Die Fahrerin, die Mr. Orange in Reservoir Dogs erschießt

Mr. Orange wird von einer Fahrerin angeschossen, die sie beim Versuch, ihr Auto an sich zu nehmen, überfallen. Die Frau erhält in der Geschichte von Reservoir Dogs keinen eigenen Namen. Ihre Darstellerin ist Suzanne Celeste, die als Shot Woman aufgeführt wird. Die Begegnung findet während der Flucht nach dem Raubüberfall statt und erklärt, wie Orange zu seiner Bauchverletzung kommt.

Um die Frage zu beantworten, wer schießt, muss man zwischen der Figur in der Geschichte und der Schauspielerin unterscheiden. Suzanne Celeste bezeichnet die Darstellerin, die auf der Leinwand zu sehen ist; die englische Rollenbezeichnung beschreibt ihre Rolle. Keine der beiden Angaben nennt die Fahrerin innerhalb der Fiktion persönlich.

Die Frau schießt während des Überfalls, und Orange erwidert das Feuer. Es sind zwei aufeinanderfolgende Handlungen verschiedener Personen, die bei der Beschreibung des Vorfalls auseinandergehalten werden sollten. Orange wird schwer verletzt, bleibt nach der Begegnung aber am Leben. Die Szene führt die Verletzung auf einen konkreten Eingriff zurück und zeigt, wie Orange darauf reagiert; sie endet nicht mit seinem sofortigen Tod.

Eine namenlose Fahrerin, gespielt von Suzanne Celeste

Die Frau wird daran erkannt, dass sie am Steuer des Fahrzeugs sitzt, das die Flüchtenden zu übernehmen versuchen. Sie kommt in der Geschichte vor, weil das Auto, in dem sie sitzt, zum Ziel dieses Versuchs wird. Der Film beschränkt ihren Auftritt auf die Begegnung: Er gibt ihr keinen eigenen Namen und entwickelt keine frühere Beziehung zwischen ihr und Orange.

Suzanne Celestes Eintrag in der Besetzung von Reservoir Dogs führt sie laut IMDb in der Rolle Shot Woman auf. Das ist eine beschreibende Bezeichnung, sinngemäß die Frau, auf die geschossen wird, und kein Figurenname. Die Formulierung beschreibt, was ihr während des Vorfalls widerfährt, und kann die Handlung in den Hintergrund rücken, die sie zuvor ausführt: Sie schießt auf den Mann, der versucht, ihr das Fahrzeug wegzunehmen.

Die Besetzungsangabe und die Beschreibung der Szene liefern daher ergänzende Informationen. Erstere ermöglicht es, die Schauspielerin zu identifizieren; Letztere zeigt, wer Orange die Verletzung zufügt. Der kurze Auftritt macht die Fahrerin nicht zu einer unbeweglichen Hintergrundfigur. Ihr bewaffnetes Eingreifen verändert den Ausgang der Begegnung, auch wenn die Erzählung danach den Flüchtenden folgt.

Was beim Versuch, ihr das Auto wegzunehmen, geschieht

Tim Dirks beschreibt die Abfolge in seiner Zusammenfassung von Reservoir Dogs für Filmsite: Orange wird während des Versuchs, das Auto zu stehlen, von der Fahrerin angeschossen und schießt zurück. Dieser Zusammenhang zwischen den Handlungen reicht aus, um den Ursprung seiner Verletzung festzustellen. Der Schuss, den er abbekommt, und der, den er anschließend abgibt, fallen in dieselbe Begegnung, allerdings in entgegengesetzte Richtungen.

Die Reaktion der Frau macht deutlich, dass sich der Versuch, sich des Fahrzeugs zu bemächtigen, nicht vollständig kontrollieren lässt. Im Auto sitzt eine Person, die auf den Überfall reagieren kann. Die Szene räumt dieser Person eine konkrete Handlung ein, deren Folgen Orange noch spürt, nachdem die Erzählung ihr keine weitere Aufmerksamkeit mehr schenkt. Hier stehen die Dauer eines Auftritts und die Reichweite seiner Folgen in einem ungleichen Verhältnis.

Die Reaktion von Mr. Orange als Undercover-Ermittler bringt einen Widerspruch in seine Position. Das Publikum weiß, dass er zur Polizei gehört, sieht ihn bei dieser Begegnung aber dabei, wie er versucht, einer Fahrerin das Auto wegzunehmen, und das Feuer erwidert. Dass er verdeckt ermittelt, gehört zum Hintergrundwissen des Publikums; sichtbar bleibt ein gewaltsamer Schusswechsel rund um das Fahrzeug.

Die Folge ist eine schwere Bauchverletzung. Orange überlebt den Moment des Treffers und ist danach weiterhin am Geschehen beteiligt; der Schuss bedeutet also nicht seinen sofortigen Tod. Das ist die konkrete Folge, die sich aus dem Vorfall ableiten lässt: Aus dem Versuch, ein Auto zu bekommen, wird eine Situation, in der er von der Person verletzt wird, die darin saß. Für seinen späteren Ausgang müssen weitere Ereignisse berücksichtigt werden.

Die Reihenfolge der Handlungen kann verloren gehen, wenn man sich die Begegnung nur anhand eines einzelnen Bildes ins Gedächtnis ruft. Orange verletzt zu sehen, lässt eine Folge erkennen; eine Person mit einer Waffe zu sehen, reicht nicht aus, um den gesamten Schusswechsel nachzuvollziehen. Um zuzuordnen, wer ihn trifft, muss man den Zusammenhang zwischen dem Überfall, dem Eingreifen der Fahrerin und seiner Reaktion im Blick behalten. Diese Abfolge innerhalb der Szene beantwortet die Frage, ohne dass die gesamte Flucht rekonstruiert werden muss.

Außerdem sollte man die Identifizierung von einer Erklärung der Gefühle trennen. Der Name einer Schauspielerin, ein Besetzungseintrag und die gezeigte Handlung erlauben festzustellen, wer beteiligt ist und was die Person tut. Für sich genommen beschreiben sie nicht, was die Figur gedacht hat. Der Film liefert genügend Informationen, um die Frau in der Begegnung einzuordnen, lässt ihre persönlichen Erlebnisse jedoch unerzählt. Diese Grenze zu wahren ermöglicht es, präzise über ihre bewaffnete Reaktion zu sprechen, ohne ihr eine Biografie, eine frühere Beziehung zu den Protagonisten oder einen als sicher dargestellten Gefühlszustand zuzuschreiben.