Die Bruceploitation machte Bruce Lees Abwesenheit zu einem Markt für Ersatzdarsteller. Sie mit Tarantino in Verbindung zu bringen, erfordert, dieses Phänomen vom direkten Einfluss des Schauspielers und des Martial-Arts-Kinos im Allgemeinen zu unterscheiden.
Ein Name, viele Körper
Bruceploitation bezeichnet den Filmzyklus, der das Image von Bruce Lee kommerziell ausschlachtete, insbesondere nach seinem Tod im Jahr 1973. Das charakteristische Merkmal war nicht einfach, Kampfsport zu zeigen: Vielmehr wurde eine gewisse Kontinuität mit einem Star versprochen, der keine neuen Filme mehr drehen konnte. Ähnliche Namen, wiedererkennbare Gesten und Werbestrategien begünstigten diese Assoziation. Die Ähnlichkeit konnte eine ausdrückliche Einladung zum Spiel sein oder dazu dienen, die Erwartungen des Publikums zu verwirren.
Bruce Li, Bruce Le, Bruce Liang und Dragon Lee gehören zu den Namen, die mit diesem Markt verbunden sind. Sie waren weder ein und dieselbe Person noch austauschbare Darsteller. Jeder Schauspieler hatte eigene Fähigkeiten, Arbeiten und Lebensumstände, auch wenn die Werbung sie oft auf ihre Ähnlichkeit mit einem anderen reduzierte. Dieser Unterschied zwischen einer individuellen Karriere und der Marke, die ihr aufgeprägt wird, ist entscheidend, um das Phänomen zu verstehen, ohne seine Protagonisten zu einer Sammlung von Witzen zu machen.
Der Dokumentarfilm Enter the Clones of Bruce, unter der Regie von David Gregory und 2023 vorgestellt, versammelt Aussagen mehrerer dieser Darsteller und von Fachleuten aus der Branche. Für diese Geschichte ist er interessant, weil er denjenigen eine Stimme gibt, die an den Filmen beteiligt waren. Er verlagert die Frage danach, ob eine Kopie überzeugend wirkte, hin zu der Frage, wie eine geliehene filmische Identität geschaffen, verkauft und in Erinnerung behalten wurde. Die Industriegeschichte endet nicht bei der körperlichen Ähnlichkeit.
Dieser Filmzyklus sollte von den Traditionen unterschieden werden, die in Chambara, Wuxia und dem asiatischen Martial-Arts-Kino erklärt werden. Wuxia verweist auf eine Welt von Helden und Erzählkonventionen; Kung-Fu bezeichnet ein wesentlich breiteres Feld des Kampfkinos; Bruceploitation beschreibt vor allem die kommerzielle Ausschlachtung des Images eines Filmstars. Ein Film kann Elemente mit diesen Bereichen teilen, ohne dass die Begriffe dasselbe bedeuten. Der Begriff beschreibt auch nicht das gesamte in den Siebzigern produzierte Kino Hongkongs.
Der Star im Filmverleih
Der Fall lässt sich nicht von der internationalen Verbreitung der Filme trennen. Synchronfassungen, alternative Titel und Plakate konnten die Identität eines Werks für einen anderen Markt neu gestalten. Für Zuschauer, die diese Filme in populären Kinos sahen, konnte die Verbindung zu Bruce Lee zunächst durch die Werbung und erst danach durch das auf der Leinwand Gezeigte entstehen. Der Zugang zum Produktionskontext war nicht unbedingt unmittelbar. Das Versprechen von Kontinuität konnte schwerer wiegen als die Genauigkeit der Credits.
Das bedeutet nicht, dass das gesamte Publikum getäuscht wurde. Man konnte auch eine erkennbare Variation genießen und ihre Übertreibungen akzeptieren. Ein Star weckt Erwartungen an Bewegung, Haltung und Präsenz; zu sehen, wie ein anderer Körper versucht, ihnen gerecht zu werden, kann Bewunderung, Enttäuschung oder Humor hervorrufen. Die Rezeption hängt davon ab, wie gut man das Original kennt und was man sich vom Kinobesuch verspricht. Nachahmung hat keine einzige, automatische Wirkung.
