Die Blaxploitation bringt Tarantino Schauspieler, Musik und Formen der Hauptrollenbesetzung. Ihr Einsatz unterscheidet sich von Film zu Film und macht nicht alle schwarzen Figuren zu Varianten ein und desselben Modells.
Ein populäres Kino mit eigenen Bildern und Debatten
Blaxploitation ist eine Bezeichnung für einen Teil des US-amerikanischen Kinos der 1970er-Jahre, in dessen Mittelpunkt schwarze Figuren in Geschichten über Action, Verbrechen und Konfrontation standen. Filme wie Shaft, Coffy und Foxy Brown präsentierten starke, eindrucksvolle Figuren und waren eng mit Musikrichtungen wie Soul und Funk verbunden. Die Kategorie war auch von Debatten über Stereotype, kommerzielle Ausbeutung und Repräsentation geprägt.
Diese Komplexität macht es unmöglich, sie ausschließlich als eine Reihe befreiender Filme oder als Sammlung von Karikaturen zu beschreiben. Die Werke unterscheiden sich in ihren Hauptfiguren, ihrem Ton und den Produktionsbedingungen. Ihre Bilder konnten Identifikationsangebote schaffen und zugleich auf reißerische Konventionen zurückgreifen. Tarantinos Interesse gilt konkreten Elementen dieses Repertoires, nicht einer einheitlichen Definition afroamerikanischer Erfahrungen.
Die Musik trägt zur Erinnerung an das Genre bei, weil sie einem Auftritt oder einer Bewegung Energie und Persönlichkeit verleihen kann. Eine Stimme oder ein Rhythmus verorten eine Figur in einer Klangkultur, noch bevor sie erklärt, wer sie ist. Tarantino verbindet diese Wirkung mit Darstellern und Kostümen, doch jedes Lied hat auch eine eigene Geschichte, die unabhängig von dem Film besteht, in dem es verwendet wird.
Die Verbindung zur Grindhouse-Kultur hilft dabei, den Verleih und die Vorführung vieler dieser Werke einzuordnen. Dass Filme im selben Vorführumfeld liefen, hebt ihre sozialen Unterschiede nicht auf und macht ihr Publikum nicht zu einer homogenen Gruppe. Das populäre Kinoprogramm umfasste sehr unterschiedliche Filme, und die spätere Erinnerung hebt einige davon als besonders langlebige Bezugspunkte hervor.
Jackie Brown greift eine Präsenz auf, ohne Foxy Brown zu wiederholen
Pam Grier für Jackie Brown zu besetzen, weckt Erinnerungen an ihre früheren Rollen. Ihr Gesicht und ihre Präsenz im Bild können an Heldinnen der 1970er-Jahre erinnern, doch Jackie ist eine Flugbegleiterin mittleren Alters, die mit konkreten wirtschaftlichen und kriminellen Problemen konfrontiert ist. Der Film setzt Foxy Browns Lebensgeschichte nicht fort und schreibt Jackie nicht automatisch deren Fähigkeiten oder Lebensweg zu.
Die Hommage an die Blaxploitation in Jackie Brown lässt sich am besten erkennen, wenn man diese Veränderung betrachtet. Tarantino bewahrt Griers Bedeutung als Mittelpunkt des Bildes und verändert die Bedingungen des Konflikts. Die Hauptfigur muss abwägen, verhandeln und sich zunutze machen, was andere von ihr glauben. Ihre Erfahrung und ihre berufliche Situation spielen eine Rolle, die sich nicht auf die Pose einer unverwundbaren Heldin reduzieren lässt.
Die Figur Jackie Brown ist auch mit einer Geschichte von Zuneigung und späten Möglichkeiten verbunden. Der Film macht die vergangene Zeit in den Entscheidungen und Körpern sichtbar. Die Erinnerung an den Star verleiht der Figur eine zusätzliche Dimension, doch die Geschichte verlangt, dass Jackie als eigenständige Person existiert und nicht ständig auf frühere Rollen anspielt.
Der Einsatz von Across 110th Street rahmt diese Präsenz mit einem Lied, das mit einer anderen Kriminalgeschichte verbunden ist. Sein Auftakt bringt eine Kulturgeschichte und eine unverkennbare Energie mit, während Jackies Weg sie in einen Arbeitstag einbettet. Die Musik verleiht ihrem Auftritt Nachdruck, ohne die prekäre Lage auszublenden, die wir bald kennenlernen.
Jules und Django stehen vor anderen Konflikten
Jules Winnfield verfügt über eine sprachliche und körperliche Autorität, die an Bilder von Männlichkeit im schwarzen Populärkino anknüpfen kann. Seine Funktion in Pulp Fiction hängt jedoch von einer konkreten Krise ab: Er deutet ein Ereignis als Zeichen und überdenkt sein Leben. Wer ihn auf Slang und Stil reduziert, übersieht die Wandlung, die seinen Anteil am Ende in der Cafeteria prägt.
Samuel L. Jackson gestaltet eine Figur, die zwischen Vertrautheit, Bedrohung und Nachdenklichkeit wechseln kann. Jules' Verhältnis zu Vincent ist nicht mit dem eines einsamen Helden vergleichbar, der gegen eine äußere Organisation kämpft. Jules arbeitet innerhalb einer kriminellen Struktur und muss entscheiden, ob er ihr weiterhin angehören will. Der Vergleich mit der Blaxploitation macht bestimmte Gestaltungsmittel sichtbar, ersetzt aber nicht dieses spezifische Problem.
Django verortet die Geschichte in einem anderen historischen Kontext. Seine Hauptrolle spielt im Süden der Vereinigten Staaten zur Zeit der Sklaverei und greift Konventionen des Westerns und des Rachefilms auf. Die Verbindung des Nachnamens von Broomhilda von Shaft zu einer anderen filmischen Erinnerung mag eine Anspielung sein, macht die Sklaverei aber nicht zu einer bloßen Retro-Kulisse. Die Bedingungen, denen Django und Broomhilda ausgesetzt sind, stehen im Zentrum der Geschichte.
Soul und Funk in Tarantinos Filmografie stehen auch neben Musik aus anderen Epochen und Genres. Deshalb lässt sich nicht jedes Lied eines schwarzen Künstlers der Blaxploitation zuordnen. Herkunft und Funktion der Musik wechseln, und eine Musikauswahl kann eine neue Verbindung schaffen, ohne den ursprünglichen Kontext zu wiederholen.
Der Einfluss ist am fruchtbarsten, wenn die Unterschiede zwischen Darsteller, Figur und Tradition bestehen bleiben. Grier bringt ihre berufliche Geschichte mit; Jackie reagiert auf ihre eigene Situation; die Blaxploitation bietet ein Repertoire an Formen und Debatten. Tarantino bringt diese Ebenen miteinander in Kontakt und gestaltet sie je nach Film neu. Wer sie auseinanderhält, kann die Hommage würdigen, ohne unterschiedliche Identitäten und Erfahrungen zu einer einzigen austauschbaren Ästhetik zu verschmelzen.
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