Eddies Trainingsjacke in Reservoir Dogs: Kostüm und Stellung

Nice Guy Eddie (Chris Penn) trägt in Reservoir Dogs. Sein Erscheinungsbild lässt nicht erahnen, wie sehr er sich durchsetzen kann, wenn er versucht, auf die Krise zu reagieren.

Das ist interessant, weil Eddie fest in die Organisation eingebunden ist. Er ist Joe Cabots Sohn, kennt dessen Männer und ist an der Bewältigung der Krise beteiligt. Er kann sich in ein Gespräch einschalten, Erklärungen verlangen und anderen sagen, was sie tun sollen, ohne wie die für den Überfall angeheuerte Gruppe auszusehen.

Seine Kleidung macht ihn in einem Film mit vielen Figuren leicht erkennbar. Um seine Stellung zu verstehen, sind jedoch auch die Beziehungen und Entscheidungen wichtig, die die Geschichte zeigt. Sein legeres Erscheinungsbild steht neben einem zunehmend autoritären Auftreten, als sich die Lage zuspitzt. Dieses Zusammenspiel ermöglicht es, die Kostümgestaltung als Teil einer Charakterisierung zu betrachten, die im Zusammenspiel mit den anderen Figuren Bedeutung gewinnt.

Eine eigene Figur innerhalb der Bande

Christopher Laverty bringt den Unterschied in der Kostümgestaltung mit der Trennung zwischen den Organisatoren und den Ausführenden des Überfalls in Verbindung („Reservoir Dogs: Gangster Silhouette“, Clothes on Film, 2017).

Optisch durchbricht Eddie die Wiederholung dunkler Jacken, heller Hemden und Krawatten. Besonders deutlich wird der Nutzen dieses Unterschieds, wenn er mit mehreren Gangstern zusammen ist: Man erkennt ihn sofort, ohne dass ihn alle beim Namen nennen müssen. In einer Geschichte, in der die Figuren zusammenkommen, um zu diskutieren, hilft die Kleidung dabei, den Überblick darüber zu behalten, wer sich in das Gespräch einschaltet und wer bereits gesprochen hat.

Der abweichende Look verhindert außerdem, dass die Bande wie eine Organisation wirkt, in der alle dieselbe Stellung haben. Eddies Kleidung lässt sich im Zusammenhang mit seiner Nähe zu Joe lesen, doch der Film vermittelt diese Beziehung durch die Figuren. Das Kleidungsstück ergänzt eine familiäre und operative Stellung, die wir auf andere Weise kennenlernen.

Autorität ohne gemeinsame Uniform

Die Rolle von Nice Guy Eddie in Reservoir Dogs zeigt sich, als er im Lagerhaus eintrifft und versucht, die Reaktion auf das Desaster zu organisieren. Er gibt Anweisungen zu den Autos und den Diamanten, entscheidet, wer ihn begleiten soll, und erwartet, dass die anderen ihm folgen. Die Filmszene – Quentin Tarantino, 1992 – zeigt, dass seine Möglichkeit, einzugreifen, von seinen Verbindungen zur Organisation und seinem Verhalten gegenüber den Überlebenden abhängt.

So sieht das Publikum einen leger gekleideten Mann, der von anderen Koordination verlangt, obwohl sie einheitlicher gekleidet wirken. Die Situation durchkreuzt die unmittelbare Verknüpfung von formeller Kleidung und Führungsanspruch. Eddie muss nicht wie die Ausführenden des Überfalls aussehen, um Gehorsam einzufordern – genauso wenig garantiert die gemeinsame Kleidung der Gruppe, dass ihre Mitglieder dieselben Prioritäten teilen.

Seine Reaktion auf Blondes Tod fügt eine weitere Dimension hinzu. Eddie beurteilt das Geschehene aus persönlicher Loyalität heraus und verlangt Erklärungen, die mit dem übereinstimmen, was er über seinen Freund weiß. Die Kleidung mindert die Bedeutung dieser Forderung nicht. Die Figur, die sich unter den Männern scheinbar vertraut bewegt, kann im Umgang mit ihnen schroffer werden, wenn sie eine für sie wichtige Beziehung bedroht sieht.

Alltagskleidung in einer Gewaltsituation

Auch das sportliche Erscheinungsbild macht Eddies Handlungen nicht weniger drastisch. Seine Kleidung mag alltäglich wirken, während seine Entscheidungen Teil einer kriminellen Krise sind. Durch diese Nähe zwischen vertrauter Kleidung und bedrohlichem Verhalten muss die Figur ihr Äußeres nicht verändern, um ihren Tonfall zu wechseln: Stimme, Worte und Taten verändern die Beziehung zu den Menschen um sie herum.

Der Zusammenhang zwischen Kostüm und Figurenidentität wird an dieser Kontinuität deutlich. Eddie bleibt als Figur erkennbar, während die Szene die Erwartungen an sein Eingreifen verändert. Seine Kleidung hilft, ihn in der Gruppe zu verorten; die Beziehungen, für die er einsteht, und die Entscheidungen, die er durchsetzt, machen verständlich, welchen Platz er darin einnehmen will.

Die Kostümbildnerin Betsy Heimann erklärte in diesem Interview, dass sie Kragen und Krawattenbreiten an die jeweiligen Schauspieler anpasste.

Eddies Spitzname vermittelt Vertrautheit und passt zu seiner Zugehörigkeit zu Joes Umfeld. Diese Nähe gilt nicht gleichermaßen für alle Beteiligten des Überfalls. Sein Ton kann schärfer werden, wenn jemand dem widerspricht, was er über seinen Freund zu wissen glaubt. Die Szene verändert den Eindruck, den er macht, durch die Personen, denen er zuhört, und die Erklärungen, die er zurückweist.

Die Männer, die den Überfall ausführen, erhalten Farbnamen als Decknamen, während er Eddie bleibt und durch eine bekannte familiäre Verbindung mit Joe verbunden ist. Die Beziehung zwischen den beiden reicht weiter zurück als der Auftrag, der die Diebe zusammenführt. So ist Eddie durch seine Kleidung und seinen Namen erkennbar, ohne dass diese Merkmale sein Verhalten festlegen. Welche Verpflichtungen er anerkennt und wie er versucht, sie durchzusetzen, vervollständigt seine Stellung innerhalb der Bande.