Battle Royale führt Tarantinos Auswahl von 1992 bis 2009 an

Als Tarantino über seine Lieblingsfilme seit 1992 sprach, bezog er sich auf einen konkreten Zeitpunkt: 2009. Battle Royale nahm in dieser Auswahl einen besonderen Platz ein. Der Zeitraum reicht nicht automatisch bis heute.

Der Ausgangspunkt ist Reservoir Dogs, der Abschluss das Jahr 2009

In einem 2009 ausgestrahlten Beitrag für Sky Movies wählte Tarantino Filme aus, die seit seinem Durchbruch mit Reservoir Dogs im Jahr 1992 erschienen waren. Battle Royale hob er besonders hervor. Die Aussage bezieht sich auf einen Zeitraum von siebzehn Jahren und eine persönliche Auswahl. Sie lässt sich nicht so verwenden, als würde sie auch alle Werke bewerten, die nach diesem Gespräch erschienen sind.

Das Datum verhindert ein häufiges Missverständnis. Eine Liste mit dem Titel „Lieblingsfilme seit 1992“ kann offen und zeitlich unbegrenzt wirken, wenn sie ohne Kontext wiedergegeben wird. Tatsächlich waren die nach 2009 erschienenen Titel bei dieser Auswahl nicht berücksichtigt. Ihr Fehlen bedeutet weder Ablehnung noch erlaubt es einen Vergleich mit der herausragenden Wahl. Für einen anderen Zeitraum braucht es eine andere Aussage.

Dass Battle Royale besonders hervorgehoben wurde, macht aus dem Rest der Auswahl auch keine starre Rangfolge. Bei der Präsentation wurde die erste Wahl kenntlich gemacht und die übrigen Titel alphabetisch geordnet. Die Zahl, die eine Zusammenstellung einem Titel voranstellt, kann der Reihenfolge beim Lesen entsprechen und muss keine Bewertung als Zweit-, Dritt- oder Viertplatzierter sein.

Die Bewunderung Tarantinos für Kinji Fukasakubietet einen umfassenderen Kontext. Hier geht es um den Film aus dem Jahr 2000 als eine Wahl innerhalb dieses Zeitraums. Wenn Regisseur, Datum und Rahmen der Aussage klar benannt werden, lässt sich genau erkennen, was empfohlen wird, ohne es durch eine allgemeine Bewertung der Gewalt im japanischen Kino zu ersetzen.

Was Battle Royale als Kinoerlebnis bietet

Battle Royale versetzt eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern in eine von Erwachsenen aufgezwungene Extremsituation. Die Ausgangslage macht frühere Beziehungen – Freundschaft, Rivalität, Begehren oder Misstrauen – zu Faktoren, die über das Überleben entscheiden können. Der Konflikt beginnt nicht erst, wenn eine Waffe auftaucht. Die Figuren bringen Bindungen mit, die durch die neue Situation auf unterschiedliche Weise verzerrt werden.

Der Film muss die Aufmerksamkeit auf viele Figuren verteilen und dafür sorgen, dass Entscheidungen rasch Folgen haben. An manchen Begegnungen lässt sich mit wenigen Gesten eine gemeinsame Geschichte erkennen; andere zeigen, wie schwer es unter Druck ist, die Absichten anderer zu deuten. Diese erzählerische Ökonomie hält das Geschehen in Bewegung, ohne alle Beteiligten gleich erscheinen zu lassen.

Auch der Kontrast zwischen institutionellen Regeln und der Verletzlichkeit junger Menschen prägt den Ton des Films. Die Gewalt wird durch Verfahren geregelt, die Normalität vortäuschen. Die Kälte dieser Darstellung kann ebenso verstörend sein wie die Übergriffe, denn eine unerträgliche Situation wird so zur Routine, die von denjenigen erklärt wird, die das System kontrollieren. Der Film macht die Kluft zwischen Autorität und Fürsorge sichtbar.

Diese Analyse des Films darf nicht mit einer Wiedergabe von Tarantinos Begründungen verwechselt werden. Seine Vorliebe ist belegt; die Betrachtung der filmischen Mittel kann unabhängig davon erfolgen. Ihm jede Interpretation eines Films zuzuschreiben, den er bewundert, würde eine fiktive Kritik erzeugen. Die Empfehlung ist ein Ausgangspunkt fürs Anschauen, kein Ersatz für das eigene Filmerlebnis.

Die übrige Auswahl erweitert den Blick

Zu den weiteren Filmen aus diesem Beitrag gehören Audition, The Host, Memories of Murder und Joint Security Area sowie Titel wie Dazed and Confused, Friday und Speed. Die Vielfalt macht es unmöglich, die Zusammenstellung als reinen Katalog von Geschichten über extreme Gewalt zu beschreiben. Komödie, Ermittlungsarbeit, Zusammenleben und Action nehmen darin jeweils unterschiedliche Plätze ein.

Dazed and Confused und Friday lenken den Blick auf die gemeinsam verbrachte Zeit der Figuren. Das Interesse kann aus Gesprächen, Wegen und Begegnungen entstehen, deren Bedeutung nicht von einer großen äußeren Mission abhängt. Speed bündelt seine Energie dagegen in einer unmittelbar verständlichen Gefahrensituation. Das klare Problem ermöglicht es der Handlung, eine Schwierigkeit nach der anderen und immer neue Variationen aufzufahren, ohne an Tempo zu verlieren.

Audition geht anders mit Erwartungen um. Die Ausgangssituation legt nahe, die Figuren anhand vertrauter Konventionen zu deuten, während der Film nach und nach das Vertrauen in diese Lesart erschüttert. Für den Vergleich mit den übrigen Filmen ist vor allem der Wechsel des Tons interessant: Das Publikum muss seine Vorstellung davon, was es gerade sieht, überdenken. Diese Veränderung hat wenig mit dem stetigen Vorwärtsdrang von Speed oder dem Zusammenleben in Friday gemein. Zusammen betrachtet zeigen die Filme sehr unterschiedliche Rhythmen, die dennoch gleichermaßen fesseln können.

The Host und Memories of Murder zeigen auf unterschiedliche Weise, wie populäre Genres mit Institutionen und kollektivem Verhalten zusammenhängen. Im einen Film stehen ein Monster und eine Familie im Mittelpunkt, im anderen eine Ermittlung. Der Vergleich innerhalb derselben Auswahl macht die Vielfalt möglicher Filmerlebnisse sichtbar, ohne zu behaupten, Tarantino habe sie alle aus demselben Grund ausgewählt.

Die Auswahl von 2009 ist nach wie vor interessant, weil sie Filme vereint, die das Publikum auf ganz unterschiedliche Wege führen können. Battle Royale ist die herausragende Wahl, doch die Zusammenstellung zwingt nicht dazu, in jedem Titel eine Nachahmung dieses Films zu suchen. Wer Datum und Art der Reihenfolge richtig einordnet, vermeidet es, neue Ranglisten zu erfinden. Dann bleibt die lohnendste Aufgabe: die Filme anzusehen, auf ihre Unterschiede zu achten und herauszufinden, welche Energie, welchen Humor oder welche Spannung jeder einzelne entfaltet.

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