Der Körper ist besonders wichtig, weil Lees Ruhm mit einer bestimmten Art verbunden ist, sich zu bewegen und den Bildausschnitt einzunehmen. Eine Frisur oder einen Schrei nachzuahmen, ist unmittelbarer, als die Kombination aus Schnelligkeit, Kontrolle und Persönlichkeit wiederzugeben, die Zuschauer mit ihm verbinden. Diese Distanz kann unbeabsichtigt zum Mittelpunkt eines Films werden. Sie kann einem Darsteller aber auch ermöglichen, sich von der Nachahmung zu lösen und eigene Fähigkeiten zu zeigen – selbst wenn die Werbekampagne darauf beharrt, ihn als Ersatz darzustellen.
Wer diese Filme heute betrachtet, steht vor einem weiteren Unterschied: dem zwischen Spott und aufmerksamer Betrachtung. Eine fragwürdige Vermarktungsstrategie zu erkennen, verpflichtet nicht dazu, die gesamte darin enthaltene Arbeit abzuwerten. Die Choreografien, die Nebendarsteller und der Einfallsreichtum mancher Situationen können unabhängig vom Werbeversprechen interessant sein. Umgekehrt muss man nicht jede Verwendung von Lees Identität gutheißen, nur weil man diese Aspekte genießt. Beide Beobachtungen können nebeneinander bestehen, ohne den Filmzyklus pauschal als gut oder schlecht einzuordnen.
Welche Verbindung zu Tarantino besteht
Kill Bill stellt durch Beatrix’ gelb-schwarzes Outfit eine direkte Verbindung zur Ikonografie von Bruce Lee her. Diese Referenz reicht nicht aus, um den Film als Bruceploitation einzuordnen. Die Protagonistin wird weder als neue Darstellerin Lees vermarktet noch nimmt sie seinen Namen an. Das Kostüm ist Teil eines Geflechts von Referenzen, in dem auch andere Martial-Arts-Traditionen vorkommen. Ein vertrautes Bild wiederzuerkennen und einen kommerziellen Ersatz für einen Star zu schaffen, sind unterschiedliche Vorgänge.
Bruce Lees Auftritt als Figur in Once Upon a Time in Hollywood wirft eine andere Frage auf. Mike Moh verkörpert eine historische Figur in einer fiktiven Handlung; die Szene mit Cliff Booth lässt sich hinsichtlich ihrer Darstellung und der eingenommenen Perspektive diskutieren. Eine teilweise biografische Darstellung entspricht jedoch nicht automatisch dem Zyklus der Bruce-Lee-Doubles aus den Siebzigern. Wer darüber streitet, wie Lee dargestellt wird, muss diese Szene untersuchen, statt einfach wegen einer bloßen Ähnlichkeit ein Etikett anzuwenden.
Die fruchtbarste Verbindung zu Tarantino liegt in der Aufmerksamkeit für das Nachleben populärer Bilder. Eine Pose, ein Kleidungsstück oder die Art, einem Gegner die Stirn zu bieten, kann den Film überdauern, in dem sie bekannt wurde, und durch Nachahmungen und Hommagen weiterleben. Tarantinos Filme erkunden häufig dieses gemeinsame Gedächtnis. Zuschauer erkennen etwas wieder, bevor sie dessen Ursprung benennen können, und diese Vertrautheit verändert den Genuss der Szene.
Man muss keine Dialoge über Bruce Li oder Bruce Le erfinden, um diesen Vergleich anzustellen. Eine konkrete Zuschreibung erfordert, den Film, die Fassung und den Wortlaut zu bestimmen. Lässt sich das nicht überprüfen, ist es präziser, von kulturellen Affinitäten zu sprechen und sie von einem belegten Zitat zu unterscheiden. Bruceploitation beleuchtet den Markt, der eine einzigartige Filmikone umgab; mit Tarantino lässt sich darüber nachdenken, wie ihr Image weiterhin wiederverwendet, diskutiert und verändert wird, ohne dass all diese Vorgänge gleichbedeutend sind.
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