Jules isst kein Schweinefleisch, weil er Schweine für schmutzige Tiere hält. Das ist seine Erklärung, als Vincent ihm beim Frühstück Speck anbietet – während sie Pulp Fiction schauen. Vincent fragt, ob seine Ablehnung daran liegt, dass er Jude ist, doch Jules verneint. Das Gespräch zeigt eine persönliche Vorliebe, die mit einem Urteil über das Tier begründet wird, ohne dass ein religiöses Verbot ins Spiel kommt.
Die Diskussion geht weiter, weil Vincent einen Weg findet, Jules’ Maßstab auf die Probe zu stellen: Hunde tun schließlich auch unangenehme Dinge. Jules unterscheidet daraufhin zwischen der Schmutzigkeit des einen und des anderen Tiers und gesteht Hunden eine Persönlichkeit zu, die ihre Mängel für ihn aufwiegt. Vincent führt die Ausnahme weiter und bringt ein hypothetisches Schwein mit genügend Charme ins Spiel.
Der Austausch findet vor dem Überfall auf das Diner statt und behält den Ton eines Gesprächs zwischen Kollegen, die sich gut kennen. Das Essen liefert ihnen einen kleinen Streitpunkt, über den sie diskutieren, Witze machen und herausfinden können, wie weit der andere geht, um sein Argument zu verteidigen.
Jules’ Ablehnung kommt beim Frühstück mit Vincent zur Sprache, nachdem sie das Problem mit dem Auto gelöst haben. In Pulp Fiction (Quentin Tarantino, 1994) führt Vincents Angebot, den Speck zu probieren, zu einer Diskussion über Geschmack und Abscheu. Die beiden Figuren vertreten ihre Standpunkte mit unterschiedlichen Maßstäben. So entwickelt sich eine einfache Frage durch immer speziellere Einwände zu einem längeren Gespräch.
Jules’ Ablehnung und die Frage nach der Religion
Jules Winnfield erklärt, dass er keine Schweinefleischprodukte isst. Sein Kollege versucht mit einer Frage zum Judentum herauszufinden, woran das liegt, erhält aber eine verneinende Antwort. Diese Klarstellung ist wichtig, denn sie verhindert, dass Jules eine religiöse Identität zugeschrieben wird, die im Dialog nicht genannt wird. Ebenso wenig lässt sich seine Vorliebe auf Samuel L. Jackson übertragen, den Schauspieler, der ihn spielt.
Jules begründet seine Ablehnung mit dem Verhalten, das er dem Tier zuschreibt, und dem Abscheu, den dieses Verhalten bei ihm auslöst. Die Szene überprüft nicht, ob seine Behauptungen über Schweine zutreffen. Sie nutzt sie, um zu zeigen, wie er spricht und argumentiert: In seiner Darstellung bekommt eine persönliche Überzeugung die Kraft einer Regel, die für jeden offensichtlich sein sollte.
Vincent Vega verteidigt zunächst den Geschmack von Speck und anderen Produkten. Sein Einwand widerlegt Jules’ Urteil über das Tier nicht direkt. Stattdessen schlägt er eine andere Art vor, zu entscheiden, was sich zu essen lohnt: den Genuss. Für den einen bestimmt die Herkunft des Essens die Ablehnung; für den anderen sollte der Geschmack dafürsprechen.
Jules antwortet mit dem Beispiel einer Kanalratte. Damit kann er darauf beharren, dass guter Geschmack seine Abneigung nicht überwinden würde. So lenkt er das Gespräch auf den Punkt zurück, der ihm wichtig ist: Manche Lebensmittel würde er ausschließen, bevor er überhaupt beurteilt, ob sie schmecken. Mit seinem Vergleich will er Vincent dazu bringen, eine ähnliche Grenze bei seinen eigenen Vorlieben anzuerkennen.
Hunde bilden eine Ausnahme
Vincent wechselt daraufhin den Gegenstand der Diskussion. Er erwähnt Verhaltensweisen von Hunden, die ebenfalls Abscheu hervorrufen könnten, und fragt Jules nach seiner Meinung dazu. Die erste Antwort bleibt in Sachen Essen konsequent: Auch Hund isst er nicht. Allerdings behandelt Jules dieses Tier mit einer Rücksicht, die er dem Schwein nicht entgegenbringt – und genau daraus entsteht ein neuer Streitpunkt.
