Tarantino als Pam-Grier-Fan: die Entdeckung von Coffy

Tarantinos Bewunderung für Grier begann vor einer Leinwand. Seine Erinnerung bietet Anlass, zu den Filmen zurückzukehren, die sie zur Hauptdarstellerin machten.

Eine Jugenderinnerung – ohne die Kinoszene auszuschmücken

Quentin Tarantino erzählte Ray Pride in einem Interview vom Dezember 1997, das der Journalist 2024 wieder aufgriff, dass er Coffy gesehen hatte, als er ungefähr dreizehn Jahre alt war. Er erinnerte sich an seine Faszination für Pam Grier und erklärte, dass er ihre Arbeit weiterverfolgte. Diese Aussage markiert den Ausgangspunkt seiner Bewunderung. Sie nennt jedoch weder ein bestimmtes Kino noch ein genaues Datum oder eine Doppelvorstellung. Deshalb ist es am treffendsten, die Erinnerung so wiederzugeben, wie sie erzählt wurde.

Diese Klarstellung ist wichtig, denn die Mythologie der Filmfans macht aus einer Erinnerung oft eine vollständige Szene: ein bestimmtes Viertel, eine heimlich gekaufte Eintrittskarte, ein Publikum, das wie aus einem Mund reagiert. All das ist nicht nötig, um Griers Wirkung zu verstehen. Die belegte Erfahrung enthält bereits das Wesentliche: Ein jugendlicher Zuschauer entdeckt eine Schauspielerin, die eine Actionfilmhandlung tragen kann, und interessiert sich auch nach dieser ersten Begegnung weiter für sie.

Coffy, inszeniert von Jack Hill und 1973 veröffentlicht, ist ein besonders guter Einstieg in ihre Leinwandpräsenz. Grier spielt eine Krankenschwester, die Rache an der Welt des Drogenhandels und der Korruption nimmt. Ihre Figur muss vom Beobachten zum Täuschen und von scheinbarer Verletzlichkeit zu Entschlossenheit wechseln. Die Handlung hängt davon ab, wie sie Situationen deutet und sich zunutze macht, was andere über sie zu wissen glauben.

Was die Hauptfiguren in Coffy und Foxy Brown so besonders macht

Griers Ausstrahlung lässt sich nicht allein als Härte beschreiben. In Coffy passt sie ihr Verhalten dem Ort an, den sie betritt, und der Person, die ihr gegenübersteht. Ein Teil der Spannung entsteht dadurch, dass sie innerhalb der Geschichte eine Rolle spielt. Das Publikum nimmt zwei Ebenen gleichzeitig wahr: was ihre Gegner sehen und was sie selbst erreichen will. Dieser Unterschied verschafft ihr Handlungsspielraum, noch bevor Gewalt ins Spiel kommt.

Der Film macht auch sichtbar, welchen Preis diese Eigeninitiative hat. Coffy kann bei ihren Ermittlungen nicht auf eine Institution zählen, die sie lenkt oder ihr Schutz garantiert. Ihr Weg führt durch Beziehungen, in denen wirtschaftliche Macht, Einschüchterung und öffentliche Fassade einander verstärken. Als sie entdeckt, dass eine respektable Persönlichkeit Teil desselben Systems ist, wird aus der Rache mehr als eine einfache Konfrontation zwischen einer Heldin und Kriminellen, die klar vom Rest der Gesellschaft abgegrenzt sind.

Foxy Brown, 1974 erschienen und ebenfalls von Hill inszeniert, zeigt eine andere Ausprägung dieser Energie. Grier führt erneut eine Rachegeschichte an, doch Foxy ist eine andere Figur. Der Film sollte nicht als direkte Fortsetzung von Coffy dargestellt werden, und Tarantino sollten nicht dieselben Aussagen zu beiden Filmen zugeschrieben werden. Ihre Verbindung im kollektiven Gedächtnis erklärt sich durch die Schauspielerin und bestimmte gemeinsame Themen, nicht durch eine erzählerische Gleichheit ihrer Hauptfiguren.

Ein Vergleich der Filme zeigt, wie gut Grier unterschiedliche Facetten verkörpern kann, die ein Genreetikett leicht verdeckt. Es gibt Momente der Berechnung, der Traurigkeit, gespielter Verführung und körperlicher Wucht. Der Star muss trotz abrupter Tonwechsel eine emotionale Kontinuität wahren. Dass eine Szene provozieren oder unterhalten soll, nimmt der Arbeit nichts, die nötig ist, damit die Figur auch in der nächsten Szene wiedererkennbar bleibt.

Der Blick des Fans und die Grenzen des Etiketts

Der Begriff Blaxploitation ist hilfreich, um einen industriellen Zyklus und bestimmte Aufführungsformen einzuordnen, beschreibt die Darstellerinnen und Darsteller aber nicht vollständig. In Griers Filmen stehen Möglichkeiten für eine Schwarze Frau, eine Hauptrolle zu übernehmen, neben kommerziellen Mechanismen, die ihr Image vermarkten. Beide Seiten anzuerkennen, verhindert sowohl eine allzu unkritische Feier als auch eine Abwertung, die die Handlungsmacht ihrer Figuren ausblendet. Ausführlicher behandelt wird die historische Debatte in der Wiederentdeckung des Blaxploitation-Kinos.

Tarantinos Status als Fan gehört zu dieser Rezeptionsgeschichte. Seine Begeisterung macht nicht automatisch jeden Film zu einem makellosen Werk, hilft aber zu verstehen, warum eine Darbietung im Gedächtnis bleiben kann, wenn die kritische Hierarchie das Genre, dem sie angehört, an den Rand drängt. Eine starke Leinwandpräsenz lässt das Gesicht, die Stimme und die Bewegungen einer Figur im Gedächtnis bleiben, lange nachdem Einzelheiten der Handlung vergessen sind.

Das Interview mit Pride fügt einen weiteren Aspekt hinzu: Tarantino lobte auch Griers darstellerische Wandlungsfähigkeit in Fort Apache, the Bronx, von 1981. Dieser Kommentar zeigt, dass sich seine Aufmerksamkeit nicht auf ein festgefügtes Bild der Siebzigerjahre beschränkte. Er konnte den Star erkennen und zugleich ihre Fähigkeit würdigen, eine vertraute Persönlichkeit abzulegen und eine andere Figur zu gestalten. Eine starke Präsenz zu bewundern und eine darstellerische Verwandlung zu schätzen, schließt sich nicht aus.

Die spätere Zusammenarbeit der beiden gehört in eine andere Phase, die im Jackie-Brown-Guide behandelt wird. Hier geht es um die Entwicklung eines Geschmacks: Coffy als erinnerte Entdeckung, Foxy Brown als Film, mit dem sich diese Präsenz vergleichen lässt, und eine Karriere, die der Zuschauer weiterverfolgte. Eine Rückkehr zu diesen Werken lässt Grier als Hauptdarstellerin ihrer eigenen Geschichten würdigen – noch bevor die Bekanntheit ihres Bewunderers die Diskussion über sie neu ordnete.

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