Die Datenbank der Academy verzeichnet zwei Oscars für Quentin Tarantino, beide für das beste Originaldrehbuch. Um seine Nominierungen zu zählen, muss man persönliche Auszeichnungen von denen unterscheiden, die Darsteller und Filmschaffende für seine Filme erhielten.
Die beiden Siege für das beste Originaldrehbuch
Quentin Tarantino gewann seinen ersten Oscar bei der Verleihung 1995 für Pulp Fiction. Die Auszeichnung teilte er mit Roger Avary. Die Academy führt die Urheberschaft genau auf: Das Drehbuch wird Tarantino zugeschrieben, die Geschichte Tarantino und Avary. Beide Namen gehören zu der Auszeichnung. Sie als persönlichen Sieg zu verbuchen, würde eine Zusammenarbeit unterschlagen, die im offiziellen Register ausdrücklich aufgeführt ist.
Der Unterschied zwischen den ausgewiesenen Beiträgen ändert nichts daran, dass es sich um eine gemeinsame Auszeichnung handelt. In den Drehbuchkategorien wird die Arbeit so gewürdigt, wie sie für den Film eingereicht und ausgewiesen wurde; der Eintrag nennt die Empfänger. Die berufliche Zusammenarbeit von Roger Avary und Tarantinohat ihre eigene Geschichte; hier genügt es, diese Urheberschaft bei der Auflistung der Auszeichnungen korrekt wiederzugeben.
Den zweiten Oscar erhielt Tarantino 2013 für Django Unchained; bei dieser Nominierung war er als alleiniger Drehbuchautor ausgewiesen. Zwischen den beiden Verleihungen liegen 18 Jahre, obwohl die Filme ursprünglich 1994 beziehungsweise 2012 in die Kinos kamen. Der Unterschied zwischen Erscheinungsjahr und Verleihungsjahr erklärt viele scheinbare Abweichungen in Listen. Beide Jahresangaben können in Datenbanken auftauchen, sofern klar ist, auf welches Datum sie sich beziehen.
Die Filmbesprechungen zu Pulp Fiction und Django Unchainedhelfen dabei, die Werke einzuordnen, ohne den Eintrag zu den Auszeichnungen mit einer Analyse ihrer Handlung zu verwechseln. In beiden Fällen geht die Drehbuchauszeichnung an konkrete Autoren. Es handelt sich nicht um eine allgemeine Statuette, die automatisch allen Personen verliehen wird, die an dem Film mitgewirkt haben.
Der Verlauf seiner acht persönlichen Nominierungen
Die offizielle Datenbank ermöglicht es, seine Nominierungen nach Film und Kategorie zu ordnen. Bei den Verleihungen zu Pulp Fiction, Inglourious Basterds, Django Unchained und Once Upon a Time in Hollywood finden sich acht persönliche Nominierungen, darunter die beiden Auszeichnungen. Diese Zählweise verhindert, dass Preise für Darsteller, Kamera oder Szenenbild zu den persönlichen Erfolgen des Regisseurs hinzugerechnet werden.
- 1995: Regie und bestes Originaldrehbuch für Pulp Fiction; den Drehbuchpreis gewann er gemeinsam mit Roger Avary.
- 2010: Regie und bestes Originaldrehbuch für Inglourious Basterds; in diesen Kategorien gewann er nicht.
- 2013: bestes Originaldrehbuch für Django Unchained; gewonnen.
- 2020: Regie, bestes Originaldrehbuch und bester Film für Once Upon a Time in Hollywood; bei der Nominierung als bester Film war er gemeinsam mit David Heyman und Shannon McIntosh als Produzent nominiert.
Die drei Nominierungen für die beste Regie entfielen auf Pulp Fiction, Inglourious Basterds und Once Upon a Time in Hollywood. Bei den jeweiligen Verleihungen gewannen Robert Zemeckis für Forrest Gump, Kathryn Bigelow für Tödliches Kommando – The Hurt Locker und Bong Joon-ho für Parasite. Diese Angabe beschreibt den Ausgang der jeweiligen Verleihung. Sie verrät für sich genommen weder, welche persönlichen Beweggründe die einzelnen Abstimmenden hatten, noch belegt sie eine generelle Ablehnung seines Regiestils durch die Academy.
Besondere Beachtung verdient die Nominierung als Produzent im Jahr 2020. Der Preis für den besten Film geht nicht automatisch an den Regisseur: Die Academy benennt die nominierten Produzenten. Deshalb kann Tarantino für Once Upon a Time in Hollywood eine Nominierung in dieser Kategorie verbuchen, ohne dass ihm jedes Mal eine weitere zugerechnet werden sollte, wenn ein von ihm inszenierter Film für den Hauptpreis nominiert war. Für die persönliche Zählung ist der eingetragene Credit ausschlaggebend.
Die Überprüfung des Registers im Oktober 2026 bestätigt diese Bilanz von acht Nominierungen und zwei Siegen. Eine künftige Auszeichnung müsste mit ihrer Kategorie und ihrem Empfänger ergänzt werden, nicht nur mit dem Filmtitel. So bleibt die Liste stimmig, wenn eine Person Drehbuch schreibt, Regie führt und produziert, aber nicht immer dieselben ausgewiesenen Funktionen übernimmt.
Was die Auszeichnungen über seine Drehbucharbeit aussagen
Die beiden Siege rücken das Drehbuchschreiben ins Zentrum seiner Beziehung zu den Oscars. Das passt zu beobachtbaren Merkmalen seiner Filme: klar unterscheidbare Stimmen, Dialoge, die Informationen dosieren, und Strukturen, die die Erwartungen des Publikums steuern. Zu behaupten, die Academy betrachte ihn ausschließlich als literarischen Autor, würde einer kollektiven Institution jedoch eine Erklärung zuschreiben, die sich aus der Liste der Gewinner nicht ergibt.
Ein Drehbuch beschränkt sich auch nicht auf geistreiche Dialoge. Es umfasst die Anordnung der Handlungen, die Beziehungen zwischen den Szenen und die Verteilung von Enthüllungen. Ein Gespräch kann so gestaltet sein, dass es ein Ziel verschleiert, eine Entscheidung hinauszögert oder ein Bündnis verändert. Wer diese Dimension berücksichtigt, kann über die Drehbucharbeit sprechen, ohne die Worte künstlich von ihrer dramatischen Funktion im Film zu trennen.
Die Auszeichnungen für Mitwirkende entfallen auf andere Kategorien. Christoph Waltz erhielt Preise für seine schauspielerischen Leistungen in Tarantino-Filmen, und Brad Pitt gewann für Once Upon a Time in Hollywood. Diese Auszeichnungen gehören zur Geschichte der Werke, stehen aber den Darstellern zu. Diese Unterscheidung schmälert nicht die Bedeutung der Regie; sie hält lediglich fest, wer für welche ausgewiesene Arbeit ausgezeichnet wurde.
Das Oscar-Register dokumentiert somit eine spezifische Anerkennung seiner Drehbucharbeit, ergänzt durch Nominierungen für Regie und Produktion. Die Goldene Palme für Pulp Fictiongehört zu einem anderen Festival und einem anderen Auswahlverfahren. Wer diese Wege getrennt betrachtet, kann Tarantinos Werdegang würdigen, ohne Zahlen aufzublähen oder unterschiedliche Auszeichnungen zu einem einzigen dauerhaften Wettbewerb zusammenzufassen.
Siehe auch die Auszeichnungen von Quentin Tarantino.
