zu machen.

Weitere Verfahren, die man nicht verwechseln sollte

Auch Kill Bill bietet mit Crane / White Lightning eine klar erkennbare Kombination, die The RZA und Charles Bernstein zugeschrieben wird. Der zusammengesetzte Titel und die Credits machen die Beziehung zwischen den musikalischen Elementen sichtbar. Bernsteins Beitrag stammt aus einer früheren Filmgeschichte, während der neue Kontext die Art, wie man ihn hört, neu ordnet. Das Ergebnis sollte man von einer bloßen Liste von Einflüssen unterscheiden, die in der Aufnahme keine überprüfbaren Spuren hinterlässt.

In Pulp Fiction funktioniert der Übergang von Misirlou zu Jungle Boogie während des Abspanns anders. Ein Abstimmgeräusch markiert den Wechsel zwischen den Songs. Der Film zeigt eine Auswahl und eine Ablösung: Daraus entsteht nicht zwangsläufig eine neue Komposition, in der die Teile gleichzeitig erklingen. Die Unterbrechung ist das Ausdrucksmittel. Wenn man sie als solche versteht, beschreibt das den Moment genauer, als ihn pauschal Mashup zu nennen.

Auch der Einsatz von Rick Ross’ 100 Black Coffins in Django Unchained beweist für sich genommen nicht, dass zwei bereits existierende Songs miteinander vermischt wurden. Es handelt sich um einen eigens für den Film entstandenen Hip-Hop-Beitrag. Sein Zusammenspiel mit der Landschaft und den Konventionen des Westerns erzeugt einen Epochenkontrast, doch dieser audiovisuelle Gegensatz entspricht nicht automatisch dem Verfahren von Unchained.

Der Einsatz von Hip-Hop in Django Unchained lässt sich daher auf zwei Ebenen betrachten: Was trägt das Genre zur Darstellung des Protagonisten bei, und wie ist die jeweilige Aufnahme konkret entstanden? Ein neuer Song und ein Mashup können dieselbe herausfordernde Haltung vermitteln, ohne dieselbe Produktionsgeschichte zu haben. Das Ohr nimmt Gemeinsamkeiten wahr; die Credits helfen, die Unterschiede festzuhalten.

Diese Unterscheidungen schmälern nicht die Erfindungskraft des Ganzen. Sie machen sichtbar, wo die jeweilige Entscheidung fällt: bei der Komposition, der Bearbeitung einer Aufnahme, dem Schnitt mehrerer Spuren oder ihrer Verbindung mit den Bildern. Tarantinos Soundtracks sind gerade deshalb so vielfältig, weil sie mehr als ein Verfahren nutzen. Wer jedem davon den passenden Namen gibt, erkennt sowohl die Auswahl des Regisseurs als auch die Arbeit der Musiker, deren Material dabei zum Einsatz kommt.

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