Jackie Brown und Blaxploitation: Anspielungen auf Pam Grier

Jackie Brown holt Pam Grier als Hauptdarstellerin zurück und lässt die Erinnerung an Coffy und Foxy Brown Teil ihrer Leinwandpräsenz werden. Die Schauspielerin bringt eine Filmgeschichte mit, die manche Zuschauer sofort wiedererkennen. Für andere beginnt diese Geschichte mit Jackie: einer Frau, die arbeitet, sich Bedrohungen stellt und einen eigenen Ausweg finden muss.

Die Hommage an die Blaxploitation zeigt sich in erkennbaren Bezügen, etwa im Titeldesign, in der Musikauswahl und in bestimmten Namen der Besetzung. Sie prägt auch die Erwartungen, die Grier weckt, wenn sie im Mittelpunkt einer Szene steht. Der Film kann Erinnerungen an ihre früheren Rollen wachrufen und ihr anschließend Zeit lassen, zuzuhören, zu zweifeln oder eine Entscheidung zu treffen.

Der Zusammenhang wird klarer, wenn man jede Anspielung für sich betrachtet. Eine grafische Ähnlichkeit, ein Lied aus einem anderen Film und die Mitwirkung eines Schauspielers stellen unterschiedliche Verbindungen her. Zusammen verorten sie Jackie Brown im kollektiven Gedächtnis des afroamerikanischen Kinos; die Erzählung gibt ihnen eine Funktion, die mit dem Leben der Protagonistin verbunden ist.

Coffy und Foxy Brown sind zwei konkrete Bezugspunkte, um Pam Griers Präsenz in Jackie Brown zu verstehen. Die Einträge des BFI führen beide Filme als Werke von Jack Hill, die 1973 beziehungsweise 1974 in die Kinos kamen. Tarantino arbeitet mit einer Schauspielerin, deren Leinwandpräsenz bereits Geschichten von Action, Gefahr und Widerstand getragen hatte.

Pam Grier und die Erinnerung an ihre Protagonistinnen der Siebzigerjahre

Neil Mitchell verortet das Blaxploitation-Kino im kulturellen und wirtschaftlichen Wandel zu Beginn der Siebzigerjahre. In seinem Überblick für das BFI hebt er die Hauptrollen afroamerikanischer Darsteller, die Verbindung zu einem urbanen Publikum und die Bedeutung von Soul und Funk hervor. Er erinnert auch daran, dass diese Sichtbarkeit mit Kritik an den Klischees einherging.

In diesem Kontext zeigt Coffy Grier als Krankenschwester, die sich an denjenigen rächt, die ihrer Schwester mit Drogen geschadet haben. Die Protagonistin verbindet ihre Arbeit in der Pflege mit einer gewaltsamen Reaktion außerhalb des Berufs. An diesem Beispiel lässt sich erkennen, wie sehr sich eine Geschichte verändern kann, wenn dieselbe Schauspielerin eine andere Frau spielt, die unter Druck steht.

Im Gespräch mit Adrian Wootton und dem Publikum des BFI Southbank im Januar 1998 lehnte Tarantino es ab, Jackie Brown als Blaxploitation einzuordnen. Er verglich die Bedeutung von Griers Vergangenheit mit der von John Wayne, wenn dieser in einem Western auftritt. Seine Bewunderung für Pam Grierschloss Coffy ein, den er zu seinen Lieblingsfilmen zählte.

Der Vergleich hilft, zwei Arten der Rezeption zu betrachten. Wer den Star kennt, kann eine entschlossene Reaktion erwarten, sobald jemand versucht, sie zu beherrschen. Wer Grier neu entdeckt, kann auf die Signale achten, die der Film gibt: ihren Blick, die Zeit, die sie sich mit einer Antwort lässt, und die Aufmerksamkeit, die sie anderen schenkt. Beide Erfahrungen können sich auf dieselbe Figur beziehen, ohne auf dieselben Erinnerungen zurückzugreifen.

Grier verleiht dieser Vertrautheit eine zeitliche Dimension. Zuschauer, die sie schon früher gesehen haben, erleben eine andere Phase ihrer Leinwandpräsenz. Ihre Darstellung gibt dem Gewicht, was Jackie offenbar gelernt hat, und auch dem, was sie noch immer beunruhigt. Die Vergangenheit der Schauspielerin kann diesen Eindruck bereichern, doch die Erfahrung der Figur entsteht innerhalb dieser Geschichte.

Erkennbare Bezüge in den Titeln, der Besetzung und der Musik

Das American Film Institute nennt die Typografie von Foxy Brown als Vorlage für den Vorspann und weist auf die Rückkehr von Sid Haig hin, der in mehreren Filmen an Griers Seite spielte. Diese Elemente machen konkrete Verbindungen zu ihrem früheren Kino erkennbar, ohne jede Ähnlichkeit als bewusste Hommage zu werten.

