Vernita Green, gespielt von Vivica A. Fox, ist ein ehemaliges Mitglied von Bills Truppe und unter dem Namen Copperhead bekannt. Als Beatrix bei ihr zu Hause auftaucht, führt sie in Pasadena ein Familienleben und gibt sich in ihrem Umfeld als Jeanne Bell aus. Die Frau, die am Überfall auf die Kapelle beteiligt war, ist nun Mutter von Nikki. Dadurch findet die Konfrontation zwischen den Gegenständen und Verpflichtungen eines bewohnten Hauses statt.
Vernita ist die erste Gegnerin, gegen die Beatrix in Kill Bill: Vol. 1 kämpft, obwohl O-Ren Ishii zu diesem Zeitpunkt bereits tot ist. Ihre Position zu Beginn der Erzählung macht früh eine Schwierigkeit der Rache deutlich: Die Gesuchten haben ihr Leben weitergelebt, während die Protagonistin im Koma lag.
Die Figur beteuert, sich geändert zu haben, und bittet darum, ihre Tochter zu berücksichtigen. Der Film zeigt ihren Wunsch, diese Familie zu bewahren, ebenso wie ihre Fähigkeit, wieder Gewalt anzuwenden. Ob ihre mütterliche Zuneigung aufrichtig ist und wie sie für ihre früheren Taten zur Verantwortung gezogen werden sollte, bleibt dem Urteil des Publikums überlassen.
In Vernitas Auftritt vereinen sich zwei Identitäten, die Beatrix sofort erkennt. Ihre frühere Kameradin weiß, wer vor ihr steht, während die Familie und die Nachbarschaft zu einem Leben gehören, das sie sich später aufgebaut hat. Innerhalb weniger Minuten löst die Begegnung diese Trennung auf: Copperhead muss sich in Jeanne Bells Haus ihrer Vergangenheit stellen.
Jeanne Bell und das Leben, das sie sich aufgebaut hat
Vernita nimmt den Namen Jeanne Bell an und ist mit Dr. Lawrence Bell verheiratet. Das Haus in Pasadena vermittelt den Eindruck von Stabilität: Eine Tochter kommt aus der Schule nach Hause, und eine Mutter kümmert sich um sie. An diesem Umfeld lässt sich ablesen, wie sehr sich Vernitas Situation seit dem Angriff auf Beatrix verändert hat, ohne dass gezeigt wird, wie es dazu kam.
Der Name, den sie im häuslichen Umfeld trägt, bestimmt, wer sie erkennen kann. Für jemanden, der nur Mrs. Bell kennt, gehört Copperhead zu einer unzugänglichen Vergangenheit. Beatrix besitzt genau dieses Wissen: Sie kann die neue Identität durchdringen, weil sie sich an die Frau erinnert, die unter Bills Befehl handelte. Das Geheimnis verliert seine Wirkung, sobald jemand auftaucht, der beide Leben miteinander in Verbindung bringen kann.
Nikki steht für eine Beziehung, die nicht von der Truppe abhängt. Ihre Fragen und ihr Vertrauen gelten ihrer Mutter, die sie nur in der Gegenwart kennt. Vernita versucht, diesen kindlichen Blick zu bewahren und zugleich eine Situation unter Kontrolle zu halten, die etwas für das Mädchen Unbegreifliches ans Licht bringen könnte. Mutterschaft zeigt sich hier ganz konkret: Sie bedeutet, sich um jemanden zu kümmern, der die Gefahr nicht kennt und eine alltägliche Antwort erwartet.
Die Veränderung, die Vernita von Beatrix anerkannt haben möchte
Im Gespräch räumt Vernita ein, Beatrix geschadet zu haben, und behauptet, inzwischen ein anderer Mensch zu sein. Ihre Verteidigung stützt sich auf das, was danach geschehen ist: Die vergangene Zeit und Nikkis Existenz sollten ihrer Ansicht nach das Urteil beeinflussen, das sie erwartet. In ihren Worten nimmt die gemeinsame Vergangenheit weniger Raum ein als die Familie, die sie verlieren könnte.
