Tarantinos Stern und Ehrungen für sein Lebenswerk

Quentin Tarantino erhielt seinen Stern auf dem Walk of Fame am 21. Dezember 2015. Diese Ehrung ergänzt Auszeichnungen wie den Prix Lumière in Lyon und die Art+Film-Gala des LACMA, die sein Lebenswerk würdigen.

Der Stern auf dem Hollywood Boulevard

Quentin Tarantinos Stern befindet sich am Hollywood Boulevard 6927, gegenüber dem TCL Chinese Theatre. Die Handelskammer von Hollywood feierte seine Enthüllung am 21. Dezember 2015 und führte ihn als Nummer 2.569 auf dem Walk of Fame. Er gehört zur Kategorie Motion Pictures, also Film. Diese Angaben helfen, die Ehrung von anderen Formen der Würdigung zu unterscheiden, die ebenfalls im Umfeld des Theaters stattfinden.

Samuel L. Jackson nahm gemeinsam mit dem Präsidenten der Handelskammer, Leron Gubler, an der Zeremonie teil. Seine Anwesenheit stellte eine Verbindung zu einer langjährigen beruflichen Zusammenarbeit her. Außerdem fand die Veranstaltung nur wenige Tage vor dem US-Start von The Hateful Eight in 70-mm-Format statt. Die zeitliche Nähe erklärt den Werbekontext der Zeremonie, doch der Stern würdigt eine Karriere und ist kein Wettbewerbspreis für diesen Film.

Der Ort der Ehrung hat eine besondere öffentliche Dimension: Der Name des Filmemachers wird in einen Rundgang durch die Stadt aufgenommen, der Filmschaffenden gewidmet ist. Anders als eine Trophäe, die in einer jährlichen Kategorie verliehen wird, ist der Stern mit einem festen Standort verbunden. Deshalb ist es auch hilfreicher, seine Adresse und Kategorie anzugeben, als ihn als Sieg über andere Regisseure des Jahres 2015 zu beschreiben.

Der Stern ist nicht mit den Hand- und Fußabdrücken im Innenhof des Chinese Theatre zu verwechseln. Obwohl beide Orte mit Hollywoods touristischer Erinnerungskultur verbunden sind und sich in derselben Umgebung befinden, handelt es sich um unterschiedliche Ehrungen. Auch ein Foto vor dem Theater reicht nicht aus, um festzustellen, welche Zeremonie darauf zu sehen ist. Beim Walk of Fame gibt das offizielle Register Auskunft über Datum, Adresse und Sternnummer.

Der Prix Lumière 2013

Zwei Jahre zuvor hatte das Festival Lumière in Lyon Tarantino als fünften Preisträger des Prix Lumière ausgewählt. Die Institution würdigte sein Werk und seine Tätigkeit als Cineast, zu der auch die Präsenz anderer Filmemacher, Darsteller und Musiker in seiner filmischen Vorstellungskraft gehörte. Damit folgte er auf die ersten vier Geehrten: Clint Eastwood, Miloš Forman, Gérard Depardieu und Ken Loach.

Die Auswahl wurde nicht als Wettbewerb zwischen den Premieren jener Saison präsentiert. Das Festival Lumière widmet sich dem Filmerbe und Filmen, die das Publikum wiederentdeckt. Vor diesem Hintergrund würdigte die Ehrung Tarantino sowohl als Regisseur als auch als Zuschauer, der seine Begeisterung für ältere Werke bewahrt, kommentiert und weitergibt. Seine Cinephilie war ausdrücklich Teil der institutionellen Begründung.

Tarantino war fünfzig Jahre alt, als er den Preis erhielt. Zu diesem Zeitpunkt umfasste seine Karriere bereits Reservoir Dogs, Pulp Fiction, Jackie Brown, Kill Bill, Death Proof, Inglourious Basterds und Django Unchained. Die Chronologie ist wichtig, denn die Ehrung erfolgte vor The Hateful Eight und Once Upon a Time in Hollywood. Sie war kein Rückblick nach Abschluss seiner gesamten Filmografie, sondern eine Würdigung eines noch andauernden Weges.

Der Name Lumière kann zu Verwechslungen mit anderen ähnlich benannten Preisen führen. Hier bezeichnet er die Ehrung, die das mit dem Institut Lumière verbundene Festival in Lyon vergibt. Sie sollte auch nicht als eine weitere Goldene Palme dargestellt werden: Diese wird beim Festival von Cannes in einem anderen Auswahlverfahren vergeben. Die genaue Benennung der Institution verhindert, dass zwei unterschiedliche Ehrungen unter der gemeinsamen Bezeichnung „französischer Preis“ zusammengefasst werden.

LACMA und die Begegnung von Kino und Museum

Am 1. November 2014 veranstaltete das Los Angeles County Museum of Art seine vierte Art+Film-Gala zu Ehren der Künstlerin Barbara Kruger und Tarantinos. Eva Chow und Leonardo DiCaprio führten als Co-Vorsitzende durch den Abend. In der Mitteilung des Museums wird die Veranstaltung als Teil einer Initiative beschrieben, die bildende Kunst und Film zusammenbrachte. Die Einnahmen waren für Filmprogramme, Ausstellungen und weitere Aktivitäten der Institution bestimmt.

Tim Roth präsentierte die Ehrung für Tarantino, begleitet von einem audiovisuellen Beitrag. Dass ein Mitwirkender aus seinen Filmen die Ehrung vorstellte, verlieh ihr eine deutlich berufliche Dimension. Zugleich rückte Krugers Anwesenheit den Abend in einen breiteren Kontext als den einer Filmpreisverleihung. Beide wurden in ihren jeweiligen Bereichen geehrt, ohne miteinander um dieselbe Auszeichnung zu konkurrieren.

Die Gala sollte nicht in eine Aufzählung von Oscars, BAFTAs oder Regiepreisen aufgenommen werden. Ihr dokumentarischer Wert liegt darin, zu zeigen, dass eine Museumseinrichtung seiner Arbeit eine öffentliche Ehrung widmete. Das Format verbindet eine kulturelle Feier mit der Unterstützung der Museumsaktivitäten. Es rechtfertigt nicht, die Veranstaltung zu einem jährlich verliehenen Preis für den besten Spielfilm zu erklären oder ihr eine Kategorie zuzuschreiben, die sie nicht hatte.

Die drei Ehrungen stehen für unterschiedliche Formen der Erinnerung an das Kino. Der Walk of Fame verankert einen Namen im öffentlichen Raum Hollywoods; Lumière nimmt ihn in eine Feier des Filmerbes auf; LACMA bringt ihn in einem Museum mit der bildenden Kunst zusammen. Wenn diese Unterschiede berücksichtigt werden, wird verständlich, was jeweils gewürdigt wurde, und eine vielseitige institutionelle Laufbahn lässt sich nicht auf eine undifferenzierte Sammlung von Trophäen reduzieren.

Siehe Quentin Tarantinos Auszeichnungen.