Schultz kennt die Verbrechen, für die er die Brittle-Brüder verfolgt; Django kennt ihre Gesichter und das Leid, das sie verursacht haben. Dieser Unterschied macht das Bündnis möglich.
Drei Flüchtige, zwei unterschiedliche Geschichten
Die Brittle-Brüder sind Big John, Ellis und Roger, der auch unter dem Spitznamen Lil Raj bekannt ist. Sie arbeiten als Aufseher und waren an der Gewalt beteiligt, die Django und Broomhilda erleiden mussten. Dargestellt werden sie von M. C. Gainey, Doc Duhame und Cooper Huckabee. Ihre Rolle verbindet eine Kopfgeldjagd mit einer persönlichen Geschichte von Trennung und Bestrafung.
Für Schultz sind die Brüder gesuchte Männer, deren Aufspüren ihm Geld einbringen kann. Das Problem besteht darin, sie zu identifizieren. Für Django hingegen sind ihre Gesichter mit Ereignissen verbunden, die er nicht erst auf einem Steckbrief nachlesen muss. Die Zusammenarbeit kommt zustande, weil jeder über einen Teil der Informationen verfügt, die der andere braucht.
Dieser Unterschied begründet eine weniger eindeutige Hierarchie, als es zunächst scheint. Schultz hat Geld, Waffen und die Möglichkeit, mit den Behörden zu sprechen. Django verfügt über unersetzliches Wissen. Obwohl der Kopfgeldjäger zunächst die Richtung vorgibt, kann er die Aufgabe nicht mit seinen üblichen Mitteln erledigen, ohne dem Mann zuzuhören, den er gerade aus einer Kette von Gefangenen befreit hat.
Die Brittle-Brüder dürfen nicht mit den Speck-Brüdern aus der Eröffnungsszene verwechselt werden. Die Specks transportieren Django, als Schultz ihn findet; die Brittles sind das Ziel, dessentwegen Schultz nach ihm sucht. Wer die beiden Gruppen auseinanderhält, versteht die Kausalität zu Beginn, ohne alle gewalttätigen Männer derselben Familie oder derselben Funktion zuzuordnen.
Die Erinnerung an die Bestrafung und das Aufspüren auf der Plantage
Djangos Erinnerungen an Django zeigen, wie die Brittles mit der Bestrafung Broomhildas verbunden sind. Diese Erinnerung wird nicht als neutrale Informationsgabe präsentiert. Sie lässt das Publikum an einem Erlebnis teilhaben, das in der Gegenwart noch nicht wiedergutgemacht ist, und erklärt, warum das Wiedererkennen dieser Männer weit mehr bedeutet, als einen beruflichen Auftrag zu erledigen.
Ihre Gewalt wird durch ihre Stellung als Aufseher ermöglicht. Auf einer Plantage können sie Befehle erteilen, drohen und bestrafen. Diese lokale Machtstellung besteht neben dem Umstand, dass sie wegen anderer Verbrechen gesucht werden. Der Film zeigt einen Widerspruch in diesem Umfeld: Von der Justiz verfolgte Männer können einen Ort finden, an dem sie über Menschen herrschen, deren Freiheit das System nicht schützt.
Schultz und Django finden sie bei der Arbeit auf dem Anwesen von Big Daddy. Der Ortswechsel hat nichts daran geändert, wie sie mit versklavten Menschen umgehen. Dass sie sich weiterhin gleich verhalten, macht das Wiedererkennen zugleich zur Erkenntnis eines Musters: Das Leid des Ehepaars war kein Ereignis, das sie dazu gebracht hätte, ihre Stellung aufzugeben.
Bei der Suche werden zwei Schauplätze gleichzeitig genutzt. Schultz führt ein Gespräch mit dem Plantagenbesitzer, während Django das Gelände durchstreift. Der eine gibt sich geschäftsmäßig; der andere beobachtet und erkennt die Männer wieder. Durch diese Aufteilung wird die Erinnerung des ehemaligen Gefangenen zu einer aktiven Fähigkeit, die bei einer gemeinsamen Unternehmung zum Einsatz kommt.
Djangos Reaktion auf Big John markiert einen entscheidenden Wendepunkt. Der Mann, der die Bestrafung früher nicht verhindern konnte, kann nun eine weitere Gewaltsituation unterbrechen. Die Vergangenheit kehrt nicht nur zurück, um seinen Schmerz zu erklären: Sie hilft ihm, den richtigen Moment zum Eingreifen zu erkennen. Aus Erinnerung wird Initiative, und genau darin liegt die Bedeutung der Konfrontation.
Was sich nach dem Tod der Brüder ändert
Die Hinrichtung der Brittles auf der Plantage ist kein formelles Duell zwischen Gegnern, die mit gleichwertigen Voraussetzungen antreten. Die Szene kehrt ein früheres Machtverhältnis um. Ihre Genugtuung entsteht daraus, dass das Publikum dieses Ungleichgewicht kennt und erkennt, dass Django dieselben Männer, die an seiner Bestrafung beteiligt waren, nicht länger anflehen muss.
Die Brüder sind unterschiedlich stark im Film zu sehen, fungieren aber als Gruppe von Verfolgten. Big John steht im Mittelpunkt der Konfrontation, die am stärksten mit Broomhildas Erinnerung verbunden ist; die anderen vervollständigen das Ziel der Suche. Um die Funktion jedes einzelnen Auftritts zu erklären, muss man weder interne Rivalitäten noch eine komplexe Verbrecherorganisation oder eine ausführliche Lebensgeschichte erfinden.
Das Eingreifen von King Schultz bleibt notwendig. Die Flüchtigen zu identifizieren und zu töten, löst die Reaktion des Plantagenbesitzers und seiner Männer nicht automatisch aus. Der Kopfgeldjäger nutzt die Papiere, um die Tötungen als Vollstreckung eines Auftrags darzustellen. Djangos persönliche Wiedererkennung und die Legitimation durch Schultz wirken auf unterschiedlichen Ebenen und sind beide nötig, um den Ort zu verlassen.
Die Auszahlung und die versprochene Freiheit ermöglichen es, die erste Vereinbarung abzuschließen. Von da an müssen sie sich neu entscheiden, ob sie zusammenbleiben. Die Brittles sind nicht länger das einzige Bindeglied zwischen den Protagonisten, und die Handlung kann sich der Suche nach Broomhilda zuwenden. Ihr Tod löst den Hauptkonflikt nicht, beseitigt aber den rein zweckgebundenen Grund, der die beiden Männer zusammengeführt hat.
Die Szene legt auch nicht nahe, dass Django sofort zu einem vollkommen erfahrenen Kopfgeldjäger geworden ist. Er hat Verantwortliche wiedererkannt und entschlossen gehandelt; noch muss er lernen, andere Situationen richtig einzuschätzen und die Widersprüche dieses Berufs auszuhalten. Die Begegnung mit den Brittles ist ein Schritt in die Selbstständigkeit, aber keine vollständige Erklärung all seiner späteren Fähigkeiten.
Die drei Brüder verdichten so zwei Vergangenheiten: die Akte, die Schultz abschließen will, und die Wunde, die Django mit sich trägt. Ihre Bedeutung liegt darin, dass diese Interessen für eine Weile zusammenfallen. Sobald die Brüder aus dem Weg sind, kann sich die Zusammenarbeit wandeln und zu einem Bündnis werden, dessen Ziel nicht mehr nur darin besteht, Schuldige zu finden, sondern einen lebenden Menschen zurückzuholen.
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