Die Stimme einer Figur kann allein den musikalischen Raum einer Szene einnehmen. Damit man von A-cappella-Gesang sprechen kann, muss man ihn von Pfeifen, einer Gitarre oder einem weiterlaufenden Lied aus der Konserve unterscheiden.
Die unbegleitete Stimme hat eine konkrete Präsenz
A-cappella zu singen bedeutet, ohne instrumentale Begleitung zu singen. Es reicht nicht, dass die Figur nicht dabei zu sehen ist, wie sie ein Instrument spielt: Sie kann zu einer Aufnahme singen, die das Publikum hört. Diese Unterscheidung ist in Tarantinos Filmen wichtig, in denen die Figuren oft körperlich an Liedern mitwirken, die aus Radios oder Haushaltsgeräten erklingen.
In Once Upon a Time in Hollywood singt die Gruppe junger Frauen aus dem Umfeld von Manson I’ll Never Say Never to Always, während sie durch die Stadt zieht. Die Musiksupervisorin Mary Ramos identifizierte das Lied als ein von Manson geschriebenes Stück. Die Passage ist ein anschauliches Beispiel für gemeinsam singende Stimmen ohne die Unterstützung einer sichtbaren Band oder einer Popaufnahme, die die Szene prägt.
Gemeinsames Singen macht Zugehörigkeit hörbar. Die Stimmen stimmen sich aufeinander ab und nehmen gemeinsam den öffentlichen Raum ein. Wer die jungen Frauen erkennt oder den historischen Kontext kennt, empfindet diese Vertrautheit als beunruhigend – unabhängig davon, ob die Melodie aggressiv klingt. Der Anschein eines Miteinanders und das Wissen des Publikums gehen nicht zusammen. Die Wirkung entsteht aus dieser Distanz, ohne dass der Liedtext wiedergegeben werden muss.
Nicht jeder Moment mit Gesang ist ein Beispiel für A-cappella-Gesang
Daisy singt in The Hateful 8 Jim Jones at Botany Bay, begleitet sich dabei aber auf der Gitarre. Ihre Darbietung ist Musik innerhalb der Filmhandlung und kann die Stimme intim zur Geltung bringen, ist aber kein A-cappella-Gesang. Das Instrument ist wichtig, weil Ruth unmittelbar darauf einwirkt und dadurch die Situation verändert. Es in der Beschreibung wegzulassen, würde einen zentralen Teil der Szene ausblenden.
Butch singt im Auto in Pulp Fiction zu Flowers on the Wall. Die Aufnahme der Statler Brothers bleibt Teil des Klangerlebnisses. Ebenso macht es das Lied nicht zu einer vollständigen Solo-Darbietung des Schauspielers, wenn eine Figur die Lippen bewegt oder mitsingt. Die Figur kann sich ein Lied emotional zu eigen machen, ohne die aufgezeichnete Stimme zu ersetzen.
Elle Driver pfeift in Kill Bill Twisted Nerve. Das ist im weiteren Sinne eine stimmliche Handlung, aber kein gesungenes Lied mit Text. Außerdem weitet die Tongestaltung der Sequenz die Melodie über die einzelne Geste hinaus aus. Pfeifen, Summen und A-cappella-Gesang unter einer einzigen Kategorie zusammenzufassen, würde den Blick dafür verstellen, auf unterschiedliche Weise einen Körper an der Musik teilhaben zu lassen.
Die Geste des Singens verändert, wer den Klang erzeugt
Wenn eine Stimme von einer Figur ausgeht, ist Musik nicht mehr nur etwas, das sie hört. Der Körper wirkt an ihrer Entstehung mit und kann Selbstsicherheit, Zögern, Spielfreude oder den Wunsch nach Zugehörigkeit zeigen. Die Bedeutung hängt nicht davon ab, ob der Gesang professionell klingt. Manchmal macht eine unvollkommene Stimme die gemeinsame Situation deutlicher als eine makellose Aufnahme.
Bei der Gruppe junger Frauen in Once Upon a Time in Hollywood ist das Singen keine formelle Darbietung vor einem sitzenden Publikum. Es begleitet eine Tätigkeit und macht die Verbindung zwischen den Singenden spürbar. Die Szene kann diese Verbindung zeigen, ohne das Lied zu einer hinreichenden Erklärung für ihre späteren Handlungen zu machen. Gemeinsam zu singen führt nicht automatisch zu Gewalt.
Der Unterschied hängt mit der diegetischen Musik zusammen: Die Stimmen gehören zur erzählten Welt und können von anderen Figuren in dieser Welt gehört werden. Das sagt nichts darüber aus, wie der Ton während der Dreharbeiten aufgenommen wurde. Eine als spontan dargestellte Darbietung kann musikalische Arbeit und Mischung erfordern, die im Bild nicht zu sehen sind.
Der Reiz dieser Passagen liegt darin, das Lied wieder an einen Körper und eine Situation zu binden. Die unbegleitete Stimme ist ihrem eigenen Rhythmus und dem Raum um sie herum ausgesetzt. Eine präzise Verwendung des Begriffs hilft, diese Wirkung zu erkennen, wenn sie auftritt, ohne aus Szenen, in denen Gitarre, Radio oder Orchester weiterhin wesentlich sind, ein Repertoire an A-cappella-Darbietungen zu konstruieren.
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