Die Ähnlichkeit zwischen den Namen Foxy Brown und Jackie Brown kann die Verbindung für diejenigen verstärken, die beide Werke kennen. Sie lädt dazu ein, sich zu erinnern. Für die Deutung des Geschehens auf der Leinwand sind jedoch weiterhin Jackies Beziehungen und Lebensumstände entscheidend. Grier wiederzuerkennen weckt bestimmte Erwartungen; die Figur zu beobachten zeigt, was der Film daraus macht.

Die Musik eröffnet einen weiteren Zugang. ABKCO zufolge komponierte Bobby Womack 1972 die Musik für Across 110th Street. Die Verwendung von Across 110th Street in Jackie Brownverbindet zwei Filme durch eine Aufnahme, die ihre Identität bewahrt. In Verbindung mit Jackie erhält das Stück einen neuen Kontext: Stimme und Rhythmus werden mit einer Frau verknüpft, deren Lage wir nach und nach kennenlernen.

Eine Protagonistin, die Zeit braucht, um ihren Ausweg zu finden

Die Entscheidungen in Jackie Brownentwickeln sich in Begegnungen, in denen Jackie abwägen muss, was die anderen wissen und was sie besser preisgibt. Grier legt den Moment zwischen Zuhören und Antworten mit Bedeutung auf. Die Stärke der Figur kann darin sichtbar werden, ein schwieriges Gespräch durchzustehen, einer Bedingung vorläufig zuzustimmen oder abzuwarten, bevor sie ihre Absichten offenbart.

Der Flughafen und das Einkaufszentrum verorten ihre Bewegungen an gemeinsam genutzten Orten, an denen andere Menschen ihren gewohnten Tätigkeiten nachgehen. Die Kameraarbeit von Guillermo Navarroträgt zu diesem Verhältnis zwischen Figur und Umgebung bei. Jackie muss an Orten handeln, die anderen Zwecken dienen: Arbeiten, Einkaufen oder jemanden treffen. Ihr Tatendrang gewinnt an Gewicht, weil sie sich mit diesen Grenzen arrangieren muss.

Auch als Jackie einen Weg findet, sich zur Wehr zu setzen, verschwindet die Bedrohung nicht. Die Darstellung von Gewalt in Jackie Brownzeigt weiterhin die Folgen für alle, die Teil des Geschäfts sind. Die Erinnerung an einen Star, der sich durchsetzen kann, macht ihre Entscheidungen nicht sicher. Der Film bleibt daran interessiert, was Jackie erreichen kann und was sie dabei zu verlieren riskiert.

Man sollte vermeiden, den Vergleich so zu lesen, als wäre die gesamte Blaxploitation ein einheitliches Schema. Mitchells Überblick umfasst Krimis, Horrorfilme, Komödien und weitere Genres mit sehr unterschiedlichen Darstellungen. Die Anspielungen in Jackie Brown erschließen sich am besten, wenn man sie mit konkreten Filmen, Darstellern und Liedern in Verbindung bringt. Diese Genauigkeit macht sichtbar, was Tarantino aus seinen Vorbildern aufgreift und welche Funktion es in einer anderen Erzählung erhält.

Auch die literarische Vorlage fügt diesem Netz von Erinnerungen eine weitere Verbindung hinzu. Der Katalog des AFI führt Elmore Leonards Roman Rum Punch als Vorlage für die Verfilmung auf. Der Film vereint damit eine aus der Literatur stammende Geschichte und eine Protagonistin, deren Leinwandpräsenz auch an andere Filme erinnert. Beide Ursprünge können gleichzeitig wirksam sein, ohne das Ergebnis vollständig zu erklären.

Diese Unterscheidung ist hilfreich, wenn man eine Hommage erkennt. Die Frage, welche Geschichte verfilmt wird, beantwortet sich durch die Vorlage. Anspielungen auf Besetzung, Gestaltung oder Musik werfen dagegen die Frage auf, welche früheren Erfahrungen der Film beim Erzählen aufruft. Leser von Leonard und Zuschauer, die mit Grier vertraut sind, können unterschiedliche Aspekte derselben Szene wahrnehmen. Jackie Brown bietet einen Treffpunkt für diese Erinnerungen und für die Erfahrung derjenigen, die den Film ohne Vorkenntnisse sehen. Die Aufmerksamkeit für das Handeln der Figuren hält die Geschichte verständlich, während die Bezüge weitere Verbindungen eröffnen, die sich später entdecken lassen.