Emile Hirsch, Samantha Robinson und Costa Ronin verkörpern drei reale Personen aus Sharon Tates Umfeld. Der Film räumt ihnen unterschiedlich viel Raum ein, doch ihre Gesellschaft verändert die Bedeutung des Hauses und der letzten Nacht.
Jay Sebring und eine Freundschaft, die nach der Liebesbeziehung weiterbesteht
Jay Sebring war ein auf Herrenfrisuren spezialisierter Friseur mit engen Verbindungen zu Hollywood. Seine Arbeit war Teil des Erscheinungsbilds der Stars, auch wenn dieser Beruf weniger sichtbar ist als Schauspiel oder Regie. Außerdem war er mit Sharon Tate liiert gewesen und blieb danach mit ihr befreundet. Diese beiden Aspekte erklären seine Vertrautheit mit dem Umfeld der Schauspielerin, ohne ihn auf einen anonymen Gast zu reduzieren, der nur in der letzten Nacht auftaucht.
Emile Hirsch verkörpert ihn als vertraute, regelmäßig anwesende Person. Der Film zeigt ihn unterwegs, in Gesprächen und bei gemeinsamen Momenten, sodass seine Verbindung zu Sharon keiner langen biografischen Erklärung bedarf. Das Vertrauen zeigt sich darin, wie selbstverständlich er sich an ihrer Seite bewegt. Diese Natürlichkeit ist wichtig: Die Erzählung zeigt ein Netz aus Zuneigung, das nicht ausschließlich von der Ehe zwischen Tate und Roman Polanski abhängt.
Steve McQueens Gespräch während der Party eröffnet eine Deutung der Liebesbeziehungen innerhalb der Gruppe. Man sollte es als Kommentar einer Filmfigur verstehen, nicht als unfehlbaren Einblick in Sebrings Gedanken. Eifersucht, Erwartungen und die Beziehungen zwischen ehemaligen Liebenden lassen sich unterschiedlich interpretieren, doch der Film entfaltet keine Untersuchung dieser Fragen. Die sichtbare Freundschaft hat dramatisch mehr Gewicht als jede externe Spekulation über eine mögliche Wiedervereinigung des Paares.
Am Ende übernimmt Jay zudem eine verbindende Funktion. Nach dem Zwischenfall geht er hinaus, um mit Rick zu sprechen, und stellt den Kontakt zwischen dem Schauspieler und dem Nachbarhaus her. Sein Auftritt ist nicht bloß schmückendes Beiwerk: Durch seine Initiative wird aus der räumlichen Nähe ein Gespräch. Als jemand, der bereits zum Freundeskreis gehört, kann er den Fremden erkennen, ihm zuhören und ihn hineinbitten. Diese kleine soziale Geste hat größere emotionale Folgen, als ihre kurze Dauer vermuten lässt, denn sie ermöglicht einen Eintritt, den Rick sich seit Monaten ausgemalt hatte.
Abigail und Wojciech im gemeinsamen Zuhause
Abigail Folger, gespielt von Samantha Robinson, gehörte zur Familie, die mit dem Kaffeeunternehmen Folgers verbunden war. Wojciech Frykowski, gespielt von Costa Ronin, war Pole und schon vor Polanskis Zeit in den USA mit ihm befreundet. Die beiden waren ein Paar und gehörten zu Tates engerem Umfeld. Ihre Nachnamen mögen aus der Geschichte des Verbrechens bekannt sein, doch der Film zeigt sie als Teil eines gemeinsamen Alltags und nicht als Namen auf einer Liste, die ihren Opferstatus vorwegnimmt.
Sie sind kürzer zu sehen als Sharon und Jay. Die Erzählung geht weder auf ihre beruflichen, familiären oder schulischen Lebenswege ein, und diese Lücke sollte man anerkennen, statt sie mit vermeintlich versteckten Hinweisen zu füllen. Ihre Funktion besteht vor allem darin, ein gemeinsames Leben spürbar zu machen: Um die Schauspielerin herum gibt es weitere Menschen, Gespräche und Routinen. Das Anwesen ist keine leere Kulisse, in der eine isolierte Berühmtheit lebt, sondern ein vorübergehendes Zuhause, in dem Beziehungen gelebt werden.
Diese Darstellung hat eine Stärke und eine Grenze. Sie zeigt die beiden lebendig und entspannt, ohne dass sie von der Bedrohung wissen, die das Publikum erwartet, bietet aber keine vollständigen Porträts ihrer individuellen Persönlichkeiten. Allein in einer häuslichen Szene aufzutauchen bedeutet noch nicht, dass ein Film ein Leben erzählt hat. Wer die Kürze ihrer Rollen anerkennt, schreibt Tarantino keine biografische Rekonstruktion zu, die er gar nicht unternimmt, und kann genauer beurteilen, welche Art von Präsenz er ihnen tatsächlich einräumt.
Der Unterschied zu Rick und Cliff ist aufschlussreich. Die fiktiven Figuren erhalten berufliche Konflikte, Erinnerungen und ausführliche Gespräche; die historischen Personen werden in alltäglichen Momentaufnahmen gezeigt. Die Montage verteilt die Informationen nicht gleichmäßig. Bei Sharon Tate wird der Blick durch eigenständige Wege und Erlebnisse erweitert. Bei Abigail und Wojciech steht die Zugehörigkeit zu einem Freundeskreis im Vordergrund – eine erzählerische Entscheidung, die Gemeinschaft und Atmosphäre bewahrt, aber einen großen Teil ihres Lebens außerhalb des Bildes lässt.
An alle fünf erinnern, ohne die Szene zu einer Nachstellung des Verbrechens zu machen
Sebring, Folger und Frykowski wurden in der Nacht zum 9. August 1969 gemeinsam mit Tate und Steven Parent in Cielo Drive ermordet. Parent war zu Besuch beim Grundstücksverwalter gewesen; er darf nicht mit einem weiteren Mitglied des Abendessens und des engen Freundeskreises verwechselt werden, den der Film zeigt. Ihn zu nennen ist wichtig, damit die Auswahl der zentralen Figuren im Film nicht versehentlich die Zahl der historischen Opfer verringert.
Tarantinos Erzählung verändert den Verlauf jener Nacht und verlagert die Gewalt an einen anderen Ort. Sein alternatives Ende zeigt weder den Tod dieser Menschen noch gibt es vor, darzustellen, wie sie tatsächlich überlebt hätten. Die emotionale Wirkung entsteht daraus, dass das Kino ihnen eine imaginäre Fortsetzung ihres Lebens schenkt. Deshalb kann ein gewöhnliches Gespräch so bedeutsam sein: Es lässt jemanden, der durch seinen realen Mord bekannt ist, einige Minuten lang handeln, ohne ihn in einer Nachstellung seiner letzten Augenblicke gefangen zu halten.
Die Anwesenheit der Freunde sorgt auch dafür, dass die abschließende Einladung nicht bloß eine individuelle Belohnung für Rick ist. Er betritt einen Raum, in dem bereits eine Gemeinschaft mit eigener Geschichte und Beziehungen besteht, die sich nicht um seine Karriere drehen. Jay, Abigail und Wojciech erinnern daran, dass Sharon innerhalb der Erzählung zu retten bedeutet, eine ganze Welt von Beziehungen zu bewahren. Der Film entfaltet diese Welt nicht vollständig, lässt ihre Fortdauer aber offen: Die Freunde können weiter zusammen sein, und der Nachbar kann als Gast hinzukommen – nicht als Zeuge einer Tragödie.
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