Die Situation schränkt ein, was sich über ihre Reue sagen lässt. Beatrix kommt, um sie zu töten, und Vernita muss ein Argument finden, das sie davon abhält. Ihre Bitte kann Ausdruck einer echten Veränderung sein und zugleich aus dem unmittelbaren Bedürfnis zu überleben entstehen. Der Film zeigt ihre Aussage und ihre Entscheidungen unter Druck, ohne die dazwischenliegenden Jahre nachzuzeichnen.
Diese Kombination lässt die häusliche Normalität brüchig erscheinen. Ein anderes Leben kann Vernitas Gefühle und Prioritäten verändern, doch es macht den Schaden, den sie angerichtet hat, nicht ungeschehen. Als die Verhandlung in einen erneuten Angriff mündet, zeigt sich wieder, dass sie bereit ist, sich einen Vorteil gegenüber ihrer Gegnerin zu verschaffen. Der genaue Verlauf entfaltet sich in dem Kampf zwischen Beatrix und Vernita Green, vom ersten Zusammenstoß bis zum Bruch der Vereinbarung.
Vivica A. Fox: vom Kampf zum Alltag
Fox verändert Vernitas Auftreten je nachdem, wer sie beobachtet. Gegenüber Beatrix muss sie ihre Bedrohlichkeit bewahren; gegenüber Nikki muss sie eine Erklärung finden und die Kontrolle über das häusliche Umfeld zurückgewinnen. Der Versuch, zwischen diesen beiden Beziehungen zu wechseln, lässt beide Seiten der Figur in der Szene nebeneinander bestehen. Als das Mädchen hereinkommt, verändert sich, was Vernita vor ihr sagen und tun kann.
In dem 2018 von TIME veröffentlichten Auszug aus ihren Memoiren erinnert sich Fox an Monate körperlicher Vorbereitung zusammen mit anderen Darstellerinnen. Dieses Training hilft zu verstehen, welche körperliche Sicherheit die Rolle erfordert. Der Kampf muss glaubhaft machen, dass Beatrix einer ehemaligen Profi-Kämpferin gegenübersteht, selbst wenn die Umgebung voller vertrauter Dinge ist.
Auch im Gespräch zeigt sich diese Kompetenz. Vernita beobachtet die Reaktionen ihres Besuchs, stellt Bedingungen und versucht zu entscheiden, wann sie handeln kann. Selbst in der Gesprächspause bleibt sie aktiv. So lässt die Szene Copperhead in der Frau erkennen, die Kaffee anbietet, von ihrer Tochter spricht und versucht, in ihrem eigenen Haus die Oberhand zu behalten.
Auch die erste Begegnung zwischen Schauspielerin und Figur fand in einer Küche statt. In ihren Memoiren erzählt Fox, dass Tarantino zu ihr nach Hause kam, um mit ihr eine Szene zu lesen, und dafür diesen Raum auswählte. Nach mehreren Wiederholungen teilte er ihr mit, dass sie Vernita spielen würde. Die Erinnerung macht deutlich, wie sehr die Figur von einem Gespräch an einem vertrauten Ort geprägt ist.
In einer Küche treffen einfache Tätigkeiten, kurze Distanzen und Gegenstände zusammen, die beide Gesprächspartnerinnen erreichen können. Für die Darstellung erfordert dieser Raum eine ständige Aufmerksamkeit für die andere Person: Etwas zu servieren, die Position zu verändern oder zu einer Tür zu blicken kann den Sinn eines Satzes verändern. Die Spannung bleibt bestehen, auch wenn die körperliche Aktivität nachlässt.
Vernita muss sich in derselben Begegnung sowohl als Gastgeberin als auch als Gegnerin verständlich machen. Fox hat nur wenig Zeit, diese doppelte Beziehung aufzubauen, sodass jeder Wechsel des Tons ins Gewicht fällt. So bleibt die Figur durch eine besondere Art in Erinnerung, ihr Territorium zu verteidigen und von dort aus zu sprechen.
