Lo chiamavano King: Bacalov zeigt eine andere Seite von Schultz

Lo chiamavano King stammt aus dem Western von 1971, der unter dem Titel His Name Is King bekannt ist. Seine Musik begleitet Django und Schultz nach der Auseinandersetzung mit dem Sheriff beim Verlassen des Ortes und stellt eine filmische Verbindung zum Namen des Deutschen her.

Ein Thema aus einem anderen Western findet einen neuen King

Luis Bacalov komponierte die Musik zu Lo chiamavano King, einem Western von 1971 unter der Regie von Giancarlo Romitelli. Django Unchained greift das Hauptthema nach der Szene wieder auf, in der Schultz den Sheriff tötet und seine Eigenschaft als gesuchter Flüchtiger erklärt. So wird der Aufbruch aus dem Ort zu einem Moment musikalischer Selbstbehauptung: Das Duo kann seinen Weg fortsetzen, nachdem eine Situation beinahe damit geendet hätte, dass es von den örtlichen Ordnungshütern umzingelt wurde.

Der Name King stellt unmittelbar eine Verbindung zu Dr. King Schultz her. Diese Übereinstimmung lässt ein Lied aus einer anderen Geschichte so wirken, als kommentiere es die Präsenz der von Christoph Waltz gespielten Figur. Sie macht jedoch nicht die Biografie des Protagonisten des Westerns von 1971 zur geheimen Biografie des Zahnarztes. Die Textbezüge gehören zu einem früheren Werk und dürfen nicht als Beleg für Verwandte, Rache oder Ereignisse herangezogen werden, die Django Unchained nicht bestätigt.

Dieser Unterschied ist wichtig, denn Tarantino arbeitet mit Musikstücken, die bereits Bedeutung mitbringen. Die Auswahl kann ein Wort, eine Haltung oder eine Erinnerung an ein Genre aufgreifen, ohne sämtliche Ereignisse der ursprünglichen Handlung zu übernehmen. Das Publikum erkennt eine Affinität, und der Film nutzt sie, doch diese Affinität bleibt eine Beziehung zwischen Werken. Sie wird nicht automatisch zu einer erzählerischen Information, die eine Figur innerhalb der Szene ausspricht.

Das Thema verleiht Schultz an einer frühen Stelle der Handlung eine legendäre Dimension. Bis dahin haben wir ihn verhandeln, beobachten und mit einer Mischung aus Höflichkeit und plötzlicher Gewalt handeln sehen. Die Musik verdichtet diesen Eindruck in einem Aufbruch, der seine Kontrolle über die Situation zu bestätigen scheint. Django, der noch lernt, seinen Begleiter einzuschätzen, entdeckt gemeinsam mit dem Publikum einen Mann, dessen professionelles Auftreten seinen Beruf nicht vollständig erklärt.

Das Gesetz als Mittel der Inszenierung

Die Szene mit dem Sheriff zeigt, dass Schultz sich nicht allein auf seine Schnelligkeit mit der Waffe verlässt. Er kennt sich mit den Dokumenten aus und nutzt die Sprache, um die Deutung dessen zu verändern, was er gerade getan hat. Was wie der Mord an der höchsten örtlichen Autorität aussieht, wird anschließend als Vollstreckung eines Haftbefehls gegen einen gesuchten Flüchtigen dargestellt, auf den ein Kopfgeld ausgesetzt ist. Die Szene begründet seine Macht durch eine Kombination aus Gewalt, Wissen und der Fähigkeit, das Gespräch zu lenken.

Die Musik setzt ein, nachdem diese Demonstration bereits ihre Wirkung entfaltet hat. Schultz braucht sie nicht, um seine rechtliche Argumentation vorzubringen, doch sie verwandelt den Aufbruch in eine Art stilisierte Bestätigung. Die Figur hat vor den Augen der Einwohner ein Problem geschaffen und anschließend dessen Rahmen neu bestimmt. Das Thema lässt das Publikum die Szene als Teil einer beruflichen Identität aufnehmen, die Django im Laufe seiner Ausbildung verstehen muss.

Auch die Tatsache, dass die beiden gemeinsam aufbrechen, ist wichtig. Django ist kein außenstehender Beobachter, der verschwindet, nachdem er das Geschick des Deutschen erlebt hat. Seine unmittelbare Zukunft ist nun mit dieser Art zu handeln verbunden. Die Sequenz vermittelt erstmals, wie die Kenntnis der Regeln in einem feindseligen Umfeld Handlungsspielraum schaffen kann. Sie begründet keine Gleichberechtigung zwischen den beiden, stellt aber eine Verbindung her, die der Film durch Arbeit, Gespräche und gemeinsame Entscheidungen weiterentwickeln wird.

Der musikalische Tonfall verhindert, dass die Szene in einem rein bürokratischen Register verharrt. Die Papiere und Kopfgelder sind entscheidend, doch der Film bleibt ein Western, der einprägsame Figuren erschafft. Das Lied verwandelt das Ergebnis einer Verhandlung in Bewegung. Der Aufbruch aus dem Ort weist den Figuren den Weg zum nächsten Abschnitt ihrer Reise und lässt eine Situation hinter ihnen, die zuvor die Aufmerksamkeit aller Anwesenden auf sich gezogen hatte.

Bacalov zwischen Einführung und Lernen

Bacalovs Mitwirkung an Bacalov im Film erfüllt unterschiedliche Funktionen. Das Anfangsthema Django hatte die Hauptfigur angekündigt; Lo chiamavano King hebt hier eine andere Seite von Schultz hervor. Man muss sich kein starres System vorstellen, in dem jeder Komponist ausschließlich einer Figur zugeordnet ist. Die Auswahl ist flexibler: Verschiedene Stücke können Momente und Beziehungen beleuchten, die sich im Verlauf der Geschichte verändern.

In diesem Fall verbindet die Übernahme den Beruf des Kopfgeldjägers mit einer Filmtradition, die das Publikum auch dann wiedererkennen kann, wenn es Romitellis Film nicht gesehen hat. Stimme, Melodie und Schwung des Themas zeichnen ein markantes Bild einer Figur, die reitet und nach eigenen Maßstäben handelt. Diese Energie passt zu Schultz, auch wenn die Figur im Film besondere Eigenschaften behält, die nicht von der musikalischen Referenz abhängen.

Für Django bedeutet die Szene eine Erweiterung der Welt, die ihm offensteht. Er hat gerade eine Lage hinter sich gelassen, in der andere über seinen Weg bestimmten, und beobachtet nun einen Mann, der einer Bedrohung mit einer Kombination verschiedener Mittel begegnen kann. Die Musik macht diese Demonstration einprägsam, doch das spätere Lernen wird auch Grenzen und Widersprüche zeigen. Schultz kann mit bestimmten Regeln umgehen, ohne das gesamte System der Sklaverei oder all seine eigenen Reaktionen kontrollieren zu können.

Lo chiamavano King dient somit zugleich als indirekte Einführung und als Übergang. Der Titel tritt in Dialog mit dem Namen des Zahnarztes, seine Herkunft erinnert an einen anderen Western und seine Platzierung feiert einen vorläufig gelungenen Aufbruch. Keine dieser Funktionen erfordert, für Schultz eine Vorgeschichte zu erfinden. Die Stärke der Übernahme liegt in der Beziehung, die sie vor unseren Augen schafft: Zwei Männer lassen den Ort hinter sich, und die Musik verleiht ihnen auf diesem Weg für einen Moment eine Größe, die über den eben bewältigten Zwischenfall hinausgeht.

Weitere Informationen im Leitfaden zu Django Unchained.