Das Blut in Reservoir Dogs ist während längerer Gespräche auf der Leinwand zu sehen. Mr. Orange verbringt einen großen Teil der Handlung verletzt im Lagerhaus, mit durchnässter Kleidung und auf dem Boden liegend. Das Make-up hält diesen Zustand aufrecht, während die anderen reden, streiten oder versuchen, ihm zu helfen. Die Gewalt ist materiell präsent, selbst wenn niemand schießt.
Praktische Effekte bringen Gegenstände und Substanzen ins Spiel, die zusammen mit den Darstellern gefilmt werden. In diesem Film sind sie sowohl an den Flecken auf Kleidung und Kulissen als auch an dem Gegenstand zu erkennen, den Mr. Blonde nach seinem Angriff auf den Polizisten in der Hand hält. Bei ihrem Einsatz muss bedacht werden, was der Schauspieler berühren kann, wie der Gegenstand ins Bild kommt und wie lange er sichtbar bleibt.
Die Erinnerungen der Beteiligten geben Einblick in einen Teil dieser Arbeit. Greg Nicotero und Robert Kurtzman sprachen über die Mitwirkung von KNB; Tim Roth beschrieb, wie es war, mit Kunstblut zu drehen. Ihre Aussagen handeln von Materialien, Schauspiel und gestalterischen Entscheidungen.
Das Blut, mit dem Tim Roth drehte
Tim Roth beschrieb das Kunstblut am Set als Sirup, der unter den Scheinwerfern trocknete und dazu führen konnte, dass er am Boden festklebte. Diese Aussage stammt aus einem Interview mit Empire, das 2020 vom Santa Barbara International Film Festival wiederveröffentlicht wurde. Seine Erinnerung bezieht sich auf eine konkrete körperliche Herausforderung: Er musste einen Verletzten spielen und dabei mit einer klebrigen Substanz in Kontakt bleiben.
Dieses Zusammenspiel von Material, Körper und Kulisse gehört zu den praktischen Bluteffekten. Was die Kamera einfängt, steht neben dem, was der Darsteller bei seinen Bewegungen vorfindet. In Roths Schilderung veränderte das Trocknen diesen Kontakt. Das Material, mit dem die Wunde dargestellt wurde, konnte auch beeinflussen, wie er bei der Arbeit aufstand oder sich fortbewegte.
Auf der Leinwand verbindet sich das Spiel mit der befleckten Kleidung, einer brechenden Stimme, schmerzverzerrten Gesten und der Mühe, sich aufzurichten. Das Blut ist ein Teil dieser Darstellung. Oranges Körper bleibt auf dem Boden liegen, während die anderen Männer um ihn herumgehen; seine Lage erinnert daran, wie dringend er Hilfe braucht, auch wenn sich das Gespräch inzwischen um den Raub oder den Verdacht dreht.
Auf dem weißen Hemd heben sich die Flecken besonders gut ab. Blut ist auch auf Whites Händen zu sehen, als er versucht, seinem Kollegen zu helfen. Durch den Kontakt der beiden breitet sich die sichtbare Spur der Verletzung aus: Wer dem Verwundeten helfen will, muss sich ihm nähern und ihn berühren. Kostüm und Make-up wirken so an derselben Handlung mit, erfüllen bei der Filmarbeit jedoch unterschiedliche Aufgaben.
Die Dauer dieser Szenen ist ebenso wichtig wie der Moment des Schusses. Die Kamera zeigt Orange aus verschiedenen Perspektiven, und das Publikum sieht weiterhin die Folgen seiner Verletzung. Der Effekt muss die Präsenz eines Mannes tragen, der während eines längeren Gesprächs auf Hilfe wartet.
Das Gummiohr und sein Auftritt im Bild
Greg Nicotero bestätigte 2020 in einem Interview mit Ain’t It Cool News, dass KNB die in der Szene verwendeten Ohren hergestellt hatte. Das Stück, das Michael Madsen vor der Kamera in der Hand hält, bezeichnete er als Gummi. Diese Beschreibung macht deutlich, dass es sich um einen eigens für den Dreh angefertigten Gegenstand handelte, den der Schauspieler handhaben konnte.
Robert Kurtzman ergänzte in seinem im Januar 2008 veröffentlichten Gespräch mit MJ Reviews einen technischen Hintergrund. Er erklärte, dass er einen ähnlichen Effekt für Phantasm II entworfen und diese Technik in Reservoir Dogs eingesetzt hatte. Seine Schilderung ordnet die Lösung einer früheren Werkstatterfahrung zu, die für einen anderen Auftrag angepasst wurde.
In der Ohrszene in Reservoir Dogs wendet sich die Kamera während der Amputation ab und zeigt anschließend das Ergebnis. Nicotero hob diese Entscheidung hervor, als er sich an die Arbeit erinnerte. Das sichtbare Stück macht eine Folge des Angriffs deutlich, während der Vorgang selbst außerhalb des Bildes bleibt. Den Gegenstand anzufertigen und zu entscheiden, wie viel davon gezeigt wird, sind zwei unterschiedliche Eingriffe in den fertigen Effekt.
Die Arbeit von KNB an Reservoir Dogs war Teil einer Zusammenarbeit, die mit Pulp Fiction fortgesetzt wurde. Kurtzman schrieb in dem Interview mit MJ Reviews von 2008 die Effekte beider Filme der Werkstatt zu. KNB EFX Group war von Robert Kurtzman, Greg Nicotero und Howard Berger mitgegründet worden – drei Namen, die mit dieser Phase der Make-up-Effekte verbunden sind.
Die Verbindung reichte auch zu einem weiteren Projekt. Wie Kurtzman Josh Weiss 2026 gegenüber SYFY WIRE erzählte, erklärte sich Tarantino bereit, das Drehbuch für From Dusk Till Dawn unter der Bedingung zu schreiben, dass KNB die Ohrszene umsetzte, falls Reservoir Dogs gedreht würde. Die Zusammenarbeit bei den Effekten wurde während der Entwicklung der Drehbücher vereinbart, bevor der Erfolg des Films Tarantino eine andere Stellung in der Branche verschaffte.
Kurtzman hatte die Geschichte zu From Dusk Till Dawn entwickelt; Tarantino machte daraus ein Drehbuch, und Robert Rodriguez führte schließlich Regie bei dem Film.