Die Persönlichkeit des Hundes dient ihm als ausgleichende Eigenschaft. Jules räumt ein, dass Hunde unangenehme Gewohnheiten haben, behauptet aber, sie besäßen etwas, durch das er ihnen diese eher verzeihen könne. Sein Argument verschiebt sich von einer Regel über Sauberkeit hin zu einer Bewertung des Charakters. Die Ausnahme zeigt, dass Abscheu nicht in jedem Fall gleich wirkt.
Vincent erkennt diesen Wechsel und schlägt ein Schwein mit Persönlichkeit vor. Statt eine neue Diskussion anzufangen, nimmt er Jules’ neuen Maßstab auf und denkt sich eine Möglichkeit aus, die ihn zu einer Einschränkung seiner Aussage zwingt. Jules setzt die nötige Portion Charme sehr hoch an und nennt Arnold, das Schwein aus Green Acres, als Vergleichspunkt im Scherz.
Die Komik entsteht dadurch, dass die beiden eine Hypothese von geringer praktischer Bedeutung mit großem Ernst prüfen. Vincent plant weder einen Test noch versucht er, Jules’ Speiseplan zu ändern. Er geht auf die Bedingungen des Arguments ein, weil er weiß, dass sein Kollege sie verteidigen, korrigieren und in mehreren Gesprächsrunden übertreiben kann.
Ein vertrautes Gespräch vor dem Überfall
Die Dynamik zwischen Jules und Vincent ermöglicht es ihnen, auf diese Weise zu diskutieren, ohne dass jeder Einwand zum Streit führt. Vincent hinterfragt, was er hört, und Jules antwortet selbstbewusst. Das Beharren wirkt wie eine vertraute Art des Umgangs zwischen Kollegen: Sie wissen, dass der andere ein Gespräch auch dann weiterführen wird, wenn keiner von beiden es unbedingt zu Ende bringen muss.
Außerdem zeigt sich ein Unterschied zu dem Thema, das Jules an diesem Morgen beschäftigt. Die Diskussion über Essen endet mit einem Scherz; seine Entscheidung, den Job aufzugeben, ist weiterhin ernst. Nachdem sie gelacht haben, bemerkt Vincent Jules’ Stimmungswechsel, und das Gespräch kehrt zu den Ereignissen beim Besuch in der Wohnung zurück. Jules kann sich für einen Augenblick entspannen, ohne seine gerade getroffene Entscheidung aufzugeben.
Später, als Vincent auf die Toilette geht, setzen Pumpkin und Honey Bunny den Überfall in Gang. Das Gespräch beim Frühstück hat zunächst eine alltägliche Situation am Tisch geschaffen. Der Stimmungswechsel wirkt, weil der Film einer Diskussion Zeit eingeräumt hat, die scheinbar ohne unmittelbare Folgen weitergehen könnte.
Jules’ Ablehnung von Schweinefleisch zeigt somit, wie er Gespräche führt und Vorlieben verteidigt. Sie ist weder ein geheimer Hinweis auf Jules’ Identität noch beweist sie für sich genommen seine Wandlung. Die Szene lässt uns seinen Humor und das Vertrauen zwischen den beiden Kollegen kennenlernen, bevor ihr Morgen von einem neuen Konflikt überschattet wird.
Die englische Fassung verwendet zwei Adjektive für „schmutzig“, die helfen, die Verschiebung im Argument nachzuvollziehen. Vincent nennt den Hund „dirty“, und Jules räumt diesen Grad an Schmutzigkeit ein, unterscheidet ihn aber von „filthy“ – dem stärkeren Ausdruck, mit dem er seinen Abscheu begründet. So kann er die Ausnahme aufrechterhalten, ohne Vincents Beobachtung völlig abzustreiten.
Wer eine übersetzte Transkription liest, sollte auf diese Abstufung achten. Werden beide Begriffe mit demselben Wort wiedergegeben, kann der Austausch wie ein unmittelbarer Widerspruch wirken. Im Englischen führt Jules einen Unterschied im Grad ein und fügt dann die Persönlichkeit des Hundes als ausgleichenden Faktor hinzu. Seine Argumentation ist weiterhin diskutabel, hat aber einen Zwischenschritt, der in der Übersetzung mehr oder weniger deutlich werden kann.
Dafür muss man keine bestimmte Untertitel- oder Synchronfassung für korrekt erklären. Es geht darum, den sprachlichen Mechanismus des Witzes zu erkennen: Jules passt seine Kategorien an, während Vincent nach dem nächsten Beispiel sucht, das sie infrage stellen könnte.
