Butchs Uhr in Pulp Fiction ist eine Lancet. So bezeichnet Hodinkee das Modell, das für die Dreharbeiten ausgewählt wurde. Auf der Leinwand hat sie ein rundes, goldfarbenes Gehäuse, ein helles Zifferblatt und dunkle Zeiger. An ihrem Aussehen lässt sie sich wiedererkennen, wenn sie erneut auftaucht, auch wenn der Markenname schwer zu entziffern ist.
Es gibt zwei Szenen, in denen sie zu sehen ist: Koons’ Besuch bei dem Jungen und Butchs Rückkehr als Erwachsener in die Wohnung. In der ersten hält er sie ganz nah an die Kamera; in der zweiten erscheint sie zwischen den Alltagsgegenständen. Später hantiert Bruce Willis damit und zeigt das Metallarmband deutlicher.
In der Filmhandlung erkennt Butch sie als etwas wieder, das er als Kind bekommen hat. Auch die Zuschauer erkennen sie wieder, weil der Film ihnen den Gegenstand bereits vor seiner Wiederbeschaffung gezeigt hat. Der runde Umriss des Zifferblatts verbindet die beiden Auftritte, zwischen denen im Leben der Figur viele Jahre liegen.
Details, die auf den Filmstills zu erkennen sind
Das Zifferblatt zeigt arabische Ziffern und dunkle Zeiger mit verziertem Umriss. Das Glas wird von einem goldfarbenen Rand eingefasst. In der Nahaufnahme von Koons verdecken die Finger einen großen Teil des Randes; auf der Aufnahme in der Wohnung sind die kleinen Bandanstöße, die das Uhrengehäuse mit dem Armband verbinden, besser zu erkennen. Sie sind schmal und lassen einen Zwischenraum zwischen Gehäuse und Armband.
Das Armband besteht aus einer Reihe quer verlaufender Metallplättchen. Als Butch die Uhr hält, reflektieren diese Teile das Licht, sodass sich die Breite des Armbands im Verhältnis zum Zifferblatt erkennen lässt. Die Uhr kombiniert also ein rundes Gehäuse mit einem geraden, gegliederten Band. Die von Hodinkee wiedergegebenen, Miramax zugeschriebenen Filmstills zeigen diese Formen. Die Spiegelungen auf dem Glas und die Neigung des Gegenstands machen es jedoch unmöglich, alle Aufschriften sicher zu entziffern.
Die Wahl des Requisits und der Wechsel des Armbands
Jonathan R. Hodges erklärte Jon Bues am 21. Mai 2021 bei Hodinkee, dass er die Uhr bei einem Antiquitätenhändler gekauft habe. Er suchte nach einem Stück, dessen Bandanstöße ihn an die Anpassung einer Taschenuhr für das Handgelenk erinnerten. Tarantino und Willis waren mit seiner Wahl einverstanden. Willis bat um ein elastisches Speidel-Armband, das in der Bildunterschrift als Twist-O-Flex bezeichnet wird. Hodges fügte hinzu, dass nur eine Uhr verwendet wurde.
Der Film zeigt einen Unterschied zwischen den beiden Zeitabschnitten. Koons übergibt die Uhr ohne Armband, wie es auch in der abschließenden Kontinuitätsliste festgehalten ist. Butch trägt sie als Erwachsener mit dem Metallarmband. Das passt dazu, dass das Uhrengehäuse erhalten bleibt und das Band, mit dem es am Handgelenk befestigt wird, ausgetauscht wird. Der Film erklärt nicht, wann diese Änderung im Leben der Figur stattgefunden haben soll.
Die Übergabe an den Jungen leitet die Episode mit der goldenen Uhr ein. In dieser Szene kann Christopher Walken das Gehäuse direkt zwischen den Fingern halten. Als Butch die Uhr als Erwachsener wieder an sich nimmt, hantiert Willis mit dem ganzen Stück samt Armband. Durch die Vorbereitung des Requisits lässt es sich auf beide Arten zeigen, ohne das Zifferblatt zu verändern, an dem die Zuschauer es wiedererkennen.
Wie alt ist die Uhr, und was bedeutet es, dass sie aus Gold ist?
Koons datiert den Kauf der Familie auf die Zeit des Ersten Weltkriegs und schreibt ihn der Generation des Urgroßvaters zu. Außerdem stellt er den Hersteller als das erste Unternehmen dar, das Armbanduhren herstellte. Diese Familiengeschichte trägt zur Symbolik der goldenen Uhr bei. Koons’ Erzählung belegt weder das Herstellungsdatum der beim Dreh verwendeten Lancet noch deren industrielle Vorreiterrolle.
Im Interview werden weder ein Herstellungsjahr noch eine Modellnummer genannt. Hodges glaubte auch nicht, dass die Uhr aus massivem Gold bestand. Das goldfarbene Gehäuse ist zu sehen; seine Zusammensetzung lässt sich anhand dieser Bilder jedoch nicht bestimmen. Auch das Uhrwerk lässt sich nicht anhand des Zifferblatts datieren, denn die genannten Aufnahmen zeigen das Innere der Uhr nicht.
Das Keramikkänguru gehörte Tarantino. Hodges erzählte Hodinkee, dass das Drehbuch eine so bestimmte Figur verlangte, dass er bei seinen Besuchen in Antiquitätengeschäften keine passende finden konnte. Als er dem Regisseur davon berichtete, sagte dieser, er habe das Stück auf seinem Schreibtisch und werde es zum Dreh mitbringen.
In der Aufnahme aus der Wohnung steht die Figur rechts im Bild, links davon ist ein gerahmtes Foto zu sehen. Die Uhr hängt zwischen den beiden Gegenständen am Schwanz des Kängurus. Das Zifferblatt ist zur Kamera geneigt, und das Armband liegt um die Figur. Der Rand des Gehäuses, das Glas und die Verbindungen des Armbands sind gemeinsam zu sehen; auf ihren Oberflächen spiegelt sich das Licht.
So befindet sich die Uhr neben einem persönlichen Foto und einer dekorativen Figur. Diese Nähe gibt ihr einen konkreten häuslichen Kontext, bevor Butch sie aufnimmt. Ihre Präsentation unterscheidet sich von der Erinnerung an seine Kindheit: Dort umschlossen Koons’ Finger die Uhr; hier ist sie gemeinsam mit den Dingen in der Wohnung im Bild.
