Französischer Pop bei Tarantino: von Laisse tomber les filles bis Chick Habit

Death Proof stellt durch April March eine konkrete Verbindung zum französischen Pop her. Daraus folgt weder, dass jeder Song einer französischen Band noch dass jede Musik aus Kill Bill Chanson ist.

Ein französischer Song und eine englischsprachige Adaption

Chick Habit, gesungen von April March, ist eine Adaption von Laisse tomber les filles, geschrieben von Serge Gainsbourg und bekannt geworden durch France Gall. Der Song ist am Ende von Death Proof zu hören und weist eine erkennbare Verbindung zum französischen Pop der Sechzigerjahre auf. April March ist eine US-amerikanische Sängerin; ihre Nationalität ändert weder die Herkunft des Songs noch macht sie automatisch zu einer französischen Künstlerin.

Die englischsprachige Adaption sollte nicht als mechanisch übersetzte Aufnahme von France Gall beschrieben werden. Stimme, Text und Interpretation unterscheiden sich. Der Vergleich der beiden Versionen lässt sowohl Kontinuität als auch Veränderung erkennen. Im Film wird die Aufnahme von April March verwendet. Den Klang direkt Gall zuzuschreiben, würde daher die Entstehungsgeschichte des Werks mit der Identität der Sängerin in dieser Szene verwechseln.

Serge Gainsbourg ist der Urheber des Originaltitels. Diese Präzisierung verhindert, dass die Verbindung zu einer sehr bekannten Interpretin den Komponisten in den Hintergrund rückt. Sie verhindert auch, Gainsbourgs Präsenz ohne Prüfung der Credits auf jeden französischsprachigen Song in seiner Filmografie auszuweiten. Musikalische Verbindungen können vielfältig sein, ohne zu einem Netz ungenauer Zuschreibungen zu werden.

Am Ende von Death Proof ändert sich, an wen sich der Song richtet

Chick Habit setzt ein, nachdem die Frauen auf Stuntman Mike reagiert haben, und bildet so einen energiegeladenen Ausklang der Handlung. Der Song behält eine unbeschwerte Pop-Leichtigkeit, die mit dem gerade Geschehenen zusammenwirkt. Seine Haltung lässt sich mit der Machtumkehr am Ende in Verbindung bringen, ohne dass man dafür den Liedtext wiedergeben müsste.

Der Song gehört zur Gestaltung des Finales und ist keine Darbietung, die die Protagonistinnen für Mike geben. Dieser Unterschied ermöglicht es dem Film, mit einer Stimme zu enden, die das Geschehen aus einer anderen Perspektive kommentiert. Die Musik muss weder im Auto erklingen noch von einer der Frauen ausgewählt werden, um mit ihrer Reaktion in Verbindung zu stehen. Ihre Funktion unterscheidet sich von der Radiowunschsendung mit Hold Tight im ersten Teil.

In Death Proof haben die beiden Frauengruppen ein unterschiedliches Verhältnis zur Musik und zur Gefahr. Das Ende kann die Energie des Sieges bewahren, ohne ihr Verhalten vollständig zu erklären. Der Song vermittelt eine Haltung des Aufbruchs und weckt Erinnerungen an Popmusik; die Entscheidungen, die zu diesem Moment geführt haben, fallen dagegen in früheren Szenen.

Nationalität, Sprache und Stil sind nicht dasselbe

Die Verbindung von Kill Bill mit französischem Pop erfordert mehr Differenzierung. Don't Let Me Be Misunderstood in der Version von Santa Esmeralda stammt von einer Gruppe mit Bezug zu Frankreich und Mitgliedern unterschiedlicher Herkunft. Der Song wird jedoch auf Englisch gesungen und verwendet einen Disco-Sound mit lateinamerikanischen Elementen. Allein aufgrund der Nationalität oder des Gründungsorts der Band wird er nicht zu französischem Chanson.

Das Beispiel macht drei Fragen deutlich: Woher stammt eine Aufnahme, in welcher Sprache wird gesungen und welchen musikalischen Traditionen steht sie nahe? Die Antworten können sich überschneiden, müssen aber nicht übereinstimmen. Eine US-amerikanische Sängerin kann eine Adaption französischer Popmusik interpretieren; eine in Frankreich gegründete Band kann einen englischsprachigen Song anderer Herkunft aufnehmen. Die Einordnung wird treffender, wenn diese Ebenen getrennt betrachtet werden.

Die Musik von Kill Bill hat so viele unterschiedliche Ursprünge, dass eine nationale Einordnung besonders wenig aussagt. Das Duell im Schnee wird nicht von einem vermeintlich traditionellen französischen Lied geprägt, sondern von einer bestimmten Version, die der Schnitt mit Bewegung und Warten verbindet. Das gesamte Material als Chanson zu bezeichnen, würde gerade das ausblenden, was es musikalisch besonders macht.

Die belegbare Verbindung zum französischen Pop lässt sich am besten anhand des Weges von Laisse tomber les filles zu Chick Habit nachvollziehen. Der Song wechselt Sprache, Stimme und filmischen Kontext, bewahrt aber eine Eigenständigkeit, die das Ende von Death Proof nutzt. Der Vergleich muss keine lange Liste französischsprachiger Titel bemühen: Er zeigt, wie eine einzige Adaption musikalische Traditionen miteinander verbinden und eine neue Wirkung entfalten kann, ohne die Credits ungenau wiederzugeben.

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